Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

Page: 565_566
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1879/0284
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Sammlungen Und AuSstellungen. — Vermischts Nachrichten.

566

565

wird am 24. Juni stattfinden und Prof. Camphausen die
Festrede halten.

5amntlungen und Ausstellungen.

ik. Znternationale Kunstausstellung in Münchcn. Bis
jetzt haben etwa 1000 Künstler mit mehr als 3000 Werken
ihre Theilnahme an der internationalen Kunstausstellung zu-
gesichert. Diess wird hiernach uin ein Namhaftes st'ärker
beschickt werden als die internationale Ausstellung von 1860.
Bereits treffen täglich und von allen Seiten Werke der
Malsrei unb Plastik ein; auch steht eine reiche Vertretung
der Architektur durch Entwürfe zu erwarten, wie auch der
graphischen Künste. Die Jnstallations-Arbeiten im Glas-
palast nehmen einen überaus günstigen Fortgang und gehen
ihrer Vollendung rasch entgegen. Nach dem was man über
die Einrichtung hört, wird dieselbe in so geschmackvoller und
großartiger Weise durchgeführt, daß sie wohl dis aller frü-
heren Ausstellungen weit hinter sich lassen wird. Die Restau-
ration wird außerhalb des Glaspalastes ihren Platz finden
und theilweise im Freisn etablirt werden.

Vermischte Nachrichten.

Virchow über Schliemann. Die Tagesblätter veröffent-
lichen ein Schrsiben Virchow's an ein Vorstandsmitglied
der Anthropologischen Gesellschaft in Berlin, in welchem es
über die Ausgrabungen Schliemann's in Troas
heißt: „Schliemann läßt einen großen Theil der Oberflächs
ganz abränmen, um die »trojanische« Stadt vollständig blotz-
zulegen. Ungeheure Brandmassen kommsn dabei zu Tage.
Große Blöcke von ungebranntem Lehm, in plattviereckiger
Gestalt, welche zum Ausbau der Mauer benutzt worden waren,
sind bis zum Schmelzen abgebrannt; sie tragen vollständige
Glasurüberzüge. Heute (am 10. April) wurüe auch in meiner
Gegenwart ein neuer »Schatz« von Gold, ganz ähnlich dem
im 6. Hefte unserer Zeitschrift sür Ethnologie abgebildeten,
mit langen Kettengehängen gefunden, mit ihm eine Reihe
goldener Scheiben, wis sie in Mykenä so häufig waren. Jch
kann also schon jetzt aus eigener Wahrnehmung bezeugen,
daß die Schilderungen Schliemann's wahrheitsgetreu sind.
Er ist von unermüdlicher Thätigkeit und wahrhaft bswun-
dernswerth in seiner Ausdauer. Da auch E. Burnouf von
Paris hier ist, so wird jedenfalls die Authenticität dieser
ietzten Ausgrabungen gesichert sein."

11. Dic Jury für dic Münchener Lokal-Kunstausstellung.
Jn der Generalversammlung der Münchener Künstlergenossen-
schaft vom 30. v. Mts. wurde der Antrag des Malers
C. E. Morgenstern auf Aufhebung der Jury für die Lokal-
kunstausstellung berathen. Das Ergebniß der sehr erregten
Debatte, an der sich namentlich der Antragsteller, der Vor-
stand der Genossenschaft, Architekturmaler C. Hoff und Jul.
Köckert betheiligt hatten, war die Ablehnung des Antrages,
nachdem die Mehrzahl der Amvssenden die Ueberzeugung
gewonnen, daß von der beantragten Beseitigung der zwar
erst einige Jahre bestehenden, aber doch von günsttger Wirk-
samkeit gekrönten Jnstitutss der Jury eine ersprießliche Folge
für die Bedeutung der Lokalausstellung nicht zu erwarten,
vielmehr im Jnteresss der guten Sache üessen Beibehaltnng
zu wünschen sei, insofern als die Jury eine Schranke bilde,
um der Ueberfluthung der Ausstellung mit Kunstwerken
zweifelhafter Art zu steuern, nnd dadurch dem Pubkikum eine
gewisse Bürgschaft gewähre für den Werth der zum Verkauf
ausgebotenen Kunsterzeugnisfe.

L. Dcr Bau der Kunsthalle in Düsseldorf ist nun end-
lich in seinen Vorarbeiten zum Abschluß gekommen und hat
die amtliche Genehmigung gefunden. Schon unterm S. März
bestätigte dsr Handelsminister den von der Regierungsbe-
hörde bewilligten Bauplatz auf dem von vorn herein von
der Künstlerschaft hierzu erwählten Friedrichsplatz und gegen-
wärtig find zahllose fleißige Hände mit der Fundamentirung
des neuen Gebäudes beschäftigt. Leider bietet disselbe wieder
verschieüene unerwartete Schwierigkeiten, indem man eines-
theils auf Wasser und anderntheils auf das von den früheren
Festungswerken herrührende Mauerwerk stößt, so dab man
das ganze Fundament»auf Bögen errichten muß, welche über
die alten Mauern geschlagen und von acht und dreißig Pfei-
lern getragen werden. Der Bau wird nach dem Entwurf

des Professors Ernst Giese in Dresden, des Erbauers des
neuen Düsseldorfsr Stadttheaters, ausgeführt, welcher in
der hierzu ausgeschriebsnen Konkurrenz gekrönt wurde, wäh-
rend der Plan des Baumeisters Riffarth den zweiten Prets
erhislt. Ueber die spätere Vertheilung der Räume in der
Kunsthalle hat zwischen den beiden betheiligten Parteien, der
Stadt und der Künstlerschaft, eine Einigung lsicht und be-
friedigend stattgefunden und in etwa vier Jahren soll das
Gebäude vollendet dastehsn. Hoffentlich wird es den daran
geknüpften Erwartungen vollauf entsprechen.

Ein neues Körner-Denkmal. Aus Dresden wird der
N. Fr. Pr. geschrieben: „Der Großherzog von Mecklenburg-
Schwerin wird am Grabe Theodor Körner's in Wöbbelin
eine Porträlbüste dieses Dichters und Helden ausstellen
lassen. Mit der Ausführung derselben wurde der hiesige
Bildhauer Hermann Hultzsch betraut, der sich bereits, na-
mentlich durch die Statue Albrecht's des Beherzten im
Meissener Schloßhofe, vorthsilhaft bekannt gsmacht hat. Auch
das Modell zur Körner-Büste ist ihm auf's trefflichste ge-
lungen. Von glsicher Hand rührt die jetzt in dsr königlichen
Kunstausstellung auf der Brühl'schen Terrasfe ausgestellte
Büste vr. Emil Peschel's, des Vaters der Jdee zu dem
hiesigen Körner-Denkmal und des Schöpfers des Körner-
Museums, her, die in ihrer Porträt-Aehnlichksit dem streb-
samen Äünstler zu aller Ehre gereicht."

Eötvös-Deukmal in Pest. Am 25. Mai wurde in Pest
das bronzene Monument des vor acht Jahren verstorbenen
ungarischen Staatsmannes, Dichters und Philosophen, Freih.
Joseph Eötvös feierlich enthüllt. Einer Korrespondenz der
N. Fr. Pr. von demselben Datum entnehmen wir darüber
folgends Details: Der Urhsber des Denkmals ist ein junger
ungarischer Bildhauer, Adolph Huszar, der seine schwierige
Aufgabe glücklich gelöst hat. Das in der Wiener k. Erz-
gießerei gegossene Standbild erhebt sich auf der Ausmün-
dung deS Franz-Josephs-Platzes, welche bisher unbenannt
gewesen und nunmehr den Namen Eötvösplatz tragen wird.
Der Ort der Aufstellung ist nicht ganz glücklich gewählt,
denn zwei Seiten der Umrahmung dss Platzes werden von
geschmncklosen Zinsburgen begrenzt; insbesondere die Süd-
seite wird durch eine mit Thürmchen und Erkern verunzierte
Zinskaserne, ein architektonisches Gräuel, abgeschlossen. Nach
iliorden dagegen und nach Wssten ist die Stasfage vortreff-
lich; hier ist es der stilvolle Palast der Akademie der Wissen-
schasten, deren Präsident Eötvös bis an sein Lebensende
gewesen, dort die Donau mit ihren breiten Kais, mit dem
Ofener Ufer, der Königsburg und dem Gebirge, welche das
Standbild umschließen. Dieses selbst ruht auf einem mäch>
tigen Sockel aus grauem Granit, welcher die Jnschriften
trägt. Das Standbilü zeigt die Kolossalfigur des Gefeierten,
bekleidet mit dem ungarischen Attila und darüber in breitem
Faltemvurf den Maiitel geschlagen, mit dem rechten Fuß
nach vorwärts schreitend, den rechten Arm emporgehoben,
in der linken Hand eins Rolle haltend. Der ausdrucksvolle
Kopf mit der breiten Stirne ist porträtähnlich; aber jener
Foseph Eötvös, der im Gedächtnisse dreier Generationen
lebt, ist nicht dargestellt, konnte auch nicht versinnlicht wer-
oen, da die physische Erscheinung des Msnschen eine treue
Kopie ausschloß und dis verschönsrnde, namentlich aber die
vergrößernde Phantasis des Künstlers an die Arbeit berief.
Wis es scheint, hat Huszar der Gedanks vorgsschwebt, den
Redner nnd den Poeten zumeist hervorzukehren; er nahm
die Werke statt des Dichters und versinnlichte der Nachwelt
die Größe der ersteren. So mußte der Künstler handeln.
Wenn die Mitlebenden sich nur schwer an das Bildniß ge-
wöhnen können, so liegt der Grund darin, daß ihnen der
Verstorbene auch noch menschlich nahe ist und nicht blos seine
Schöpfungen. Eine spätere Generation wird diesen Zwie-
spalt nicht mehr empfinden und zum vollen Genusse der
Huszar'schen Status gelangen. Aber auch für uns hat der
begabte Bilühauer ein Respekt einflößendes Werk geschaffen.

Jn Lissabon hat sich ein Komits gebildet züm Zweck
einer Gedächtnißfeier für den portugiesischen Maler Thomaz
Annunciacüo. Dasselbe beschloß, eine nationale Subscription
in Portugal und Brasilien zu eröffnen, um die Kosten sür
ein dem Künstler zu errichtendes Gräbmal aufzubringen und
um eiiien Preis aussetzen zu können, welcher jährlich einem
Schüler der kgl. Akademie der Künste in Lissabon zuertheilt
werden soll, der sich als Thiermaler besonders auszeichnst.
loading ...