Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Kunsthandel. — Todesfälle. — Sammlungen und Ausstellungen. — Vermischte Nachrichten.

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radirte Bildniß des betreffendcn Künstlers nnd die
iliachbildung eines seiner Werke, ebenfalls in Radirung,
sei es von ihm selbst oder von dritter Hand ausgeführt.
Dies Programm ist in dcm vorliegenden ersten Jahr-
gange mit Geschmack und Würdc ausgeführt. Der statt-
liche D.uartband ist seiner ganzen Ausstattung nach
cine Musterstublikation vornehnister Art; nirgendS ist
gespart, nirgends Fleiß nnd Mühe geschont, um dcn
Eindruck gediegener Pracht hervorzubringen. Da eine
nähere Besprechung vorbehalten bleibt, sei hier nur
noch benierkt, daß der erste Jahrgang die Charakter-
bilder von Knaus, Preller, Wittig, Menzel, Kröncr,
Ed. Meyerheim, Dücker, Steffeck, Harrer, Bleibtreu,
A. v. Heyden, R. Begas bringt und daß Ernst Fvr-
berg! und Hans Meyer sür die Herstellung der bei-
gegebenen Radirungen thätig waren. 8n.

Aunsthandel.

« Photographien nus der Ambraser Saminluiig. Es
wird den Kunstsreundcn eine hochivillkommene Nachrich't sein,
daß neuerdings von mehreren Gegenständen (im Ganzen 20)
Ler Ambraser Sammlung in Wien durch Herrn I. Löivy
wohlgelungene photographische Aufnahmen angefertigt ivorden
und durch die provisorische Direktion der Sammlung (Or.
A. Jl^g, Wien, Rennweg 6) zum Preise von t Fl. ö. W.
(unaufgezogen 80 L'r. ö. W., bei Abnahme der ganzen Serie
70 Lr.) zu beziehen sind. Es befinden sich darunter das
merkwürdige Brustbild Marimilian's I. v. I. 1502, dem
Ambrogio Borgognone zugeschrieben, ferner die schöne weib-
liche Marmorbüste aus dem 15. Jahrhundert, die Bronze-
büste Rudolph's II von Adr. FrieS und eine AuSivahl von
Prachtmaffen und Geräthen.

Todessälle.

Carl Hübner, Genremaler in Düsseldorf, ist dort am
5. December im 65. Lebensjahre gestorben.

5ammlungen und Ausstellungen.

2. 8. Aiisstellung dcr Kölner Dombau-Lottcrie. Die

Ausstellung von Gemnlden zum Zwecke des Ankaufes der
Kunstgewinne sür die Donibau-Prämien-Kollekte hat neues
Leben in die Hallen des Kölner Museums gebracht. Sie
wurde, als voraussichtlich letztes Glied einer langen Reihe,
besonders reich beschickt und bot manches Schöne nebeii
allerlei leichter Waare auf dem Gebiete ües ländlichen und
häuslichen Genrebildes, welches auf keiner lokalen oder
internationalen Kiinst-Ausstelluiig zu sehlen pflegt. Beson-
ders die Landschaft war diesmal in größerem Umfange als
gewöhnlich erschienen. Fiedler in Triest, desssn orien-
talische Landschaft zu den Zierden des Museums zählt, hatte
eine Ansicht von Betlehem eingesandt, der Genfer Calame
führte uns Fort Hemlaye in Spanien vor, Flamm in
Düsseldorf wählte die römische Campagna, Keßler herbst-
lichen Buchenwald und eine Ansicht vom Niederrhein, Nor-
mann und Nordgren blieben ihrer schönen nordischen
Heimath treu. Von Deiker fand sich eine große Winter-
landschaft mit Wildschweinen, von Wrage in Berlin eine
Waldlandschaft bei herbstlicher Morgeiistimmung mit duftigem
nebelüberhauchtem Hintergrunde ein. Der verstorbene bay-
rische Hofmaler Juliüs Lange ivar durch eine wohlgelungene,
kurz vor seineni Tode 1876 vollendete, seitwärts von
Brunneii aufgenommene Ansicht vom Vierwaldstätter See
vertreten, wo Wald und Licht und Sonne überwiegen und
vom Wasser kaum ein Streifen zwischen Wiesengrün und
Baumschlag sichtbar ist; seine begabte Schülerin Helene
Riehl nahm den Gardasee bei Riva zum Vorwurfe; das
umfangreiche Gemälde muthet Jeden, der die italienischen
Seen kennt, wie ein Stück sonniger Erinnerung an, denn es

stellt den ersten Einblick in das Heimathland klassischer Kunst
dar; zur Rechteu erhebt sich die seltsam gestaltete Ruine auf
den steil zum See abfallenden, röthlich angehauchten Fslsen,
zur Linken fesselt die erste charakteristische Gruppe von
Oelbäumen, deren knorrige Stämme den Reisenden über-
raschen, die Aufmerksamkeit. Pohle's Mühle am Luganer-
see entspricht weniger dem Charakter des Landes, obgleich
auch sie gleich Horst-Hacker's Ansicht vom Vierwaldstätter-
See ihren Reiz besitzt. Oesterley sun. schlug ssin Studien-
zelt am Hardnnger Fjord auf, I. Willroider aus Düssel-
dorf wendete sich nach Kärnten, Steffan sandte einen
Wasserfall, Bormann ersah sich den belebten Hafen einer
niederrheinischen Stadt zum Motive. Hans Gude's Fischer-
hafen in Schottland, Rud. Jordan's Seestück mit Figuren,
,,Das Ankertau an's Land gebracht" und von Malchus'
Motiv von Venedig waren uns bereits von der Münchener
Ausstellung dieses Sommers bekannt. Auch unter den
Genre- und Thierbildern befand sich manches Gemälde aus
dem Glaspalaste. Schulz-Briesen's „Herrnstübchen",
Brütt's „Heimkehrende Wallfahrer", Stieler's „Erste
Künstlerleiden", Mali's „Dorsleben", Brendel's und
Gebler's „Schafe", Kappis' „Dreschmaschine im Dorfe"
und die von Gustav Süß „Amor und Psyche" genannten,
nach Schmetterlingen haschenden Küchlein sind sämmtlich
dort gewesen. R. S. Zim mermann's Pendants „Schach-
matt" und „Weinprobe" sagten uns wenigsr als seine
„Klosterschule in Ottobeuren" und seine „Strickschule im
Kloster" zu. Der anmuthigen Bacchantin von Hofmaler
Grund fehlt das Dämonischs zur Ergänzung ihres eigen-
artigen Liebreizes. „Galilei und sein letzter Schüler" von
H. Flüggen sowie Roegge's Pendants mittelalterlicher
Kostümstudisn, „Mädchen im Walde", reprüsentiren das
Äolorit der modernen Münchener Schule. „Siegfried's
Roß im Walde" von Aigner ist ein zierliches kleines Ka-
binetstück. P. W. Meyerheim's „Einquartirung" steht auf
der Grenze zwischen dem Genrebilde und der Landschaft.
Ueberall willkommeneGewimie würden ohne Ziveifel D eiker's
lebenswarme Thierstücke „Waldmann den erlsgten Hasen
apportirend" und „Reinecke auf dem Pürschgange" sein.
Unter den Leiligenbildern zeichnete sich ein zartes Madonnen-
köpfchen Sinke'l's aus. Wohl muß manches schöne Kunst-
werk der Höhe des Preises wegen übergangen werden.

L. Dic Königliche Staats-Galcrie in Stuttgart hat die
schöne Landschaft „Monte Serrano" von Bernhnrd Fries
angekauft und sich dadurch um ein edel stilisirtes Bild der
immer seltener werdenven klassischen Richtung bereichert.

Vermischte Nachrichtcn.

L. Bernhard v. Neher hat wegen vorgcrückten Alters aus
Gesundheitsrücksichten seinen Abschied als Direktor der Stutt-
garter Kunstschule erbeten, der ihm in huldvollster Weise
bewilligt worden ist, nachdem er dreiunddrcißig Jahre diese
Stelle mit hingebendem Eifer bekleidete. Prosessor v. Nustige
ist als der älteste Lehrer der Anstalt einstweilen mit dcn
Direktorialgeschäften beauftragt worden. Es darf nun der
Ernennung eines neuen Direktors mit um so größerer
Spannung entgegengesehen werden, als dieselbe nicht nur
sür die weitere gedeihliche Entivickelung der Schule, sonderii
auch des gesammten Kunstlebens in Württemberg von größter
Bedeutung ist, und wir wollen nur hoffen, daß die Frage
in befriedigenderer Weise gelöst werde als die Bauangelegen-
heit, weil zu erwarten steht, daß sich auch hierbei wieder
verschiedene Privatinteressen und Parteiströmuugen gelteiid
machen. Uebrigens dürfte die Baufrage dabei mit in's Gc-
wicht fallen, da es nicht leicht ist, einem fremden Künstlcr
von Ruf zuzuiiiuthen, die Stelle zu übernehmen, so lange
er dabei genöthigt ist, in drei oder vier Gebäuden in ver-
schiedenen Straßen Lehrer und Schüler aufsuchen zu müssen
und selbst auch nur ein provisorisches Atelier zu finde».
Unsere jüngeren Meister sind nicht mehr so anspruchslos,
und brauchen es auch nach dcn überall herrschenden Ver-
hältnissen nicht mehr zu sein, wie Direktor v. Neher, dcr seu
dem Antritte seiner Stelle in einem Zimmer des Miiscums,
welches der Nachmittagssonne ausgesetzt ist und kein Atelier-
fenster besitzt, gcarbeitet hat, worin er allerdings Werke
geschaffen, die als mustergiltig gelten können. Da aber alle
Kunstschulen jetzt bessere Räume besitzen als die Stuttgarter,
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