Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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I

XI. Jahrgang.
Seiträge

stnd an vr. C. V. LÜtzvW
(Wien,Lheresianmngasse
25) od. an die Verlastsh.
(Lcipzig, Königsstr. 3),

18. Februar

Nr. 19.
Znserate

n 25 Pf. fnr die drei
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Die Museen in Paris.

Der Herausgeber dieses Blattes hat einen kurzen
Bericht über die Aenderungen und Neuerungen in den
Pariser Museen von mir gewünscht, die ich im Herbst
1875 wieder gesehen. Meine Studien galten diesmal
wesentlich den Handschristen mit Miniaturen aus der
Nationalbibliothek, aber ich habe natürlich auch in dem
großen Museum des Louvre alte Erinnerungen ausge-
frischt und Nenes gesehen, so daß ich hoffentlich im
Stande bin, das Gewünschte mitzutheilen. Schon vor
dem Kriege hat die Sammlung La Caze ihre Auf-
stellung im Louvre gefunden, in, dem ehemals den An-
tiken der Campana-Sammlung gewidmeten großen Saale
gleich rechts von der Treppe, im Hauptstockwerk. Die
Kunstchronik (V, S. 133) hatte damals einen vollkommen
zutresfenden, von sachkundiger Hand geschriebenen Bericht
gebracht. Man kann den Ergebnissen desselben nur
unbedingt zustimmen. Die Answahl war nicht streng
genug. Neben den ganz vorzüglichen Bildern von
Greuze, Wattean, Chardin, der schönen Zigeu-
nerin von Frans Hals, der interessanten Bathseba
von Rembrandt u. s. w. sind viele gleichgiltige
Sachen, und zum Theil ganz großen Umsangs ausge-
stellt, falsche Velazquez und Rembrandt, mittelmä-
ßige Holländer, ganz schlechte Jtaliener, die den Gesammt-
eindruck stören. Hätte man nur halb so viele Gemälde
ausgewählt, so würde dieses werthvolle Vermächtniß
einen ganz anderen Eindruck machen. Es war ein Wunsch
des Stisters, daß die Sammlung eine besondere Auf-
stellung im Louvre finden sollte.

Eine andere Sammlnng innerhalb der Samm-

lung hat aufgehört zu epistiren: das XInsss iXnpioläon
III. Die altitalienischen Gemälde desselben waren
nach Werth nnd Erhaltung höchst ungleichartig. Nnr
das Bessere hat seine Aufstellnng gesunden, und zwar
gemeinschastlich mit den übrigen altitalienischen Ge-
mälden des Louvre in der sogenannten Zalls cks8 86xt
M6tr68> die gleich am Anfang der langen Galerie
im rechten Winkel an dieselbe stößt und sie durch be-
deutend bessere Beleuchtung übertrisft. Die lange Gale-
rie selbst hat eine ansehnliche Vergrößerung erfahren.
Noch drei Abiheilnngen sind in derselben erösfnet wor-
den. Die erste ist ein kleiner Vorraum mit Fenster
und Altan nach der iklL06 ckn OnrormLvl, ohne
Gemälde an den Wänden. Hier hat der gemalte Tisch
von Hans Sebald Beham Platz gesunden. Zwei
größere Abtheilungen enthalten sodann Bilder der flan-
drischen und holländischen Schule des 17. Jahrhunderts.
Jhr Licht ist ungleich besser nnd reichlicher als in den
übrigen Theilen des langen Saales und auf beiden
Wänden gleich gut. Denn das Oberlicht in den älteren
Abtheilungen der langen Galerie ift nnr ein scheinbares.
Ueber den Saal spannt sich sreilich eine prächtige Glas-
decke, aber das Dach darüber ist geschlossen und erhält
nur durch eine Reihe Dachluken Licht, so daß die Bilder
an der Wand links allein einigermaßen beleuchtet sind.
Den Luken gegenüber befinden sich dann blos Blech-
platten zum Reflektiren.

Mehrere srüher nicht sichtbare Bilder konnten jetzt
neu eingereiht werden; anch einige neue Erwerbungen
haben Platz gefunden. Unter solchen führe ich in aller
Kürze anf: L. Bruyn (wahrscheinlich), ein männliches
Bildniß, höchst charaktervoll, breit nnd kräftig gemalt.
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