Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Preisvertheilungeir — Sammluugen und Ausstellungen.

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tere in manchen Fällen wohl ahnsn, aber nicht bestimmen.
Berlin und Köln haben hübsche Arbeiten geliefert, aber
auch andere Schulen; sogar aus Rom sind Modelle gekommen.
— Die einzelnen Skizzen ausführlich zu beschreiben, würde
uns zu weit führen, wir wollen deshalb nur die besonders
bemerkenswerthen aufzählen. Eine der bedeutendsten in
Größe und solider Durchführung ist Nr -14, höchst ähnlich,
und wenn auch die Haltung, d'ie linke Hand nuf einen Baum-
stumpf gestützt, seitwärts lehnend mit dem rechten Arm auf
dem Rücken, vielleicht etwas familiär erscheinen mag, so ge-
bührt dieser Skizzs doch die Erwähiiung an erster Stelle.
Sehr gut getroffen und individuell, eine ganz einfache Por-
trätstatue, ist Nr. 36. Gut auch ist Nr. l>6, doch würden
wir den Kopf liebsr ohne Mütze sehen; was die individuelle
Aehnlichkeit betrifft, so wird ein Meister wie der Autor
dieser Skizze sie bei der Ausführung schon vollendeter er-
reichen. Dann sind die Nr. 20, 47, 6, 51, 13 schlicht und
gut, einander in Motiv und Haltung ziemlich ähnlich: es
ist die beobachtende Stellung, deren wir schon gedachten, bei
einigen mehr siiinend, bei anderen etwas zu lauernd, und alle
diese Bildnisse sind einfach und gut ausgeführt; auch Nr. 7
gehört zu den besten, doch ist das Postnmeiit etwas schwer
ausgefallen, Nr. 5 ist ebenfalls eine gute Porträtstatue.
Nr. 2 ist ein wenig zu Lewegt, Nr. 15 bis auf den etwas
theatralischen Mantel sehr gut. Es sind damit nach unserem
Urtheil die besten geiiannt, wir kömien eS uns aber nicht
versagen, auch den besonders curiosen Arbeiten noch einige
Worte zu widmen. Da ist zunächst Nr. 43, der schon er-
wähnte Blücher mit weit vorgestrecktem Arme, bewegtester
Stellung, ein säbelrasselnder Held, der auf dem Postament
eben so wenig Raum hat, wie nach dem Ausspruche des
BerlinerStraßenjungen derBlücher gegenüber derHauptwache
in Berlin: ,,Komi»e mir nur Niemand, sagt er, hier auf
meinen Ofen herauf, ich habe selbst nicht Platz genug." Dnnn
Nr. 24, dem ein geheimnißvoller Windstoß den Mantel und
Mantelkragen heftig von innen heraushebt und bewegt, vor-
gebeugt, das doppelte Fernglas in beiden Händen, eine
Figur, deren heftige momentane Bewegung durchaus komisch
wirkt, und endlich als der Gipfel künstlerischen Mißgriffes
der Feldmarschall als Cäsar iin curulischen Sessel, denOberleib
entblößt, die Beine im Mantel drapirt, die nackten Füße
in Sandalen neben und auf römischen Waffenstückeii. Dieser
lorbeerbekränzte Greis, denn er ist, was das Körperliche
betrisft, ganz realistisch greisenhaft gehalten, sieht schrecklich
ergrimmt drein, so daß ein Beschauer meinte, er könne sür
den König der Zulus, Cetewayo, gelten. Vielleicht könnte
man ihn eher »och sür einen Jndianerhäuptling halten, der
mit Gewalt in einen Römer verwandelt werden soll. Das
Postament zu dieser übrigens sehr sleißig mit Formenver-
ständniß und Geschick ausgeführten Skizze ist übergroß und
mit zwei allegorischen Figuren in slachem Relief verziert;
auch gehören dazu noch zwei kleinere Postamente nach vorn
u»d nach hinten, davon eines ein ganz erschreckliches Un-
geheuer von einem Löwen trägt, der eine Krone vertheidiqt,
und das andere zwsi um eine Fahne kämpfende Adler.
Diese für nnsere heutigen Begrisfe ganz ungenießbare, ja,
sinnlose Arbeit würde möglicherweise zur Zeit Friedrich's
des Großen gefallen haben; der vermuthlich noch junge
Autor hat jedenfalls den Zweck erreicht, sehr großes Aufsehen
bei unserem Publikum zu erregen, und indem er so sonder-
bar in die Zopfzeit zurückging, hat er etwas Neues und sehr
Seltsames, wenn auch nicht Schönes und Brauchbares ge-
schaffen."

Preisvertheilungeu.

Akadcmischc Ausstcilung in Bcrlin. Auf Vorschlag
des akademischen Senats ist an folgende KUnstler, deren
Werke sich bei der diesjährigen akademischen Ausstellung
besonders ausgezeichnet, die goldene Medaille sür Kunst
vom Kaiser verlishen wordeni und zwar: 1. die große
goldene Medaille: 1) dem Thier-I und Landschaftsmaler
Christian Kröner in Düsseldorf, 2) dem Genremaler J. Bokel-
mann in Düsseldorf; II. die kleine goldene Medaille: 1) dem
Maler Otto Kirberg in Düsseldorf, 2) dem Mnler Professor
Pohle in Dresden, 3) dem Landschaftsmaler Herniann Eschke
in Berlin. 41 dem Geschichtsmaler Henry Siemiradzki in
Rom, 5) dem Landschaftsmaler Otto 'v. Kameke in Berlin,

6) dem Maler Professor Paul Thumann in Berlin und

7) dem Bildhauer Professor Karl Kundinann in Wien.

5ammlungen und Ausstellungen.

§. Das Kunstgewerbe-Musciim zu Berlin hat neuerdings
seine reichhaltige Sammlung von Erzeugnissen der natio-
nalen Hausindustrie (aüf deren historische wie praktisch-
kunstgewerbliche Bedeutung die allgemeine Aufmcrksamkeit
zuerst durch die Pariser und dann noch mehr durch die
Wiener Wellausstellung hingelenkt wurde) um eine Anzahl
bemerkenswerther Stücke vermehrt, unter deiien eine kleine
Kollektion von Gefäßen bosnischen Ursprungs in erster
Linie steht. Das 'stattlichste derselben. ein großer, mit
schwarzgefärbten Gravirungen gezierter Deckelkrug aus ver-
zinntem Kupfer, zeigt ein in horizontalen Streifen ange-
ordnetes, zwar primitives, aber gerade in seiner Einfachheit
desto stilgemüßeres und für mannigfache Zwecke direkt ver-
wendbares Flachornament, das ebenso wie die Form ver-
schiedener, theils mit eingepreßten, theils mit roh auf den
gelben Thon aufgemalten Verzierungen versehener irdene
Geschirre die in den Donauländern noch heute nicht erstorbene
Nachwirkung antiker Gefäßbildnerei erkennen läßt. Aus
dem benachbarten Bulgarien gesellt sich hierzu ein mit ein-
gepreßten Ornamenten und mit einem Kranz aufgesetzter
Rosetten verzierter, phantastisch gestalteter sogenannter Vexir-
krug mit einer trefflichen Glasur in krüftig getöntem Grün,
wührend fich als deutsche „Baueriimajolika" mehrere aus
Holstein stammende Teller bezeichnen lnssen, deren Orna-
mentirung theils der in Heimberg bei Thun einheimischen
Fabrikation verwandt ist, aus der sich unter der umsichtigen
künstlerischen Leitung Ksller-Leuzinger's in kurzer Frist ein
blühender und geachteter Jndustrieziveig entwickelt hat, theils
aber, in einigen als Spezialität von Kellinghusen auftretenden
Stücken, durch eine breit und kräftig behandelte und deko-
rativ höchst wirksame Bemalung excellirt, in deren eigen-
artiger Tonstiiiimung ein energisches Gelb vorherrscht. —
Von weiteren neuen Erwerbungen der ker amisch en S amm-
lung, die sich nnlnentlich aiif das Gebiet der Fayence-
malerei erstrccken und in crster Reihe deutsche, und zwar
meist alte Nürnberger, außerdem aber auch französische,
niederländische, schwedische und englische, sowie ostasiatische
Llrbeiten umfassen und dem Museüm eine ansehnliche Rsihe
zum Theil noch nicht vertretener Dekorationsarten zugeführt
haben, möge u.a.neben zwei großen modernen englischenVasen
in Amphoreiigestalt aus dem Etablissement von William de
Morgan in London, die in dem metallisch schiiiimernden
Roth und Olivengrün ihrer aus Thierfiguren und palmetten-
artigen Ornamenten sich zusaiiimensetzenden flotten Bemalung
auf die Wiedergeivinniiiig einer alten, verlorenen Technik
abzielen, eine Probe der bisher in der Sammliing vermißten
Delfster Thonplastik in der stehenden Figur eineS mit Mütze
nnd blauNcmustertcm lnngen Mantel bekleideten behäbigen
Mannes genannt sein, — von Porzellanen ferner ein
Paar werthvoller Meißener Vasen aus der Mitte des vorigen
Jahrhunderts, von deren dicht mit flach aufgelcgten Vergiß-
meinnichtblüthen besetztem Fond sich Medaillons mit in zier-
lichster Miniaturmalerei auf Goldgrund ausgeführten Noccoco-
scenen in einer aus frei sich erhebenden Blumenranken ge-
bildeten llmrahmung nbheben, sowie ein neues, mehr selt-
snmes als schönes Beispiel chinesischer Porzellnnmalerei nach
europäischem Muster: eine kleine Kanne mit dem ziemlich
grotesk gerathenen Bilde eines auf dem Adler in Wolken
thronenden, den Blitzstrahl fassenden Jupiter. — Auch die
Abtheilungen der Glasarbeiten hat endlich noch in einer
Anzahl von Nachbildungen römischer Glasflaschen verschie-
dener Form aus dem Museum zu Wiesbaden, in denen der
cigenthümliche Ton der Oxydirung alten Glnses meisterlich
getrossen ist, sowie in einer Reihe von höchst interessnnteii
Proben der sehr regsamen Glasfabrik von James Powell
und Söhne in London, zu deiien nnmentlich einige originelle
gläsernc Fliesen verschiedenartiger Technik zählen, eine schütz-
bare, für den Jndustriellen wie für das größere Publikum
instruktive Bereicherung erfahre».

14. Z. Die Hamburgcr Kuiiühallc hat durch die letzt-
willige Versügung eines BürgerS der Stadt, Herrn Johannes
Amsinck, eine bedeutende Bereicherung ersnhren. Es sind
neunzig Oelgemälde, überwiegend nlte Nicderlünder, unter
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