Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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sö. Iahrgang.
Beiträge

sind an j)rof. Dr. L. von
Lützow (lvien, Chere-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
Gartenstr. 8,
zu richten.

(6. Oktober

Niv t-

Inserats

cc 25 j^f. sür die drei
Mal gespaltene jl>etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Aunschandlung
angenomnien.

t87Y.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheiitt voti Septeinber bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis ^eptember alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Runft" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iabrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und osterreichischen j?oftanstalten.

Inbalt: Beue Mittheilungen aus Olympia. — Die Raffael-Ausstellung in Dresden. — wiedcreröffnung der Airche ^ ^alvatore in Benedig. —
H. Müllcr, Betrachtungen über das ^tudium dcr Aunstwissenschafl; Brassai, von dem'vergnügen :c. : Der Ratalog der Gyps-
abgüsse des Berlincr Museums. - Beue Grwcrbungen des Bcrliner Rupferftichkabinets; Ini Mitteldeutschen Rinrstgewerbevcrein zu
Frankfurt a. M.; Im wiener Belvedere. — Das Ballfeft zu Lbren des Deutschen Beichsgerichts in Lcipzig; t5iena. — Beuigkeiten des
Buch- und Runsthandels. — Zeitschriften. — Auktions-Rataloge. — Inserate.

Ncue Anttheilungen aus Olympia.

Dcr kürzlich erschiencne dritte Band des ossiziellcn
Werkes über Olympia, soivie die bcendigte und die
soebcn ervffncte diesjährigc Olympia - AuSstellnng im
Berlincr Oumpo sunto bieten cinen willkommenen
Ucberblick über das in den letzten Campagnen Erreichte.

Das.prachtvoll ansgestattete Werk*) giebt in einem
von den drei Heransgebcrn verfaßten Text eine Be-
schreibnng der Arbeitcn nnd der dabei maßgebend ge-
loesenen Gesichtspnnkte (Cnrtins); cine Erklärnng der
wichtigsten Fundstücke nebst dcm Versuch der Wicder-
herstellung des Wcstgicbcls (Trcn), cndlich cine be-
schreibende Analyse der Bautcn und architcktonischen
Ncste (Adler). Hinsichtlich der ncucrdings gemachten
belveglichen Fnnde kann ich anf nicincn Bcricht aus
Olympia im letzten Wintcr (Nr. 2 t der Knnst-Chronik
v. I. 1879) verwcisen. Dic dort erwähnten merk-
Ivürdigcn archaischen Nclicss nnd Statnettcn, soivie
dcr Kvlossalkvpf der Herä, die mehr als vicle andere
Werke dcn Ucbergang ans kleinasiatischer Knnstweise
in die hellenische zur Anschauung bringcn, können jctzt
in Gypsabgüssen betrachtct Ivcrden, znm Theil sind sic
auch in dem Olympia-Werke abgebildet. Ein wcitcreS
Wort der Erklärnng hierüber erscheint übcrflüssig.

Hvchst interessante Funde bilden die Mnrmor-

*) Die Ausgrabungen zu Olympia. III. Uebersicht
der Arbeiteu uud Funde rwm Wintcr und Frühjahr 1877—
1878, herausgegeben von E. Curtius, F. Adler und G.
Treu. Berlin, Erust Wasmuth. 1879. 32 Folioseiteu

Text und 38 Tafeln, von deuen 4 Photographien, I3Litho-
graphien, die übrigen Lichtdrucke von Römmler L Jonas.

fragmente, welche sich in die Grnppcn des Wcstgiebels
einsügen und ans den zerstreuten Glicdern immer
! dentlicher eine cinheitliche, groß empfnndene Kom-
^ position vor unsercn erstaunten Augen erstehen lassen.
Es ist das Verdienst des archäologischen Leiters der
Ausgrabungcn, durch unermüdliches Verglcichcn, Kvm-
biniren, Zusammenpassen die Füllung des Westgiebels
aus dem Zustande der Hypothescn fast schon in das
Stadium der Gewißheit und Zweifellosigkeit gcfördert
zu haben.

Jn der Mitte steht jcne herrliche Gestalt, dcr
bis auf die Beine vom Knic an abwärts nichts wesent-
liches mehr mangelt; denn auch die rcchtc ausgestreckte
Hand hat ihr neucrdings zugesprochcn iverdcn könncn,
freilich eiue andere, als die im Text und auf Tafcl
36 37 vermuthungsweise angcgebenc. Bei dieser
Figur ist man sehr versucht, die auch sonst bemängette
Zuverlässigkeit des braven Pausauias anzuzwcifeln.
Nach ihm soll cs Peirithoos sein; abcr ist das die
Attitüde eincs sich gegen Ivüthcnde Angriffe vcrthei-
digenden Menschen? Ruhig und gemesseu, vhne Leiden-
schaft steht er da, als ein Walter des Kampfcs, au
dem er selbst keinen Theil zu haben scheint .— mir
kaum noch fraglich, daß wir die Gestalt cines Gottes
vor uns haben, dcr dann seinem Typus nach nur
Apollo sein kann. Schon die Verglcichung mit dem
Ostgiebel nnd den Giebelgruppcn des äginctischen
Tempels, wo ebcnfalls der urbitsr pu^nus ruhig
zwischen den hadcrnden Parteicn stcht, lcgt eine sotche
Deutung überaus nahe.

Die wilden Gruppen der kämpfenden Lapithen
und Kentaurcn mit den geraubten und verthcidigten
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