Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 14.1879

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Iahrgang.

Beiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
Lützow (lvien, There-
sianunigasie 25) oder an
die verlagshandlung in
keipzig, Gartenstr. 8,

2. Oktober

Nr.

Inscrate

zeile werden von jeder
Buch- u.2<unsthand!ung
angenommen.

,879.

Beiblatt ^ur Zeitschrift für bildende Kunst.

Grscheint von September bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Juli bis September alle Tage, für die Abonnenten der „Aeitschrift sür
bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen postanstalten.

Inhalt: Der pariser Salon. IV. — L. Iännicke, Die Larbenharmonie; Derselbe, tzandbuch der Velmalerei; M. Schmidt, Die Aquarell-
malerei; G. Aümmel, Runst und Rünstler in ihrer Förderung durch die fteir. Landschaft; B. Springer, I)undert Lartouchen ver-
schiedener Stile; L. A. Lebschöe, Architektur- und Landschastsmaler. — viollet-le-Duc -j-. — Die Donibau-Verwaltung in Aöln. — Das
Berliner Aunstgewerbe-Museum. — Zum Bau der Stuttgarter Aunstschule. — Zeitschriften. — Inserate.

Ro. 45 Vcr Kunstchroink (Schlusz dcs Jahrgangs) crschcint am 9. Oktovcr.

Dcr j)ariser 5alon.

IV.

Frankrcich darf, trotz dcr herbcn Verluste der
letztcn Jahre, mit Stolz auf seine Bildhauerschule
blickcn, iu der sich Blüthe und Frucht zum harmvnischen
Kranze reihcn. Wohl starb 1875 Bartze, der Mei-
ster im Thierbilde, und der geniale Feuergeist Car-
pcaux, 1876 Perraud, dcr Schöpfer des „üösssxoir"
und der „onkallLs äs LaoLÜus", sowie Cabet, einer
von Rude's hervorragendstcn Schülcrn, aber noch leben
Dumont, Guillamne, Jouffrot) und Cavelier, Bon-
nassieux, Paul Dubois und Gatteanx, dic ünt Ehren-
zeichen übcrhäuften Mitglieder des Jnstitutes, welchen
in Falguiöre, Crauk, Chapu nnd Carrier-Bellense nnd
in den reichbegabten jüngeren Künstlcrn Mercio, Schöne-
werk und Saint - Marceaux Nachfolger erwachscn.
Jeder der ältercn Mcister ist das Haupt einer ganzcn
Schule, und der Einfluß der großen Todten aus der
Mitte der fünfziger und dem Anfange der sechziger
Jahre, Nnde, Pradier, Dabid d'Angers, Foyatier und
Duret, macht sich daneben noch immer geltend.

Der diesjährige Salon umfaßte wiederum schöne
Probcn dieser Kunstblüthe neben einzelncn Sendungcn
aus Belgien, Nußland und Jtalien; Deutschland hiclt
sich fern. 3n der Wahl der Vorwürfe herrscht der
Gedankc an die Vcrherrlichung dcr hervorragendcn
Todten Frankrcichs durch das Grabmal nnd die Statne,
sowic durch die zur Aufstettung in öffcntlichen Museen
bestimmte Porträtbüste in Marmor vor; rcligivse und
mytholvgische Darstettungen waren diesmal in geringer

Zahl erschienen, und die großen historischen odcr die
dem AlltagSleben entnommenen, rein menschlichen Vor-
würfe fehlten fast ganz. Dic Porträtbüste Lcbender,
ein Modeartikel, in welchem die Franzvscn eine wunder-
bare Meistcrschaft bcsitzen, war dagegcn reich vertreten,
fast bei jcdem Schritte begegnete man bekanntcn Zügen,
und die Aehnlichkeit ist meistens sprechend.

Guillaume, der Direktor der liools äss Zsg.nx-
^rts, stettte das Gppsmvdell der sür die StadtAvignon
bestimmten Bronzestatue Philippe's de Girard aus, des
Erfinders der Flachsspinnmaschine, auf deren Her-
stellung Napoleon I. eincn Preis von einer Million
Franken gesetzt hatte. Der berühmte Jndustrielle sitzt
sinnend einen Griffel in der Hand da, er stcttt wohl
mathcmatische Bercchnungen über cine seiner zahl-
reichen Erfindungen auf dem Gebietc des Maschinen-
wesens an; die Statne ist korrekt nach den Regeln
der Plastik, doch ohne die Gcnialität, welche Guittaume's
Jugcndwcrke „Anakreon" und die „Gracchen" im
Luxcmbourg charakterisirt, und ihn später, als die Ncife
dcr Mannheit sich dazu gesettte, zum Hanptvcrtreter
dcr rcinen akademischen Traditivnen machtc; dicse Tcn-
denz gipselt in der Gruppe dcr „Musik" vor der neuen
Oper und stempelt Carpeaux' wilden Neigen deö Tanzes
durch den Gegensatz mehr noch zur Ausgeburt eiucr
ungezügeltcn Künstlcrphantasie. Bci cincr Porträt-
büste von Bnloz, dem verstorbenen Bcgründcr dcr
„Hsvus äss Dsux Nonäss", feicrt die vottcndetc
Technik dieses Schülers voin Pradier cinen neuen
Trinmph. Das kahlc Haupt, die unschöucu Züge nnd
das einc feucrsprühendc Auge mit dem scharfcn Blicke
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