Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

Seite: 297
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s5. Iahrgantz.
Bciträge

smd anprof.vr. L. von
lätzow (Mcn, Tkerc-
smnunigasic 25) odcr an
die verlagstzandlung in
^ipZig, Gartenstr, 8,
zu richtcn.

l9. ^ebruar

Nr. ^9.
Insorate

ü 25 j)f. für die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile rverden von jeder
Buch- u.Aunsthandlung
angenommen.

s880.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet^der Iabrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deu^chen

und österreichischen p)ostanstalten.


Alfrcd Woltmann f.

Seit dcm Tode Albert vou Zahirs wird keine
^-rauerkunde die Freunde dieser Blätter so tief und
tchmerzlich berührt haben, wie die Nachricht von dem
^m 6. dieses Monats erfolgten Hinscheiden Alfred
^oltmann's. Jn rastloser Arbeit dem Tode trotzend,
i"chte er an der Küste Liguriens Heilung für die ver-
ächrende Krankheit, die ihn seit Monaten ergriffen, nnd
laiid hoffnungslos daniedcrlicgend inMentone sein srühes
Trcib. Den Verlust zu würdigen, dcn die Wistenschaft,

der

er mit ebcnso großer Schaffensfreude wie edelstem

<> . ^ ^ / i' , ^ ^

meimuth diente, durch seinen Tod erlitten hat, wird die
^afgabe cines späteren Berichtes sein. Doppelt tief
^ipsinden ihn der Herausgeber wie der Verleger dieser
ämtschriftz per er von dem ersten Tage ihres Ent-
iiehens cin ein treuer Mitarbeiter war. Der Dank
aafiir sei ihni an dieser Stellc aus bekümmertem Herzen

"achgerusen.

^ie projektirten Erzthürcn für dcn Dom zu Aöli?).

Es ist beinahe in Vergessenheit gekommen, daß unser
mdwig Schwanthaler es war, welcher, nachdem der greisc
°nrad Eberhard der Einladung M. Boisseroe's nichl
^tsprach, die prächtigcn Portalrahmen am Kölner Dom,
^n^vollendctcn Wunderbau in germanischer Architeklur,

Obschon wir mit einzelnenAnschauungen und Urtheilen,
^elche der geistvolle und gelehrte Verf. dieses Aufsatzes aus-
Micht, uns nicht einvcrstanden erklären können, geben wir
^Mer beachtenswerthen Aeußerung doch gern unverkürzt
"lum. Anm. d. Red.

schuf. Das sind edle Figuren und crhabene Relief-
skulpturcn, die den schönsten diescr Art in altdeutschcr
Kirchenbaukunst sich kühn an die Seite stellen. Nun
ergeht aus der Stadt der Drei Könige, welche drei Kronen
in ihrem Wappen hat, eine neue Ausforderung an die
Künstlcr, nämlich zur Preisbewerbung mit je eincm
Modelle und des Wcitern mit Zeichnungen zu 48 Sccnen,
welche als großartigcr Bilderkreis an vier Domthoren
iu Erzguß zur Ausführung gelangen sollen. Das Pro-
gramm schreibt zwar Motive vor, ist aber offenbar nicht
kategorisch bindend, so wenig wic sonst versuchswcise
Baupläne und crste künstlerische Projektc; dahcr lohnt
es sich wohl zu Ehren des Zcitalters, welches das
sechshundertjährige Bauwerk der welkberühmten Kathe-
drale zu Ende führt, mit Originalentwürfen hervorzu-
treten. Unmöglich kann es Aufgabe der Kunst sein, bei
diesem unerreichtcn Gotteshause bloß die Gedanken frühe-
rer Meister zu kopiren, durch Entlehncn von ronianischen
Domthüren ein gcistiges Anlehcn zu kontrahiren und
die Unfähigkeit zu eigenen schöpferischen Ge-
danken an denTag zu lcgen. Die Thore dürfen keine
Thorheit enthalten. Jn Vergleich zu dem durchgeglie-
derten Steinmetzenbau der rheinischcn Metropole ist die
noch so riesige Peterskirche in Rom nnr cin massiver Mauer-
kasten, welchen wohl eine kolossale Kuppel krönt, die
man eine Himmelfahrt des Pantheon ncnnen mag, aber
nicht die majestätischen Thürme verherrlichen. Doch in
einer Hinsicht mag St. Peter's Dom in Rom zum Vor-
bilve dienen, weil seinen ehernen Pforten znr Glorifika-
tion die Zeitgeschichte von Kaiser und Papst untergelegt
ist, z. B. dcr Triumphzug Eugen's IV. mit Sigismund
durch die Straßen der cwigen Stadt 1433.
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