Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Zeitschriften. — Berichtigung.

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N. Z» der Müncheiicr Erzgicßerci ivar kürzlich Ferd.
v. Miller's monumentaler Brunnen für Bamberg ausge-
stellt, dessen Skizze vor etwa drei Jahren mit dem ersten
Preise gekrönt ivurde. Die Ausführung wurde aus dem
vor acht Jahren in das bayerische Ausgabenbudget einge-
stellten Posten von b»,600 Gulven für die Finanzperiode
von je 2 Jahren bestritten. Stufen aus rothem Trientiner
Marmor tragen das aus gleichem Material gebildete Becken,
aus dessen Mitte auf hohem Sockel die Statue des Königs
Max Josef I. sich erhebt, als Geber der Verfassung in reichem
Königsornate dargestellt. Aus dem Sockel entjpringt das
Wasser. Vier andere Statuen umgeben, auf vorsxringenden
Postamenten stehend, den Brunnen. Es sind KaiserHeinrich II.
der Heilige, der Erbauer des Domes, und dessen Gemah-
lin, die h. Kunigunde; der heilige Otto, Bischof von Meran
und Bamberg, und Kaiser Konrad III. der Streitbare mit
Schivert und Fahne. Die vier Postamente sind durch ein aus
Eisen kunstvoll geschmiedetes Gitter mit Wappen, Jahres-
zahlen und Emblemen, die sich auf die Stadt und ihre Ge-
schichte beziehen, verbunden. Gitter, Becken und Sockel zeigen
die Formen der Renaissance und sind von dem Münchener !
Architekten Gabriel Seidel entworfen; das Gitter ist ein
Werk des Schlossers Rußmann, die Steinarbeit das des !
Steinmetzmeisters Stefano Varner in Trient.

H. Die Zettlcr'schc Hofglasnialcrei in Miinchcn hat
kürzlich ein 30 Fus; hoheS uiid Fuß breites Fenster sür !
den Chor der St. Zakobskirche in Wasserburg vollendet,
das sich dem Besten ivürdig anreiht, was sie in dieser Rich-
tung geleistet. Dasselbe zeichnet sich vor Allem durch die
Pracht der Architektur und die ivohlthucnde Harmonie der
Farbengebung, aber nicht minder durch Neichthum und Zier-
lichkeit der Formen aus, wie sie der späteren Gothik ganz
besonders eigen. Das Fenster zeigt drei Hauptkompartimente. '
Jn dem untersten sehen wir zu beiden Seiten eine Ansicht
der Stadt Wasserburg, rechts deren Gründer, den Grafen
Gilbert von Limburg bei Attel (1097), und links den Bischof
Konrad I. von Freising, den Gründer der ersten Kirche in
Wasserburg. Darüber ist dargestellt der letzte Graf Konrad
von Wasserburg, der, kinderlos, dem Enkel seincr Schwester
Agnes, Otto dem Erlauchten, die Urkünde aushändigt, kraft
deren die bisher reichsunmittelbare Grasschaft Wasserburg
nach seinem Zlbleben an das Haus Wittelsbach übergehen
sollte. Links davon der Ritter Zacharias von Hohenrain, der
1342 das Bürgerspital zu Wasserburg stiftete, rechts der
Bürger Wolf Pinzenauer, ein Wohlthäter der Stadt und
Kirche. Das mittlere Hauptkompartiment zeigt das Mar-
tyrium des Apostels Jakobus, des Kirchen- und Stadt-
patrons, in figurenreicher lebendiger Komposition. Dar-
über Christus und Maria in den Wolken. Jm obersten
Hauptkoinpartiment endlich sehen wir vier Heilige, deren
Ueberreste in der Pfarrkirche aufbewahrt werden. —
Der Entmurf des Werkes ist von Direktor Zettler, die
Zeichnung der Figuren von I. B irkmayer, die der Archi-
tektur von L. Doppler. Die Figuren malte L. vanTreek,
die Architeklur I. Schmid. — Wcnige Tage früher ging
ein anderes Fenster, nach einem prächtigen Entwurse Pfan n-
schmid t's in Berlin, an seinen Bestimmungsort Prectz nächst
Kiel ab, wo es in dcr Kirche des adeligen Fräuleinstiftes
seinen Platz fand. Es zeigt in freier Behandlung die Sen-
dung des hl. Geistes in ihren Wirkungen.

Kölncr Dom. Man schreibt der „Köln. Ztg." v. 24.Juli:
Seit gestern Iiachmittag 6 Uhr ist der nördliche der beiden
Hauptthürme unseres Domes vollendet. Seit mehreren
Tagen war man mit dem Aufzug und der Aufstellung der
bis zu 100 Ctr. schweren Steintheile der Kreuzblume be- ^
schttftigt gewesen. Ohne jeden Unfall war die schwierige
Hebung nnd die noch schwierigere Dircktion der Lasten durch
die Gerüste bis zu einer Höhe von l.°>7 m. von statten ge-
gangen. Auch die Aufstellung wurde glücklich ausgeführt.
Um die vorerwähnte Stunde kröntc die Kreuzblume den
inajestütischen Steinhelm, u»d der Riesenthurm war vollendet.
Der Herr Dombaumeister Voigtel und seine Werkleutc
dürfen uiit hoher Befricdigung auf das glücklich vollbrachte
Werk schauen. Jn den nächsten Tagen schon wird mit den
Vorbereitungen zum Aufzug dcr für dcn südlichen Thurm
bestimmten Kreuzblume begonnen. Auch diese werden, da
sie die größte Vorsicht erheischen, einige Zeit in Anspruch ^

uehmen. Die imposante Blume ist, bis auf den Steinknauf
fertig, am Fuße des nördlichen Thurmes aufgestellt. Es
kann nun nicht mehr bezweifelt werden, Laß auch der zweite
Thurm zu dem in Aussicht genommenen Termine, nämlich
zu Anfang September d. I., planmäßig fertig sein wird.
Selbstverständlich nehmen nicht nur die Bewohner Köln's
und der Rheinprovinz, sondern auch die weitesten Kreise den
lebhaftesten Antheil an den Fortschritten des Riesenwerkes,
welchcs so oft als das Sinnbild der deutschen Einheit be-
zeichnet wurde, und allerseits freut man sich auf das Fest,
welches aus Anlaß der Vollendung dieses Werkes gefeiert
werden wird.

Düsseldorfer Ausstcllung. Die bisherigen Ankäufe vou
Kunstwerken aus der allgemeinen deutschen Kunstaus-
stellung belaufen sich auf die Summe von 190,528 Mk.
Davon kommen auf die Ankäufe des Kunstvereins für
Nheinland und Westfalen 69,500 Mk., auf die Ankäufe sür
die Lotterie der Ausstellung 22,707 Mk. und auf Privat-
ankäufe 98,321 Mk. Von letzteren fallen auf die Rhein-
provinz II Werke zum Werths von 22,475 Mk., auf das
sonstige Nheinland 4 Werke zu 10,700 Mk. uud 50 Werke
zu 65,396 Mk. auf daS übrige Deutschland und das Ausland.

- Dcnknial für Ottfricd Müllcr. Am Montag den
19. Juli wurde in der Vorhalle des alten Museums zu
Berlin die Marmorstatue Karl Ottfried Müller's, des Mei-
sters der klassischen Archüologie, enthüllt. Die Statue ist das
Werk des Bildhauers Alexander Tondeur, eines Schülers
von Blaeser, von welcheni u. A. ein in letzter Zeit ausge-
führter Versuch der Ergttnzung des Praxitelischen Hermes
Herrührt. Ernst Curtius hielt bei der Enthüllung der
Statue Müller's die Festrede, welche in schwungvollen Worten
die Bedeutung des der Wissenschaft in der Blüthe seiner
Mannesjahre entrissenen Gelehrten schilderte.

8. Naffacl-Monuinent in Uibino. Dem berühmten Ur-
binaten soll bei Gelegenheit der Wiederkehr seines vier-
hundertjährigen Geburtsfestes, im Jahre 1883, in seiner
Vaterstadt ein würdiges Denkmal errichtet wcrden. Bisher
erznhlte dort nur eine eiufache Jnschrift an dem Geburts-
hause in Urbino von seinem größten Mitbürger. Durch
Sammlungen sind seitens des Niünicipiums und der Akademie
bereis 15,000 Lire zusammen gekommen, und die Subscription
soll jetzt auf das ganze Königreich ausgedehnt werden.
Florenz wird den übrigen Städten mit gutem Beispiel vor-
angehen und sür diesen Zweck musikalische Ausführungen und
dergl. veranstalten. König Humbcrt hat das Protektorat der
Angelegenheit Äbernommen.

Zeitschriften.

D'.Vrt. Xo. 2S0 u. 2S1.

tLlluier, ä'aiiros au vamdoäxo äo b,. volaporto,

von L. 8oIäi. (Ätit ^bbilä.) — I^o salou äo 1880, von

voii k'r. Oaiii ba. (Llit ^bbilä.) — Do I'otat aotuel 60 la.
pointuro 011 ^IIemaAiio, von I?r. I* e e bt. — I^o skilon <Io 1880:
b-e üuriri, von I>. b,oroi. (Llit ^bbilä.) — ü^rt <iranis.ti<iuo:
l'beätre-l'rau^ais ,,Qurin", vou II. Llontro 8 io r. (Llit ^bbilä.)

Illv ^enckeiiiz. >0. 12S.

Our unoient rnoninnontk an<I tbo lanä arounä tlieni, von H.
I>rv<ion. — ^.inorioan otobin68: H. »8. Oiüorä, von >VarO.

IIIii8tiii-te Xaitniig- 1S31
Xuiich imck Ooivsrde. blo. :!() ». 21.

von II. IZillunA. — ^iotIerö8terroitbi'8obe Ooivorbe--^U88tel-
1880 in >Vion. —I>ormanonto ^UKktoIIunA cles ira^ori^oben
Oon orbt'niuseuinK in Nürnberx. — Dio ^Vo11vvaarenau88teIIun^
iu I^eij»7.i^. — 1)1« 2Vu88te1IunF bun.^tAeworbliobor ^ltortbümor
in I)Ü88eI<1orf. — ^.U8 <Ioin toobnolo^i8oben 6ovvorbomu8«uni
i'n >Vien.

Berichtigung.

Herr Professor Andreas Müllcr in Düsseldors ersucht
mich, meine Angaben im Nekrologe Kehren's in Nr. 39 d. Bl
über dessen Betheilignng an den Fresken in der Apollinaris-
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