Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Die Kuustthätigkeit in Kcirlsruhe.

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auch bei den Landschaftern der Schule und einigen selb-
ständigenMalern mehrfach vorkommt, ergeben sich eigen-
thümliche glückliche Resultate. Der Eine war durch Gude
und Riefstahl, der Andere dnrch Gussow und Hilde-
brand, ein Dritter durch Kanon und Hoff, ein Vierter
durch Hildebrand und Gude zu seiner Kunst gekommen,
E. Kanoldt durch Prellcr und Keller; der Architck-
tnrmalerDittweiler steht unter dem Einsluß V.Bayer's
und Keller's, Rätzer, der uns im letzten Herbst ver-
lassen hat, war Schüler von Oswald Achenbach und
Gnde, Brünner ging von Keller zu Makart, Kcller
selbst war bekanntlich Schüler von Schirmer und
Canon.

Von hiesigen Figurenmalern, welche in keinem
engerenVerband mit derKunstschule stehen, ist Schnorr's
Schüler Gleichauf, der sich am meisten der Richtung
Moritz von Schwind's nähert, vielfach mit der Aus-
schmückung von öffentlichen und Privaten Gebäuden
beschäftigt, H örter, ein begabter Landschafter, zngleich
im Figuren- nnd Porträtfach zu nennen; Fräulein
Marie Gratz, ehemals Schülerin von Schick, ist als
sehr tüchtige und beliebte Porträtmalerin unermüdlich
thätig; Professor Visser am Polytechniknm reiht sich
den Genremalern an.

Die Landschaft ist hier zunächst durch die allbe-
kannten Meister C. F. Lessing und Gude in ausge-
zeichneter Weise vertreten. Lessing war lange Zeit
durch Unwohlsein zur Unterbrechnng seiner Thätigkeit
gezwungen, im letzten Winter aber hat er wieder rüstig
gearbeitet und einen „Klosterbrand" vollendet, sowie drei
Landschaften im Charakter der fränkischen Schweiz oder
des Harzes untermält, poetische Schöpfungen, deren
uns der Altmeister noch recht viele schenken möge!

Gude's bekannte Meisterschaft in der Wiedergabe
des mäßig bewegten Wassers oder stürmisch erregter
Wogen mit ihren Lichtreflexen, den edlen Küstenlinien
und dem Leben am Strande oder auf hoher See, sei
es in der Abendgluth der Sonne oder bei schwülcr
Mittagsstimmung, deren umschleierter Himmel das
Wasier fast weiß schimmern läßt, am thanfrischen Morgen
oder in regenschwangerer Gewitterlnft, hatten wir in
den letzten beiden Jahren wieder in über einem Dutzend
größerer oder kleinerer Bilder zu bewundern Gelegen-
heit. Schottische Küsten- nnd Haidelandschaften, nor-
wegische Fjords wie die frenndlichen Ufer des Chiem-
sees oder des „schwäbischcn Meeres" bieten Gude
immer wieder neue Anregung zu unermüdlichem
Schaffen. Sein prachtvolles Bild „ Nothhafen an der
südlichen Küste von Norwegen" wird in Düsseldorf nicht
wenig die Beschaner festeln, unserer hiesigen Gemälde-
galerie aber ist es erfreulicherweise znm Eigenthum ge-
worden. Unter Lessing's, Riefstahl's und Gnde's Fiih-
rnng hat sich des Ersteren Sohn Konrad zu einem

unserer tüchtigsten und selbständigsten Landschafter ent-
wickelt. Mvtivc aus der Eifel, dem Harz oder der
hiesigen Umgebung boten ihm in den letzten Jahren
Stosf zu vielen vortrefflichen Leistungen, die theils voll-
endet, theils für die Berliner Herbstausstellung in Ar-
beit sind. Er und der ihni im Streben verwandte
Hesse Pflegen mit Vorliebe die Stimmungslandschaft
und wisien die düstere Schwermuth der Harzgegenden
sehr natnrgetreu wiederzugeben.

E. Kanoldt ist scit Schirmcr's nnd Preller's Tvd
einer der wenigen Vertreter der stilisirten Landschaft;
Odysteus auf der Ziegenjagd, Jphigenie, eine Land-
schaft mit der Staffage des barmherzigen Samariters,
Dido und Aeneas, Sappho, Antigone, Kastandra, so-
wie ein Cyklus von Kompositionen zu deni Märchen
des Apülejus „Amor undPsyche" nennen sich seine neuer-
dings vollendeten oder in Arbeit begriffenen Werke,
deren Zeichnung die Schule Preller's und im Koloril
diejcnige Keller's, bci aller Selbständigkcit des Künst-
lers, zu Grunde liegt.

Maler Klose hat meistens sv viele Arbeiten für
monumentale Zwecke, griechische und süditalienische
Landschaften im Rottmann'schen Stile zu bewältigen,
daß ihm zu Staffeleibildern wenig Zeit bleibt. Vvn dcn
Prvfestoren am Polytechnikum, Kn vrr und Krabbes,
pflegt der erstere mit Vvrliebe Alpenlandschaften nnd
allegorische Kompositionen wie „Die vier Jahreszciten",
„König Waldlieb" nach Romberg's Dichtung, der
letztere mit Virtuosität das Aguarell, Architekturen wic
Landschasten. Rätzer's in Düsseldorf lctzte Arbeitcn,
mehrere Waldlandschaften von Riigen soivie ein vor-
treffliches Winterbild, fallen noch in dic Zeit seincs
Hierseins.

Der Schule Gude's cndlich gehört cine Anzahl
sehr tüchtiger hier lebender Maler an, dcren Namen
von verschiedenen AuSstcllnngcn her bekannt sind, sv
Bracht, Hansteen, Kallmorgen, Koloff, vo»
Meckel, v. Ravenstein, Rheinemann, Rvman,
Schirm, W. Schmidt, Prvfestor Tenner, Ulfstecn,
Waldenburg. Bracht, der Schildercr einfachcr, grvß-
stilisirter Haidelandschaftcn, oft mit Hünengräbern, bald
aus der Gegend von Lüneburg, bald aus dcn Ar-
dennen oder der hohen Venn, gehört zn den.prodnk-
tivsten nnd begabtesten Künstlern unserer Zeit; V.Meckel
und Schirm haben in vielen Vvrtrefflichen naturwahrcn
Gemälden das schottisckw Hochland, die Eifcl und dic
Alpenwelt, v. Navenstein, Rheinemann und Rvman in
nicht minder tüchtigen Arbeiten die landschaftlichen
Schönheiten der Campagna und des Albanergebirges,
theilweise mit Architektnren, Nheinemann die Küste vvn
Neapel und Umgebung verherrlicht. Nicht wenige
Probcn ihrer Leistnngsfähigkeit werdcn aus den Aus-
stellungen in Diistcldvrf und Bcrlin fnngircn. Hanstccn
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