Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Kunstliteratur.

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jedenfalls nicht daraus ziehen: man baut ja von
Alters her nur „auf Bestellung". Zur Erwerbung
der öffentlichen Anerkennung, zur Verbreitung seines
Ruhmes endlich besitzt der Architekt ganz andere Mittel
von weit durchschlagenderem, nachhaltigerem Erfolge
als das Medaillenthum allgemeiner Kunstausstellungen.

Ein Nachtheil ist also nicht zu fürchten; wohl
aber wäre es denkbar, daß sich dnrch das Zurückziehen
der architektonischen Pläne von ösfentlichen Ausstel-
lungen ein entschiedener Vortheil für die Baukunst
ergäbe. Es hat sich nämlich mit der Vervollkommnung
der Zcicheninstrumente, der Zeichenmaterialien und der
AuSbildung der Aguarellmalerei (die ihrerseits wieder
in engem Bezug steht zur Vervollkommnnng der
Aquarellsarben in den letzten Jahrzehnten) anch in die
Technik der Anfertigung architektonischer Pläne eine
Art zu Projektircn eingebürgert, welche aus den Stand
der heutigen Baukunst einen entschiedenen Einfluß ge-
übt hat, das ist die theils minutiös-genaue, theils
bilderhafte Ausführung der Pläne.

So gewöhnt man sich immer mehr, auf die Dar-
stellung nnd das Aussehen der Zeichnungen größeren
Werth zu legen, als ihnen zukommt; denn sie sind nur
Mittel zum Zweck; die technische Herstellung schöner
Pläne hat für die Kunst absolut keinen Werth.

Man sehe nur die einfachen Linien, mit denen
der Banmeister des Kölner Domes sein Werk aufriß,
— dies ist wirklich eiu Bauriß, kein Bild, und von
Anstrebung mathematischer Genauigkeit ist Nichts zu
sehen; man vergleiche auch Schinkel's im Gegensatze zu
uns Modernen immer noch äußerst einfache Zeichnungs-
weise, und man wird zugeben, daß wenigstens die
Höhe der Kunst nicht von der Höhe der Zeichen-
methode abhängig ist; andererseits aber werden bei
den heutigen für das Auge dcs Publikums bestimniten
Plänen der Schönheit der Zeichnungen, als solcher,
nianche Koneessioiwn gemacht, der Efsekt wird viel-
fach durch die Zeichnung auf Kosten der dnrch sie
dargestellten Sache zu erreichen gesucht, uud die sauber
und mit allen Hilfsmitteln Hergestellteii Pläne ver-
leihen nur zu oft der Architektur ein Scheintvesen
auf dem Papier, das nicht ohne Einfluß auf die Kunst
sein kann, dessen günstigen Einfluß auf dieselbe man
sich aber vergcblich bemüheii würde festzustellen.

Wir würden also durch das Zurückziehen der
Pläne projektirter Banten von den öffentlichen Schau-
stellungen vielleicht wieder zu jener Einfachheit zurück-
zukehren in den Stand gesetzt werden, welche der För-
derung der wahren Architektnr nützlicher ist als das
Streben nach bestechcnden Zeichnungen.

Jedenfalls kann der Beschauer auch durch müh-
seliges, iutensives Studium sämmtlicher zu einem Bau
gehöriger Pläne aus diesen kcinen ästhetischen Eindruck

gewinnen: der Laie dnrchaus nicht, der Fachmann kaum
und mit nicht gesichertem Erfolge.

Deshalb muß das Verlangen, durch ausge-
stellte architektonische Pläne das Publikum fnr die Ar-
chitektur zu interessiren, erfolglos bleiben, und des-
halb gehvren architektonische Pläne nicht in die
öffentlichen Kunstausstellungen.

Nobert Koldewey.

Aunstliteratur.

R. Bcrgau, Wenzel Jamitzer's Entwürfe zu
Prachtgefäßen in Silber und Gold. Berlin,
Paul Bette. 1880. Fol.

Der unermiidliche Forscher auf dem Gebiete der
Nürnberger Kunstgeschichte hat sich seit längerer Zeit
mit dem berühmtesten Nürnberger Goldschmied des
16. Jahrhunderts, W. Jamitzer, beschäftigt und bereits
im 11. Jahrgange dieser Blätter, Nr. 30, das Er-
gebniß seiner Forschnngen der Kunstwelt bekannt ge-
macht. Nachdem er die hohe künstlerische Bedeutung des
Goldschmiedes betont und die Eigenart seiner Kon-
ception an den leider nur spärlich vorhandenen Werken
des Meisters hervorgehoben hatte, trat er der Frage
näher, ob Jamitzer auch alö Kupferstecher sich versucht
habe (wie es damals für einen Goldschmied nichts Un-
gewöhnliches war) und wclche aus der großen Zahl
auonymer Stiche ihm zuzuschreiben seien. Die erste
Frage war bald erledigt, da cin im Berliner Kabinet
befindliches Blatt mit dem vollen Namen, außerdem
mit dem Btonogramme nnd 1551, dieselbe entschieden
bejaht. Die angeführte Jahreszahl gab dcn Wink zur
Beantwortung der zweiten Frage. Deu Museen und
Kunstsammlern sind die kostbaren Stiche mit Pokalen
und Gefäßen sehr wohl bekannt, die allgcmein als
Werke des Meisters vom Jahre 1551 oder der Kra-
terographie bezeichnet werden und deren Zahl man
nicht angeben kann, da immer wieder ncue Blätter der
Sammlnng auftauchen und keiue öffentliche oder Pri-
vatsammlung dieselben komplet besitzt. Bergau weist
nun uach der Konformität ihrer Kunstform mit den
Goldschmiedearbeiten Jamitzer's auf diesen als den
Urheber derselben hin. Historische Beweise fehlen frei-
lich; da aber die Entstehung der Blätter in die beste
Periode dcs Knnstlers fällt, so wird man mit diesen
inneren Gründen sich zufrieden stellcn inüffen. Neben
dem cinleitenden Texte sind denn anch auf den Tafeln
des Werkes alle Stiche, die dem Verfasser zu Gebvtc
standen, in Lichtdrucken reproduzirt, an welche sich einc
Sammlung vvn ähnlicheu Arbeiten anschließt, die
Virg. Solis nach Jamitzer's Erfindungen gestochcn hat.
Das Ganze enthält svmit ein illustrirtes Verzeichniß
der Werke des in Gestaltung der originellstcn Jdeen
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