Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Iahrgang.

Veiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
§ützow (wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
^eipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

6. Novcmber

Nr. 4.

Inserate

ct 25 für die drei
Mal gespaltene j?etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

s87Y.

Veiblätt zur Zeitschrist für bildende Kunst.

bildende Aunst" gratis; für stch allein bezogen koster der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deulschen

und österreichischen j?oftanftalten.


Die Entwickelung der Broitzetechnik in N)icn.

von R. r>. Litclbcrger.

Untcr dcn verschicdenen Zwcigen der Technik,
welche gcgenwärtig in Wicn gciibt nnd gepflegt Iverden,
nnd welchc svwohl anf dcm Gebiete der Knnst als
nuf dein der Jndnstrie cinc große Rolle zn spiclcn be-
rufen sind, nimmt der Bronzeguß eine der ersten
Stcllen cin. Jm Künstlerhanse nnd im Oesterreichischen
Mnseum waren unlängst, fast gleichzcitig, AuSstcllungcn
von Gußwerken dcr Bronzcindnstrie-Gesellschaft und
der k, k. Kunsterzgießerei der Herren Pönninger nnd
dlöhlich veranstaltet, die als eben so reich wie instruktiv
bezeichnet werden müsien. Speziell hat die AnSstcllnng
^er Bronzeindnstrie-Gesellschast uns von dcr Leistungs-
mhigkeit der Wiener Bronzeindustric cin dentlicheS
Bild vor Augcn gesührt. Das Programm dieser
kleinen, aber rührigeu Gescllschaft zur Förderung deo
Bronzegnsses hat erst vor Kurzcm cine Erweiterung
^fahren, indem die Gesellschaft auch den Kunsteisen-
ßuß in den Bercich ihrcr Thätigkcit zog. Eine Reihe
von Preisen sind dazu bestimmt, das künstlerifche Ele-
uient uuf dem Gebietc des Bronze- und Eisengusies
uud der vcrwandten Zwcige dcr Mctalltechnik zu
svrdern.

Vor dreißig Jahrcu wurde dcr Bronzcguß in
Msten außerordentlich lässig bctrieben; in kleinem Maß-
stabe beschästigten sich die Gürtler mit Bronzeguß-
urbeiten, nnd nur einige wcnigc Künstler, wic Petro-
wutsch, erkauntcn die hohe küustlcrischc Bedeutung dicscr
Wechnik. Längst vergesscn sind die Bronzestatuetten
von der Hand eines Aleri, Rumpelmavcr, Prelcuthner,

Gaffer u. A. Später traten David Hollenbach ans
Bavreuth und der Preuße Glanz in Wicn auf, erstercr
als Bronzegießer, letzterer vorzugswcise mit dem Eisen-
guß beschäftigt. Dcr Erste, welcher deu Kunstcisenguß
in größerem Stilc sordertc, war Herr von Neichen-
bach, der einige Zeit hindurch die Fürstlich Salm'schc
Eisengießerei lcitete. Wcr an einem Sommertage den
reizenden Weg über den Cobenzl bci Wien verfolgt,
der an dem dort befindlichen Palais des ehemaligen
Ministers Grafen Cobcnzl vorüberführt, welches später
in Reichenbach's Besitz überging, dem fallen die ko-
loffalen, in Eiscn gegoffenen Hunde auf, welche als
Wächtcr am Eiugangc fungircn und Zeugniß ablegen
von der erfolgrcichen Thätigkcit des damaligen Lciters
der Salm'schen Gießcrei. Aber Glanz und Neichen-
bach waren in ihren Unternchmungen nicht vom Glück
begünstigt; nur das Etabliffcmcnt von Hollenbach ist
ausrecht gcblieben nnd hat seincn Nuf auch auf der
letzten Pariser Weltausstcllung wicder auf's Gläuzcndstc
bewährt. Heutigcn Tags zählt dic Bronzeindustrie
Wiens eine Reihe von hervorragenden Firmen, die
ihren Wirkungskreis weit über die Grcnzen Oesterreichs
ausgedehnt haben; es sind dies außer Hollenbach die
Anstalten von Hanusch <L Dziedzinskv, Lup,
Böhm, Brix L Anders, Wodwarzka n. A. Mit
der Herstellung größcrer Bronzegüsse beschäftigen sich
Pönninger nnd Rohlich, Turbain, Homann.
Turbain hat seiu Etablissei'ncnt so erweitert, daß er
monnmeutale Güffe großcu Stils hcrzustellen im Stande
ist. Auch Homanu pflegt den figürlichen Bronzeguß.
Jn der Kunsteisengießerei ninimt Waagner iu Meid-
ling bei Wien eine hervorragende Stellung ein. Die
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