Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Preller-Ausstellung in Weimar.

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kleid ansrrtigen" anerkennen, ivelcher dankbare Stvff
^urch charakteristischeFiguren nnb hiibsch ersunbene Ziige
illnstrirt erschcint. An dieser Stctle erwähnen ivir
schließlich bie in Sepia auvgefiihrten Ävinpositivnen
Hans Lubwig Fischer's zn eincm Cyklus: „Dic Argo-
uautcn". Ohne gcrade bebcntenb zn scin, fesscln sic
l'ech bnrch richtige Auffassnng nnb Dispvsitivn des
Stvffes, soivie durch dieangcincsseneStilisirnng, nainent-
lich des lanbschaftlichen Theilcs. Es ist iminerhiu cr-
Neulich, wenn heutzutage cin jungcr Künstlcr sich an
ivlche Stvffe macht unb sic in svlchem Gciste bnrch-
»uführen vcrmag.

Die graphischen Künste sinb fajt ausschlicßlich
burch umfassenbe Ausstcllung bcr „Gcsellschafl
s"r vervielfältigende Knnst" repräscntirt, welche
auch oinc Anzahl noch nicht pnblicirter Blätter vor-
lkesiihrt hnt. Jnbcm wir bie bereits vervsfcntlichten
Arbeiten iibergehen, da sie nnseren Lescrn ohnehin be-
launt sinb, erwähnen wir nntcr den zur Ansgabe vor-
bercitcten znnächst ber anf helivgraphischen Wege vcr-
ten Zcichnnngen Victvr Iasper's nach bcm

l'esprochenen Hvlbeintischc ber Züricher Stabtbiblivthek.
Dcr Künstter hat anßer cincr Zcichnung der ganzen
^'schplatte vicr Detaitblätter gelicfcrt, bic sich bnrch
^chärfe, Trene nnd stilvvlle Dnrchführnng anszeichncn
vub in ihrer Vereinignng eine schr interessantc Pnbli-
lativn bilden. Zivei reizende Mäbchcnkvpfe, ivelche
Hans Meyer in Neapel nach bcr Natnr gcstvchen hat,
s'uden wegen des Sujets bei bcm Publiknm, Ivegen ber
gebiegenen Stichclarbeit bei ben Kcnnern vict Anklang;
^as Gleiche ist vvn Wagcnmann's Stich nach Cvr-
^Ügio's „Ganymcd" aus dem Belvedere zu vcrzcichnen.
Eines großen Bcifalls habcn sich auch einigc Vvn Wilh.
^ccht i» Miinchen theils in Hvlz geschnittene. thcils
rabirte Blättcr nach Schwinb, Bvcklin, Fenerbach nnb
Spitzwcg zu erfrenen, welchc für die Vvn ber Gesell-
^last nnternvmmene Pnblikativn der Galciie «chack
Miinchen bereit liegen. Oskar Berggrucn.

Arellvr-Ausstellung iu Weimar.

Wenn dic Nachwclt cincm hcrvvrragendcn Mcister
"ach seinem Hinscheiden ein anschauliches Bild seines

^ustlerischcn Lebens schuldet, sv ist nicht zu bezlvejfeln, > malerci nnd i,n Sinne ciner philvsvphischcn Betrachtnng

aß anch deni Maler der Odysscelandschaften ein bio- """ . .

8'aphischcK Dcnkmal zu errichten scin Ivird. Die von

bcdentend erschwcrt. klm so crfrenlichcr ist es, daß sich
in dcr ea. 200 Nnminern nmfasscndcn AnsstcNnng,
Ivclche seit dem 26. Mai d. I. crvffnet ist, Gelegen-
heit bictet, ein annähcrndes Gesammtbild von Preller's
künstlerischcr Thätigkeit zu gelvinnen, insvfcrn jeder
tiefgrcifende Einflnß, die Hanptwanblnngitn im Stil,
das Wachsthnm seincr schvpserischcn Krast nnd die
Snnime der Mvtive an einer auSerlcsenen Fvlge Vvn
Zeichnungen, Radirnngcn, Agnarcllen nnd Oclbildern
Ivahrzunehmcn sind. Znr Erlcichternng bes Stnbinms
hat die Direktivn bes Ainsenms ei» Berzcichniß *) nach
vier in sich chrvnolvgisch gevrdneten Kategvrien ver-
vffentlicht, welches nnS detaillirtcr Angaben cnthebt
nnd der allgemeinen Beachtung einpfvhlen sci.

Unter den ivichtigere» Leistnngen sinb znnächst
als Ingenbarbeite» anö be» Jaliren 1822 nnb 1822
Kvpien nach Gemälden ber Dresbener Galerie „Schlvs;
Benthcim" nnb „das Klvster" vvn J.Rnisbacl nnd ein
„Thicrstück" vvn Pvtter zn erwähnen, in denen Preller
bie Assimilirnng ciner seiner Anschannngsweise nah-
verivandten Ansbrncksform in hvhem Grade crrcicht
hat. Sclbständig kvmpvnirte Gcnrebilder, wie „die
Eissahrt anf dcm Schwansee bei Weimar" niit der
Pvrträtgestalt dcs Künstlers untcr mehrcrcn Zeitge-
nvssen, ein Bild, ivelchcs der Traditivn nach Gvthe's
nnb Karl Angust's lcbhaftes Jntercsse eriveckt habcn
svll, serncr „dcr Bärenführcr in einer Straße vvn
Antiverpcn" nnd „dcr Lcicrmann", cine Oelstnbie nach
dcm Lcben, tassen die anf dcr Akabemic nntcr van
Bree's Leitnng crivvrbene Kenntniß der mcnschlichcn
Fignr nnd in der feinen Mvdcllirnng der Kvpsc, der
licbenslvürdigen Hingcbnng an das Ausmalcn der
nebcnsächlichsten Dingc zngleich den Einflnß dcr alten
besscren lliiedcrländcr crkcnnen.

Sein Schvnheitsibeal in dcr tli'atnr sand der Land-
schaftSinalcr nirgends hcrrlicher verkvrpert als in Jtalien.
Dnrch rastlvses Streben nnd vvn altcren Zeitgenvssen
bclehrt, erreichte er hier scine Selbständigkeit, die ihn
bald nach der Heimkehr zn ben Fresevgemälben des
Römischen Hanses in Leipzig befähigte, dcrcn allmäh-
liche Umgcstaltnng nnd Eriveiternng zn bem nnver-
glcichlichen Cyklns vftmals besprvchcn, in, Znsanimcn-
hange mit bcr Entwickliing ber iieneren Landschafts-

^" hinterlaßencn Aufzcichnnngcn, Tagcbüchcr nnd
, .^^uften wcrdcn zu bem Zwecke vvllständig aus-
^ )enbes Material bieten. Das Wesentliche an dieser
gan^^^' Analysc des künstlerischen Entwicklungs-
I; ^üud ^nuch bie Unmöglichkeit eines gcnanen
o ^^eichcs sämmtlichcr, den vcrschiedcnen Pcrioden
' ^vrigen, zcrstrenten Originalwerkc nnter einandcr

vvn R. Schvne am bestcn ervrtert ist. Ein Bergleich
der Vvn Prellcr selbst späterhin anSgesührtcn Zeich-
n»ngcn in Sepia und Tnschc (79) nach den Leipziger
Freskcn mit dcn Phvtvgraphicn (175) der Kartvns

') Vgl. Ansstellung von Werkcn Friedrich Preller's im
arotzherzoglichen Museum. Mai. Wcimar. Herman Böhlau
jg78. — Die im obigen Texte citirten Nnmmern beziehen sich
auf diesen Katalog.
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