Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Die Jahresausstellung im Wieuer Küustlerhause.

Die Zcihresausstellung iin Wiener Aünstlerhatise.

I.

Nicht bles; der Pariser Weltausstellung. seuderu
auch der uvch iimuer ungeinildert svrtdauerndeu Un-
guust der Zeit ist es zuzuschrcibeu, daß die Jahres-
ausstelluug diesiual au Zahl uud Art der vvrgeführteu
Kunstwerke so nnbedeuteud ausgefallcu. Wcniger als
je zuvvr gibt sie ein Bild der letztjährigeu Wieuer
Kuustprvduktivu, uud vvu deiuAnspruche, eiueu„Lalvii"
iiu Pariser Siuue zu bedeuteu, siud die Rämue des
Kiinstlerhauses heuer uiehr entferut als iu früheren
Jahreu. Daß dieser Begriff sv schwer bei uus zum
Bürgerrecht gelangt und daß unsere Kiiustler, iiu
Gruude geuviuiueu, sich sv lveuig daraus uiacheu, ihre
Arbeiteu, svferu sie bestellt vder verkauft siud und deu
Markt uicht mehr beuvthigeu, der grvßeu Frühliugs-
revue zu unterziehen, ist für Liebhaber uuv Küustler
cntschieden vvu Nachtheil. Ohne fiir vffiziell gesteiu-
pelte Kuust eiue besoudere Bvrlicbe zu hegeu uud vhue
die Uebelstäude zu verkeuueu, wclche die Jnstitutivn
dcs Pariser „Salvn" mit sich siihrt, kauu uiau dvch
uicht bestreiteu, das; der alljahrlich sich erueuerude
Wettkaiupf ztvischen deu nach Anerkeuuuug riugendeu
jungeu Taleuteu dcr Kuust wahrhaft fvrderlich ist uud
daß der fortlauseude lleberblick über die gesaiuiute
Kuustprvduktivu Fraukreichs, welchen der „Salvu"
bietet, iu anderer Weise gar uicht vder bvchsteus uur
Vvn eiuzelucn unverdrosseu fvrschendeu Fachuiäuuern
erlaugt werdcu kvnnte. Geschieht es uiitunter, daß
bedeutende Talente vder Richtuugeu aus Bvreingenviu-
iiienheit nicht in den „Salou" ciugelassen werdcn, wie
dics vor 1848 deu Rviuautikei'ii und iu uuserer Zeit
deu Jiupressivuisteu widerfahreu, sv verschtügt dies
weuig; nach eiuiger Zeit kämpft sich daü Ivirklich Be-
deuteude iu der Kuust iiuiuer durch, uud Taleute wie
Rvusseau uud Manet veriuag keiue akadeiuisch-zopsige
Jury iu das Duntct hinabzustoßeu. Wenn hiugegcu
bci uus die Lcistungeu gerade der bedeuteudsteu Küust-
ler sich einzeln ans den Ateliers davvu iiiachen, vhue
iu ihrer Berciuigung Gelegeuheit zuiu Bergleicheu uud
zuni Gewiuneu eiues Gesaiuiutbildes gcgeben zu haben,
dann uiüsseu freilich uusere Jahresausstellungen eiu
wenig befriedigeudes Stückwerk bleibeu.

Daß unsere lKünstler ihrc Werke vhne Rücksicht
aus uuseren „Salvu" ausfliegeu lassen, hat heuer die
große Kunst arg beuachtheiligt. Ju Eiseuiuenger's
Borhang sür das ueue Theater iu Augsburg hätte sie
eine gediegene, in Makart's „Einzug Karl V. iu Aut-
werpen" eine iiuiuerhin sehr iutercssante Bertretung gc-
habt. Was vou der histvrischeu Kunst übrig gebliebcu, ist
kaum der Erwähnung werth. Eine vou Jul. Schinid
iiu Auftrage des Justiz-MiuisteriuiuS geiualte und für

s"> Ätrafhaus vestimmw „Madvuua" verräth "'"l'l
"i "w Kvmpvsitivu uud Zeichnuug, zum Thcil M
"> >'""be, die gute Schule, welchcr der juugc
"."^l-ört, betüudct aber auch, daß zur .,chri,M«'
""""" tvirklich eiue „lüncre Missivu" gehvrt, ""'lchc
-eii zutage i„„„er selteuer wird. Beiuahc ti""i'c<'
w"tt „,,f psesen, Bilde das Mvtiv eiucs Eugcls, kcr
""e zerbrvcheue Fessel, der Madvuua eiitgegcuh'ill'
"'M' steht stch uuivilltürlich um, vb.uicht jeiicr vc>"
slvsteue üustiz„st„ister, dem Oesterrxich die Abschaff""!'
ler Ketteisttrafe z,, daukeu hat, als Dvuatvr i» irgeik
iiei Ecke kuieet. Ob es, iveuu der Staat Heilige'"

' "> bi aucht, heutzutage uicht zivcckmäßiger sei, eiuci"
tuugeu begabteu Küustler deu Auftrag zur Aufertig""!!
"iu> K'vpie uach eiuem eutsprecheudeu Werkc am' kcr
gcbeueveiteu Kuustepoche des Ciugueecutv zu crtheitci"
laiu uu ,vir kaum z„ ervrteru; der Kiiustler zicht a">'

cii'cr gewissenhafteu Kopie für seiue Ausbildung sick"'-
-ch uachhaltigereu Gewinu, alS aus eincr Originalki'""
si'i uu, „ud die Kvpie dicut ihrem Zlvecke jedcnsalli'
"'ig-eich grvßereu, Maße. Die ktassische Mpthvli'W'
M heue>- „vck^schli,,,,,,,, >veggckv»„ue„. A-„ »Ocdu
N'l' August vou Heyden

- ' " i't Alles, Erfiudung, Kvmpvsitivu, Kvkvrit "i"
! ^ 5 Näthsellvser veriveudete Akt zici"ii-<'

7a7^E)"'-ng kanu, trvtz ihrer Korrektheit, tci"
Wichlgefallei, erregeu, da sie gar zn .'iichtc."
- emt. Dem „Herakles i.„ Kampfe mit augrcife-idc-'
a>„,„ vvu A. Metzcuer iu Diisseldvrf crwci"
tra üt a""7 ^'c»n >uau ihu »icht nähcr bc-

i„ durchgcführte Laudschaft dagcgc"'

biüa l diesc Heroeu herumtummelu, zeugt vv>>

hnblcher Begabuug.

det„> 7^ Hi'tvrie streifeu zivei ii>tcrcssa"tt

Vv„ Ü- .^°'teu. Eiue derselbeu, die „Eberjagd"

lickiel Hnber i,t für den Spcisesaal eincS!">'«'

chSchtvstes besti„„„t „ud eutspricht diesen. Z"'^
mh Erfiuduug ,...d Ausführuug. I,u lebensvvllc"
bei,„,/ m l"hneu „ud zumeist richtig tvicdcrgcgc-
b . Beweg„..gsmvtive„ „„p de.u breit hi«g--

Geucküd""'- 7"" 'uariueu Kvlvrit des g>'vlb'"

da d ww Trvpfeu 8iubeus'scheu E

arvvei, , 'tellenweise sich sehr „.erklich an dc"

Iivü. dlaimscheu Meister augelehut bat, halten
M d 7 ''' Mit besvuderer Bravvur sind d"'

s, r kageude.. Amazvueu bebaudelt, vvn dicsc"

Nvss 7777""' "us rückivärts geivendctci"
ü t>aftvvll sttzendc Neiteriu, ivelche de.u Bescha'"''

aude> 77 dlutlitz zukehrt. Eiuer g-"'i

Uus B'i ^^rt ^ „Plafvndbitd" vvn 2-"

lm- B-rger a.u Der juuge Küustter bat si '

Vv.t 7 ! f°U!p"»twn uud Farbengcbuug ersichtli^
i" ^"p"lv mspirireu lasseu, „ud dies 'st
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