Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Korresvondenz.

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Wie aus diesen Mittheilungen crhellt, ist die Bau-
thätigkeit in Croatien eine rege, und da der Name
Schmidt die Signatur aller dieser Unternehmungen
bildet, so werden die Kunstfreunde allervrten darin
eine Gewähr sinden, daß diese Thätigkeit eine hvchst
würdige und gediegene ist.

Auf dem Felde der Skulptur wird uoch wenig
geleistet. Erst wenn die großen Bauunternehmungen
vollendet sein werden, so daß zur Restaurirung der
Jnnenseiten geschritten werden kann, dürfte auch dieser
Zweig der Kunst znr Blüthe gelangen, ebenso die
Malerei, welche bisher in Croatien noch kein Feld der
Thätigkeit gefunden hat. Erwähnenswerth sind jedoch
schon jetzt die Arbeiten eines jungen croatischen Bild-
hauers Rendic, welcher aus der Schule Duprs's her-
vorgegangen ist und in Agranr seinen Wohnsitz auf-
geschlagen hat. Seine Büsten Julio Clovio's und
Andrea Schiavone's, welche den Platz vor der Bilder-
galerie schniücken, ebenso drei Grabmäler auf dem
Centralfriedhofe, darunter das des obengenannten Dich-
ters, sind sehr tüchtige naturalistische Leistungcn in
modern italienischem Stile. Weitaus bedentender sind
des jungen Croaten Porträtbüsten aus Montenegro,
sowie desseu Porträts einiger Agramer Celebritäten.
Ueber das Kunstgewerbe kann im Augenblick noch nicht
viel berichtet werden; auch da werden die großen Bau-
unternehmungen von entscheidendem Einflusse sein, über-
dies wird an der Gründung einer gewerblichen Fort-
bildungsschule und eines Knnstgetverbemuseums rege
gearbeitet. — Wichtig für die Zukunft ist die Verfii-
gung des Erzbischofs vonAgram, wodurch dieTheologen
im 4. Äahrgange verpflichtet werden, die Geschichte
der christlichen Knnst zu hören, auch sollen Prüfungen
aus diesem Fach eingestihrt werden. Jn diesem
Punkte ist Croatien dein großen Auslande voraus-
geschritten.

Aorrespondenz.

Kopenhagen, im August 1879.

8. N. Während noch vor einigen Jahrcn die
Hauptstadt Dänemarks unter diejenigen zahlte, welche
als an monumentalen Kunstwerken besonders arm da-
standen, scheint sich jetzt das Verhältniß in günstigerer
Richtung zu entwickeln. Seit 1876, da ich in der
„Chronik" die Statue Tycho de Brahe's erwähnte,
ist zu Kopenhagen cine ganz beträchtliche Zahl vou
Plastischen Werken zum Theil schon vffentlich aufgestellt,
zum Theil in den Ateliers der betreffenden Künstler
gußfertig geworden.

Als das bedeutendste Werk genannter Art steht
an der Nordwestseite der „alteu Stadt" das große,
Von I. A. Jerichau ausgeführte Monument H. C.

Oersted'S da. Auf einem hvhen Sockel erhebt sich das
Standbild des ,großen Physikers; in inodernem Anzug,
dessen einfache Langweiligkeit jedoch durch dcn Mantel,
welcher von der rechten Schulter bis zur Erde herab-
fließt, einigermaßen gebrochen wird, lehnt er an einen
Pfeilcr uud scheint soeben cineni Auditorium die Ent-
deckung des Elektromagnetismus zu demonstriren; von
seiner linken, etwas gehobenen Hand, streckt sich der
Fadeu, den er auch mit der rechten stützt, an die Vvr
seinen Füßen angebrachte Batterie. Frei und lebhaft
ist die Figur gestellt, sprechend und klar verständlich
ihr ganzer Ausdruck; des gegebenen, jedenfalls sehr
ungünstigen Kostüms der Zeit ungeachtet, ist es dem
Künstler gelungen, überall reine, plastische Hauptlinien
hervorzubringen. Zu den Füßen der Hauptsigur sind
noch drei allegorische Kolvssalgestalten, auf niedrigeren
Sockeln sitzend, dargestellt, überaus schvne und groß-
artige Weiber, die Nornen der altnordischen Mythologie,
Vorzeit, Gegenwart und Zukunft. Weshalb diesen
dreien eben an einem Monumente Oersted's Platz an-
gewiesen worden ist, läßt sich wohl schwerlich erklären;
dem Standbilde eines jeden anderen großen Kämpfers
des Geistes würden sie mit eben sv vollem Rechte
zukommen, insofern doch jede geistige That nicht nnr
dem Augenblicke angehvrig ist, sondern auch in der
Vorzeit vorbereitet, so wie der Zukunft fruchtbringend
sein muß. Wie sie sind, nehmen jedoch die Nornen
Jerichau's in der niodernen Plastik eine beachtens-
werthe, auch eine sehr eigenthümliche Stellung ein.
„Gegenwart" und „Znkiinft" sind die ersten gelungenen
Versuche, eine rein nordische Plastik auf der gemein-
samen Grundlage der Kenntniß altskandinavischer
Mythen-Bvrstelliiiigen und des Studiums nordischer
Bolkstypen auszübilden. Mit der Antike haben sie
ganz nnd gar nichts gemein; ihre Schönheit ist auf
einheimischeni Boden gewachseu, ihr Geist dem „Edda's"
und „Saga's" entsprungen. Wie ihre Draperien —
lange, von deni Hals bis an die Füße hinabfließende,
schwerstoffige Kleider, die sich naturgemäß in große,
einfache Falten ordnen — schon etwas ernsthaft Gran-
dioses an sich haben, so sind auch die Gestalten selbst,
„Gegenwart" niit tiefem, ruhevolleni Ausdruck und
„Zukunft" mit dem Gepräge von halbbewußtem ma-
gischen Schanen, ernsthafte und gewaltige Figuren,
plastische Typen einer Raye, wie sie allein die nor-
dische Natur erzeugen kann. Daß die dritte Jsvrne,
die „Borzeit", mit griechischer Kunst mehr überein-
stimnit, kann dem Totaleindrnck des ganzen Monu-
mentes nicht günstig sein; an sich dagegen ist diese
Figur in Beziehung auf Haltung und Linien vielleicht
die schönste.

Jn eineni halboffenen Hofplatze der Holmens-
Kirche hat nun cndlich H. W. Bissen's von einem
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