Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Vom Christmnrkt.

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Geschichteu aus der Jugeudzeit Desregger's eiu, die, iu
ihreni schlichten Bortrage warm zum Herzcu redend,
uns bckannt macheu mit den vcrschtuugeucu Pfadeu, auf
deuen das Schicksat den bildschuitzeudcu Bauerssohu
zu Ansehcn und Ruhm emporgefiihrt.

Ehe tvir zu deu tveitereu iu Buchform darge-
botcueu küustlerischcu Gaben iibcrgehen, sci noch eiuiger
Sammkuugcu loserBkätter gedacht. Die Hanffgalerie
(Berlag von O. Eigendorf iu Leipzig) bestcht aus 12
Photographieu nach Kompvsitioncn drcicr Diisseldorfer
Maler von bewährtem Ruf: E. Bvsch, Ph. Grot-
johan und Max Volkhart. Alle drci habeu ihre
Aufgabe ernst crfaßt uud siud dcS DichtcrS Absichtcu
mit vollcm Erfolg uachgegaugen. Bcsondcrs fciu
cmpfundcn uud iuteressaut siud die Gcstalteu, die
Volkhart in Aktion gesetzt, uameutiich vcrdieucu Elise'S
Trinkspruch iu dcu „Letztcn Rittcru vou Biaricuburg"
uud „Zwerg Nase alS Kochluustler" alS Kabiuctstücke
von vollcudetcr Charakterzcichuuug hcrvvrgehobcn zu
werden. — Hcrbstblumcu uud Fruhliugsblumcu,
die erstcreu nach Aguarellen vou E. Schmidt uud
G. Falck, die letztcreu uach Aguarcllcu von Georg
Hirt, brcitct dic artistische Austalt Vvn G. W. Scitz
iu Wandsbcck iu je 12 Blatteru aus. Ju Krauz-
und Straußform komponirt, zeichuen sich diese Blumeu^
stiickc durch geschmackvolle Auorduuug uud delikatc Bc-
Handlung aus. Die sonst bei dcrgleichcn botanischeu
Spenden üblicheu allegorischen Bemühungen habeu sich
dic Küusttcr glücklicher Weise crspart; doch hat auf
jedem Blatt ciu siuuiges Dichterwort Platz gesundeu,
der bald mehr bald weuiger ciue Gedankenvcrbiudung
zuläßt. Die „Frühliugsblumen" liegcn auch iu ciner
sogenannten pautographischen Verkleincruug vor, die
durch einen automatisch Ivirkeudeu, von dem Bcsitzer

dcr Waudsbecker Austalt crfuudenen Apparat hervor-
gebracht ist. Diese Erfiudung eröffuet dem Farbeudruck
gauz ueue Perspektiven, uud ihre praktische Bedeutnng
erhellt schon aus dem llmstande, daß die klcine Aus-
gabe des Hirt'schen Albums im Handel nur 3 Mart
kostet. — Mittels des sog. heliographischen Verfahrens,
Vvn dcm wir früher alö eincr Neuerung in dcr
Chromolithographie bcrichteteu, ist vou E. Gaitlard
iu Bcrliu ciu prächtiges Blatt hergestcllt „Die letztc
Blühle auf dem Moutmartre" von Ch. Hvguet,
, sein abgetout und von harmouischer Gcsammtivirkuug.

11m dic Farbcudruckblätter hicr gleich zu crlcdigeu,
ivciseu wir uoch auf Lie Fortsetzung der „Ateister-
werke dcr Aguarellmalerci" (Vcrlag von Advlf
Titze in Lcipzig) hiu. Deu iu vorigcm Jahre er-
schieucucu crsteu füuf Blättcru siud füuf Iveitere gefvlgt,
die, sämmllich auS deu Prcsseu von N. Steinbock hcr-
vorgcgaugcu, iu techuischer Hiusicht daS beste Lob vcr-
dieueu. Eiue Landschaft, zwei Geurebildcr, eiu Jdcal-
kopf uud eiue biblische Secue fiudeu sich zusammcu,
so daß mau über Maugel uud Abivcchseluug uicht
llageu kauu. Eiu Prachtstück ist Ed. Hildcbrandt's
„Küstc Vvu Dover" bei schwcrcr Gcwitterluft, ciu
hübschcS Motiv iu gefalliger Darstclluug bictct A.
Diesfeubach's „Gemciuschaftliche Mahlzeit", Vvu
schöuer abeudlicher Stimmuug ist „Die Ruhe auf der
Ftucht" uach eiueui Origiual von stiud. Schick, vvn
welchem auch das hübsche Medailloupvrträt herrührt,
deiu freilich die bcsoudereu Keuuzeichcu eiucr „Miguon"
fchleu. Der Haupttrcffer uuter deu füuf Blättern ist
iudcß die farbeufrischc Sccuc, dic Capobiauchi „Bcim
clegauteu Sckmstcr" sich abspielen läßt: zwei juuge
Dameu iu tadelloscm Mvdcauzug vcrsehc» sich mit
passcudcm Schuhwcrk. Die Art, wie dic ciue ihr
klcines Füßcheu der auderen zur Bcurtheiluug vvr-
zeigt, ist vou sprcchcuder Lebeudigkeit.

Bou dcu im Ncff'schcu Verlage iu Stuttgart er-
schciucndeu, auf die Leistuugeu dcr Lichtdruckprcsse
begrüudeteu Lieferuugswerle» ist „Die ^Kuust für
Allc" iu voriger Nummer cingeheud besprochen. Als
Paralleluutcruehmuiigcu, die sich iu Format und son-
stiger Ausstattuug dmi cbeu geuauuteu anschließeu,
kommeu bier noch iu Betracht: „Goldene Bibel"
uud „Die Frauzösischen Bialcr des 18- Jahr-
huuderts", bcide hcrausgcgcbcu von Alfred von
Wurzbach. Die Mitarbeiter ail dem erstgcnannteu,
auf 100 Blättcr berechucten Werke siud lauter „altc
Bicister" vom 16. bis gegcu Eude des 18. Jahr-
huuderts, die dem Grabstichcl die Verbreitung ihrer Wcrkc
vcrdaukeu. Ob mau ciu Recht hat, die Gesellschaft,
dic sich hicr zusammeiifiudet, um zu zeigeu, tvie vcr-
schiedeuartig der gemciusame Quell auf die küustlcrische
Phautasie eiugcivirkt, eiue gewählte vdcr eiue gcmischte
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