Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Runfiüteratur

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JubitäumSseier 1880 im Parke von Laeken gewidmeten
Denkiuales schloß.

H. L.

Aunstliteratur.

Dic Vvtivkirche in Wic». Denlschrift des Bankvmitös,

veröfscntlicht zur Feier dcr .Einweihung am

24. April 1870. Wicn, Waldheim. 110 S. Fvl.

Dieser lnznriös ansgcstattctcn Denkschrift über
den Bau der schvncn Wiener Votivkirche wurdc unter
den Prachtw'erkcn, die uns das vvrigc Jahr gcbracht,
bercits in dicsen Blättcrn gcbührend Erwähnnng gc-
than. Wir sind ihr abcr anch als Ouellenwcrk zur
mvdcrncn Architcktnr- und Kuiistgeschichtc hicr cinen
cttvas cingehcndcrcn Bcricht schnldig. Dcr von M.
Thansing im Anftragc des Baukvmitüs vcrfaßte Tcxt
kann als ein Mnstcr fleißigcr Zusammcnstcllnng und
lichtvvllcr Darlcgnng aller bci dcm Zustandckvmmen
des Banwerkcs nnd sciner inneren Ansstattnng bethei-
ligtcn Faktvrcn bezcichnct wcrdcn. Er beginnt mit
eincm Rückblick ans dic Stiftnng dcr Kirchc, wclche
bckanntlich der glücklichen Errcttung des Kaiscrs Franz
Jvscsth ans dcr ihm vvn Frcvlerhand bcreitcten Tvdcs-
gefahr ihre Entstehung vcrdankch dcr crstc Aufrnf Erz-
hcrzog Fcrdinand Maximilian's, die Gründung des
Bankvmitös, dcr Sieg Fcrstel'S in dcr am 2. April
1854 ansgcschriebcncn K'onknrrcnz, cndlich die Grund-
stcinlcgnng Ivcrdcn anssührlich gcschildert nnd dabci
dcs edlcn Fürstcn gcdacht, wclchcr scrn auf dcm Ccrrv
dc las Campanas bci Qucrctarv seine Lausbahn endcn
svllte, nnd an dcsscn Stcllc scin crlanchtcr Brndcr,
dcr Erzherzvg Karl Lndwig, das Prvtcktvrat über den
Bau übcrnahm. Hieran reiht sich die dctaillirte Bc-
schreibung dcr Kirche, znnächst ihrcr svrmcllen Anlagc
im Grnndriß nnd Anfban, svwsie ihrer konstrnktivcn nnd
tcchnischen Ausführnng, dann ihrcs gcsammtcn Bilder-
schmnckcs am Aenßcrcn und im Jnnercn, cndlich der kirch-
lichcn Ansstattnngsstücke, dcr Altärc n. s. >v., dcr
Bcichtstühlc, Bclcnchtnngsgcräthe, Gitter, Glvckcn,
knrz des ganzen Knltnsapparates. Die vvn vvrtreff-
lichcn Abbildnngcn bcgleitete Beschreibung mackst uns
nicht nnr die Fvrm und Beschafsenhcit scdcs cinzelncn
Stückes klar, svndcrn bezeichnet auch von jedem den
künstlerischen Urheber nnd die ausführendcn Kräftc.
Der solgcndc, fünfte Abschnitt ist sür nns dcr wichtigste
des Ganzcn; er cnthält die Geschichte des Baues.
Darnnter ist aber kcineswegs nnr die chrvnologische
Ucbersicht der allmäligen Fortschritte dcS Banes bis
zn sciner Vollendung zu verstehen; wir erhalten viel-
mehr cinen vollständigen Einblick in das ganze Gc-
tricbe der Bauhütte, ihrer Leitnng nnd Organisation,
ihrer einzelnen Arbciter nnd dcr anf sie fallcnden Ar-

beitStheilung. Wenn wir bei einem unserer alten Dome
nnr die flüchtige Skizze eines solchen Organisations-
planes besäßen, wie glücklich wären wir! Hier liegt
dic vollstandige Gencsis deö Knnstwerkes in allen
DetailS, nach amtlichcn Qucllcn sachknndig dargestellt,
vvr: eine für uns cbcnso lchrrcichc, Ivie fiir die spä-
tcrcn Gcschlechter dankcnswcrthe Arbcit. Jm letztcn
Abschnitt crläutert der Verfasscr dic Bestimmnng des
Bancs als Wiencr Garnisonkirchc, Pfarrkirche nnd Uni-
vcrsitätSkirchc, svlvie ihrc Sitnativn anf dem von stil-
gcrccht angclcgten Häuscrgrnppcn nnd Mvnumcntal-
bauten umgcbenenPlatzc, nnd schließt mit cincm warmcn
Appcll an die Kunstfreunde Ocstcrreichs, aus dcr Votiv-
kirche einc Wiencr Westminstcrabtci zn machen, in
ivelcher ncben dcm Denkmal Marimilian's und des
Grafcn Salm das Gcdächlniß aller grvßcn Männcr
dcs Rcichs mvnumcntale Vcrclvigung findcn würdc.
Der Anhang bietct cinc Ncihc Ivichtiger Urknndc» und
Betege.

Wir habcn, als Ferstel's Jngcndwerk cingelveiht
Ivnrdc, uns die cnvrmcn Fortschritte vcrgegenwärtigt,
wclche dasWicncrKnnstlcben der lctzten zwanzigJahrc zu
vcrzeichnen hat. An der Bangcschichte dcr Votivkirche
könncn wir sic Schritt vor Schritt ermesscn. — Anch
das Bücherwcscn Wiens, namcntlich das artistischc,
hat sich glänzend cntlvickelt in jcnem Zcitraum; dcsscn
ist dicse Denkschrift mit ihren sanbcr ausgcsührtcn
Stichcn nnd Hvlzschnittcn, dcn prächtigenFarbcndruckcn,
Jnitialcn nnd fliandlcistcn, mit ihrcr mnstcrhast schönen
typvgraphischcn Ansstattnng ein nener, bercdter Zeugc.

X. Das untcr dein Titcl „Knnst »nd Knnstler dcs Mittel-
altcrs und dcr Steuzcit" vo» Rob. Dohinc untcr Mitwir-
knng von Fachgenossen hcrausgcgebene, reichillustrirteSanimel-
werk cilt, naächem es seit vorigem Herbst in's Stocken ge-
rnthen war, nunmehr in raschem Fortgange dem nahon
Ziele zu. Es fehlen nur noch wenigo Heftej um anch den
sechsten nnd letzten Band abzuschließen, üessen Jnhalt dcn
spanifchen, französischen und englischen Knnstler» biS zum
Ausgange des 18. Jahrh. gewidmet ist. Die 7Ii. Liesernng
bringt Hogarth, GainSborough u»d Reynolds von I. Bea-
vington Atkinson, die 71. Callot von Gottfr. Kinkel
nnd I. Hardonin-Mansart von R. Dohme, die 75. Velaz-
quez nnd Goya von Herm. Lücke. Es stehen noch aus:
Dncerceau, Greuze, Chardin, I. Louis David nnd ein
Kapitel nber die französischen Jllustratoren des 18. Jahr-
hunderts. Das Erscheinen dieser zusammen drei Lieferungen
bildenden Abschnitte ist nach einerAnknndigung derSeemann'-
schen Verlagshandlung noch im Herbst d. I. zu gewärtigen.

)-.Sce»iann'skunsthisIorischcBiltcrbogcn,welchebereits im
sechsten Abdrncke vorliegen, haben eine willkommene Ergän-
zung erhalten durch die der Knnst des 10. Jahrhunderts
gewidmeten Supplementbogen Nr. 247—318. Dem größeren
Jnteresse entsprechend, welches die Malerei im laufendenJahr-
hnndert beansprucht, entfällt die weit überwiegende Mehr-
mhlderBogen auf dicseKunst, nümlich12mit207Abbildungen.
Die Bauknnst muß sich mit 46 Abbildungen auf 8 Bogen,
die Skulptur mit 82 Abbildungen auf 12 Bogen begnügen.
Weitere 0 Bogen illustriren mit 63 Abbildungen das moderne
Kunstgewerbej und der Schlußbogen bringt eine Anzahl von
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