Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Die Entwickelung der Bronzstechnik in Wien,

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Kimstarbeit in Schmiedeeiscn ist als jiingster Zweig
dazu gekommen und wird durch Manner wie Milde,
Wilbelm, Tagleicht und Gillar in eminenter Weise
vertreten, Auch die verwandten Zweige der Gold-
schmiedekunst, der Ciselir- und Gravirknnst habcn
Leistimgen aufzuweisen, welche auf künstlerische Werth-
schätzung vollen Anspruch erheben kvnnen, insbcsondcre
wurde in den Ateliers von Klinkosch nnd Zanuer
die figürliche und ornamentale Kleinkunst mit glück-
lichstem Erfvlge gepflegt, Die jüngeren Medaillenre,
insbesondere Anton Scharfs, wenden sich mit Borliebe
den Gußmedaillen zu, und die von St, Schwartz ge-
leitete Ciselirschule an der Kunstgewerbeschnle, sowie
die Chemisch - Technische Versuchsanstalt tragen mit
dazu bei, das künstlerische Element in dcr mctallur-
gischen Produktion zu fördern, So entwickelte sich
gegenwärtig, trotz der Ungunst der Zeitverhältniste, ^
auf diesem Gebiete cin so reiches künstlerisches Leben,
wie nie zuvor.

Das erste Verdienst um die Hebung der geschil-
derten Kunstzweige haben sich die Architekten erworben,
welchen wir die Neugestaltung Wieus verdanken, Auf
dem Gebiete der kirchlichen Kunst hatte schou bei
dem Bau der Alt-Lerchenfelder-Kirche die metallur-
gische Technik reiche Gelegenheit, sich zu eutfalten, Der
Bau des neuen Tpernhauses gab der Bronzeindustrie
mächtige Jmpulse, Dazu kam die Gründuug der
kaiserlichen Erzgießerei in Wien"), un deren Spitze
Anton Fernkorn trat. Man hatte schon lange mit
Bedauern gesehen, daß alle die grvßeren Erzgüsse,
welche in Oesterreich zur Aufstellung gclangten, aus
Gußwerkstättcn des Auslandes stammteu. Die Grafen
Leo und Franz Thuu warcn es, welche dem Kaiser
den Nath ertheilten, in Wien eine Kunstgießerei uach l
dem Muster der Münchener zu gründen, Anton ^
Ferukorn, der am 15. November vorigen Jahres in der >
hiesigen Landesirrcnanstalt scinem langjährigen Leiden -
erlag, war ganz der rechte Mann, um diesen Plan
zu verwirklichen, — Jn Ersurt 1813 geboren, lerute
er schou iu srüher Jugend als Gürtler alle verschiedenen
Zweige der metallurgischen Technik kenucn und ge-
hörte soniit zu deu wenigen Künstleru uuserer Zeit,
die'aus dem Handwerk hervorgegangen sind. Erst spät
kani er zur Kunst und hat uie eine Akademie besucht,
Das Studium der Autikc blieb ihm fremd. stkach
volleudeter Militärzeit trat er in Stigelmayer's Atelier

*) Schon Zauner hatte aus Anlaß des unter seiner
Leitung in Wien gegossenen Josefs-Denkmals den Plan der
Errichtung einer Bronzegießerei in Wien beantragt, nnd der-
selbe sand auch von Seite seiner Kollegen, besonders Füger's,
die wärmste Unterstützung, Aber die Ungunst der Zeit ver-
hindcrte die Ansführung, Nergl, C. v, Lützow's Geschichte
der k k, Akademie, S, dö und 89,

und besuchte dann auch die Schule Schwanthaler's,
um das iu sciner künstlerischen Ausbildung früher Ver-
säumte nachzuholen, Man erkennt in seinen spüteren
Arbeiten, vornehnilich iu den kteineren, den Einfluß
Schwanthaler's, das Spezifische, Fernkoru Eigen-
thümliche darin ist die DetailausfUhrung, die hand-
iverkliche Gcschicklichkeit, Nachdem Fernkorn 1840 nach
Wien gekommen war, zog bald eine Reihe solcher
kleiueren Arbeiteu, vornehmlich eine Statuette des Erz-
herzogs Karl, welche von Hollenbach gegvsten wurdc,
die Aufmerksamkeit der Kunstsreunde auf sich, Dann
folgte sein erstes großes und in seiner Art bestes Werk,
die elf Fuß hohe Neitergruppe des h, Georg im
Kampfe mit dem Drachen, welche in der fürstlich
Salm'schen Erzgießerei gegvsseu und im PalaiS Mon-
tenuovo in der Bankgassc aufgestellt wurde, Mit
dieser Schöpfung legitimirte er sich als der rechte Mann
für die zu grüudende kaiserlichc Erzgießerei und das
erstc größere Werk, welches unter sciuer Leitung iu der
neuen Anstalt geschaffen wurde, war daS 1853 be-
gonnene und 1859 enthüllte Reiterdenkmal des Erz-
herzogs Karl auf dem äußeren Burgplatze zu Wien,
Das Monument hat bekanntlich als Kunstwerk be-
deuteude Schwächen, es fehlt ihm die monumentale
Ruhe, man darf es eine in's Kolossale vergrößerte
Statuette nennen, Aber alS Mcisterstück des Erzgustes
von höchst siunreicher Konstruktiou und svlidcr tech-
nischer Aussührung ninimt das Werk eincn hervor-
ragenden Platz ein, Von den übrigen großeu Erz-
gußwerken, welche die von Fernkorn geleitete Anstalt
hervorbrachte, uenuen wir, abgesehen von zahlreichen
Biisten uud Statuetten, das Kopal - Denkmal in
Znaini, den kolossaleu Löwen auf dem Friedhofe in
Aspern, den Brunnen im Wiener Bankgebäude, uach
Ferstel's Entwurf, das Ressel-Monnmcnt vor dcr
technischcn Hochschule iu Wieu, die Gruppe: Hagcn
verseukt den Nibclnngenschatz, das Jellacie-Bionument
nnd das Priuz Eugen-Denkmal, das Gegeustück zum
Erzherzog Karl, auf dem äußereu Burgplatze, Der
1865 erfolgten Enthüllung des Eugenmvnnmcntes kounle
der Künstler schon uicht mehr beiivohuen. Nach Fern -
korn's Ausschciden ist die Leitnng der Erzgießerei in
dic Häude Pöuninger's und Röhlich's übcrgcgangeu,
welche ebensalls cine große Anzahl bedeutcndcr Guß-
Iverke, in jiiugstcr Zeit i'iameutlich das 1876 euthüllte
Schillerdeukmal iu Wien und das Erzhcrzog Johann-
Denkmal in Graz ausgeführt haben, Die Erzgießerei
ist jedvch hcute eiuc Privataustalt, uur mit der Be-
rechtiguug, den Titel einer k. k. Knnsterzgießcrei zn
führcn.

Ein ziveites Atelier für den Erzguß grvßeu Stils
hat in jüngster Zeit der vben erwähnte Turbai n er-
richtet, und ivir verdanken der Rivalität zwischeu
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