Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Kunsthandel. — Sammlungen und Ausstellungen. — Vermischte Nachrichten.

und Formen unerschöpflichen Meisters, so weit sie bis
jetzt bekannt sind und liefert nicht allein den Kunstforschern
willkonnnenes Nkatcrial, fondern bietet anck Kunst-
gewerbeschnlcn nnd Anstalten, die sich die Lsriginalien
^hres enormen Prcises wegcn nicht anscbaffen können,
herrlichsten Vorlagen dar. Schade ist es nur,
einzelne der Beilagen nicht die gewünschte Schärfe
haben; der Verfasser entschuldigt dies damit, daß ihm
lucht immer die Wahl frei stand und er sich darum
unt denr zufrieden stellen niußte, was überhaupt zu
haben war.

Z. E. W.

Aunsthcmdel.

, ,lv. Samiiiluiig von Thürklopfcrn. G. B. Brusa, der
ruhrige veneziauische Architekt und Besitzer einer Anstalt sür
^pwtypie, hat in neuerer Zeit ein kleines Werk herausge-
Mben, welches der Erivähnung in diesen Blüttern iverth sein
snfte.^ Es bcsteht in der heliotypischen Vervielfältigung
üier Saiiimlung venezianischer Thürklopfer, ivelche der Pa-
Uzier Pietro Gradenigo 1758 durch einen Niederländer,
^uhaiin Grevenbroch zeichnen ließ. Es sind 45 solcher Thür-
wpfer mit jedesmaliger Angabe des Palastes, dessen Thüre
!? -sierten, iviedergegeben. Leider „zierten", denn bis auf
enjgx verschivunden, nach allen Weltgegenden

^lchleudert und verkauft. Obgleich, ivie schon aus derJahres-
iy it als Entstehungszeit hervorgeht, die Zeichnungen
»nchts weniger als stilgerecht, ja über alle Begriffe roh und
g,. , so ist es doch interessant, ivie die schöne Kompo-

l Non des betreffenden Thürklopfers jedesmal unvertilgbar
.Urchlezichtet. So müffcn wir dem Zusammensteller dank-
r",s.siin und können nur bedaueru, daß die Zeichnungen
jllcht nicht aus befferer Zeit sind. Die Art der Behandlung
> uur leichte Zeichnung, welche dann mittelst Tusche, Sepia
uer grünlich-grauer Aguarelltöne in Wirkung gesetzt ist. Die
oniposition ist oft die allerreizendste, besonders auch der
Usachen schmiedeeisernen Thürklopfer. Jedenfalls wird die
eitenhsit solcher Sammlungen, welche dem Fremden fast
Wganglich sind, da sie sich in den Bücherschränken der
oen verberqen, in Brusa's Vervielfältigung, welche in

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Sugänglich sind, da sie sich in den Bücherschränkcn der
BUseen verbergen, in Brusa's Vervielfältigung, welche in
und Größe genau dem Original entspricht, die Auf-
.jfsffamkeit der Kunstfreunde auf sich ziehen. — Brusa be-
.huchtigt, je nach dem Erfolge dieses Uiiternehmens, andere,
jfjEmi diesen, im Museo Eorrer befindliche Werke zu ver-
hältigen. Der vorliegende fingerdicke Band, dessen Blätter
su.bis 27 " " - . ..

boziehe».

em. messen, ist von Ongania in Venedig zu

. llp Dic Passionsbildcr des cilteren H. .Holbcin i» Donau-
^llugni sind kürzlich bei S. Soldan in Nürnberg in
fIioruck reproducirt erschienen. Die Publikation schließt
Dür"?'f, "" gleichen Verlage herausgegebenen Werke

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^ urer's, Peter Vischer's und Hans Holbein d. j. an und
Atzt ein anziehendes Denkmal der alten deutschcn Kunst,
wichtigste Mittelglied zwischen den Passionsdarstellungen
i chonganer's und Dürer's, in würdiger Weise weiteren Krei-
iF'l.uor die Augen. Den Lichtdruck besorgte das Atelier von
und Bäckmann in Karlsruhe, welches die Auf-
s^, 5wtresflicher Weise gelöst hat. Prof. Anton Springer
Unk> zwölf Folioblättern einen erläuternden Text

>-Uws in demselbcn nach, das; die Kompositionen Hol-
zurc^ wesentlich auf die Passionsspiele des 15. Jahrhunderts
d„-'Uehen. Ein eigenthümlicher Zufall hat es gefügt, daß
bein fUsswnsspiel, >üit welchem sich die Holbein'schen Tafeln
br,uahe Scene für Scene deckcn, gleichsalls in Donaueschingen

5ammlungen und Ausstellungen.

llinaü ' Münchencr Kiinsrvereiii bewunderte man un-

oli ein paar prächtige Bilder von Franz Defregger:

den „Zitherunterricht" und ein Kinder-Porträt. Es ist die
tiefe Versenkung in den Stoff, welche Defregger's Arbeiten
so hohen Werth verleiht, selbst wenn der Gegenstand weder
den Verstand, noch das Gemüth sonderlich in Ansprnch
nimmt, und es ist die unendliche Wahrheit des Typischen,
die uns seine Bauersleute so bedeutsam macht. Das gilt
auch wieder von dem „Zitherunterricht" den ein hübsches
Niädchen ertheilt, wslchem des Künstlers Söhnchen als auf-
merksamer Schüler auf die kunstgewandten Finger sieht,
während ein älterer Mann und eiii paar Kinder dem Spiel
mit einer Aufmerksamkeit folgen', um welche sie die ersten
Meister der Welt beneiden dürften. Da ist nichts Ge-
künsteltes, nichts Geschraubtes, da ist kein falscher Jdealis-
mus, der Stadtherren und Stadtfräulein in Bauernkleider
steckt und dann als Bauernbursche und Bauermnädel ver-
kaufen möchte; da ist Alles echt und wahr und feffelt uns da-
rum mit unwiderstehlicher Gewalt. — Wer unseres L. Neu-
bert „Abendstimmung" sah, kam stark in Versuchung, sie für
eine Leistung Daubigny's zu halten: ein Beweis dessen, was
nnsere deutschen Künstler zu leisten im Stande sind. Auch
Julius Schrader's „Cromwell in Whitehall" darf sich ohne
Frage mit Paul Delaroche's „Cromwcll am Sarge Karl's I."
messen, wenngleich es besser wäre, der gewaltige Protektor
stünde nicht so abgezirkelt genau in der Mitte der Leinwand.
Fr. Aug. Kaulbach brachte ein lebensgroßes Frauenbild-
niß von reizender Ungezwungenheit und Naturwahrheit und
bewies damit abermals, daß der Schwerpunkt seiner Kunst
nicht in figurenreichen Konversationsbildern, wie z. B. in
seinem sür die Dresdener Galerie angekauften „Maitag",
sondern in der Einzelfigur liegt. Von Fräulein Hermine
von Preuschen sahen wir eine dreigetheilte sog. spanische
Wand mit dem Motto: „Mein Liebchen, was willst du noch
mehr —" eine wahrhafte Farbensymphonie; von Tina Blau
einen Eingang in einen vormaligen Park, als „Verblichene
Herrlichkeit" bezeichnet und echt poetisch empfunden; Paul
Weber gab in seiner „Landschaft" (Hochßebirg) und in
seinem „Thierstück" neue Beweise seiner unerschöpflichen Viel-
seitigkeit. Von Heger sahen wir eines seiner reizvollen
„Jnterieurs" im Renaissancestile, von R. Bendemann
einen farbenprächtigen„Lautenspicler" und von Windmaier
eine fein empfundene „Mondnacht". Wilh. Marc erfreute
durch zwei köstliche Aguarelle „Die Sennerin" und „Bei
Tische" und Unger durch humoristische Aquarellzeichnungen
aus dem „Mücken- und Gnomenleben". — Durch eine An-
zahl von Photographien (zwei Ritter, Fleischer und Schustcr
aus dem neuen Wiener Rathhaus, und Erdbeben, Proser-
pina, Pluto und Hekate, Reliefs vom naturwissenschaftlichen
Museum in Wien) nach Jos. Fritsch lernten wir einen reich-
begabten Künstler kennen, um den wir Wien wahrhaft be-
neiden. Mehrere der Originale hatte derselbe zur vorjähri-
gen internationalen Kunstausstellung eingesandt, aber damit
vor den Augen der Aufnahmejury keine Gnade gefunden:
ein Schicksal, das er mit Dausch, Dondorf u. A. zu theilen
hatte. — Jos. Echteler durfte sich der wärinsten Aner-
kennung des kunstverständigen Publikums für seine lcbens-
große Gruppe: „Des Pirithous Kampf um Helena", über
welche ich schon friiher Bericht erstattete, erfreue» und über-
raschte durch ein meisterhaftes Selbstporträt von außerordent-
licher Lebensfrische und geistvoller Ausfassung. Von demselben
Künstler haben wic in den letzten Wochen noch ein paar
andere trefflich gearbeitete Büsten gesehen.

Vermischte Nachrichten.

8. dlrchäologische Gesellschast in Berli». Dic Sitzung
vom 6. Januar 1880 begann mit der durch Acclamation
vollzogenen Wiederwahl des Vorstandes. Der Vorsitzende,
Geheimrath Curtius, theiltc darauf cin Schreiben des Herrn
Huniann mit, welches den Dank desselben für das ihm von
Seiten der Gesellschaft am Winckelmannsfeste gesandte Tele-
gramm ausspricht und zeigte an, daß Herr Gymnasialdirektor
Ribbeck wegen Ucberhäufung mit Geschäften seinen Austritt
aus der Gesellschaft erklärt hat. Als neues Mitglied wurde
Herr llr. G. Körte aufgenommen. Der Vorsttzende legte
älsdann folgende neu eingegangene Schriften vor: Die Terra-
kotten von Pompeji von H. von Rohden I. — Ltatiitg, ooin-
muiüts.t!8 üovsrisc; sck. /lntouius Loruti. — 7o,n^,x,)
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