Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Das Kölner Dombaufest.

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!ölgte sodann die Absahrt der Majestäten und ihres
^bfolges. Die Gegenstände, welche in das Jnnere der
^beuzblume des Südturms eingeschlossen wnrden, sind
!"lgende: Die Ilrkunde nebst den Ansprachen des Dvni -
^aurneisters am Anfang nnd Ende der Feierlichkeit.
^we Urkunde über dieWirksamkeit der deutschenLandes-
bereine unter dem Rothen Kreuz, als das erste that-
^chliche Ergebnis der deutschen Einigung von Jhrer
Diajestät der Kaiserin und Kvnigin übersandt. Die
^estschrift des Central-Dombauvereins. Die preußischen
Diünzen, geprägt im Jahre 1880. Ein preußischer
^haler von 1842. Eine Bronze-Medaille mit den
Bildnissen Sr. Majcstät des hochseligen Königs Fried-
^ich Wilhelm IV. und Sr. Majestät des Kaisers, ge-
jchlagen zum 4. September 1867, dem Jubelfeste des
25jährigen Wirkens des Central-Dombauvereins, auf dem
Revers die Ansicht des Kölner Domes im Jahre 1867.
Eine Bronzc-Medaille mit dcn Bildnissen Jhrer Ma-
jestäten des Kaisers und der Kaiserin und dem Denk-
nial des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm III.,
geschlagen 1878 bei Gelcgenheit der Dcnkmals-Ent-
hüllung auf dem Heumarkte.

Abends strahlten die Hauptstraßen der Stadt in
überaus Prachtvoller Jllumination, deren Lichtfülle
sich stellenweise zur Tageshelle steigerte. An beiden
Ufern des Rheins zogen sich langeKetten rotherFlammen
hin mit weißleuchtenden Flammenpyramiden dazwischen.
Der Strom gewährte unter dem Wiederschein der
fortwährend aufsteigenden Leuchtkügeln und Raketen
einen unbeschreiblich bezaubernden Anblick. Von far-
bigem Lichtscheine übergossen, hoben sich die malerischcn
Türme der Kirchen von St. Cunibert bis St. Severin
gegen den mondhellen Nachthimmel ab; den grvßartig-
sten Anblick aber bot der Doni selbst dar, über den sich
in breiter Fülle ein elektrischer Lichtstrom ergoß, bei
dem die tausendfachen Einzelheiten der Architektur wie
reine Silberarbeit erglühten.

Der für den zweiten Festtag geplante historische
Festzng bewährte von neuem den alten Ruf Kölns in
Bezug auf die glllckliche Durchführung derartiger Auf-
züge. Für den Entwurf und die Anordnung der Haupt-
grnppen waren bewährte Künstlerkräfte aus dem nahen
Düsseldorf in Anspruch genommen. Wie unsere Leser
aus dem bereits früher mitgeteiltcn Programm wissen,
sollten die drei wichtigsten Momente der Baugeschichte
des Domes zur Anschauung gebracht werden. Zunächst
die Periode der Grundsteinlegung im Jahre 1248, in
zwei Gruppen, deren Stellung von den Malern Fritz
und Ernst Röber unternommen war; dann die Periode
des Weiterbaues bis zur Vollendung des Chors im
Jahre 1322, wiederum in zwei Gruppen, mit deren
Anvrdnung sich die Maler Alb. Baur und W. Beck-
mann befaßt hatten; endlich die jüngste Periode des

Fortbaues bis zur Vollendung der Türme in einer
Gruppe, die nach Angabe des Malers W. Camp-
hausen eingerichtct worden war. Für Liese letzte GrupPe
hatte der Bildhauer Mohr in Köln eine kolossale,
gegen 30 Meter hohe Germania modellirt, die, vor
sich das Modell des Domes, einen Lvrbeerkranz über
die vollendeten Türme hielt. Der Zug, dem der Kaiser
von dcm Pavillon auf dem Domhofe aus zusah, wurde
von einem Trompeterkorps erösfnet, dem ein berittener
Herold in den Stadtfarben, roth und weiß, folgte. Jhm
schlossen sich die Reichs- und Stadtbannerträger, Reisige,
Bürgermeister, Räte und Schöffen der Stadt an.
Goldstrahlend, mit herrlichen Bildern geziert, folgt der
Schrein der hh. drei Könige von 8 Goldschmiedegesellen
getragen. Die Gestalten des zweiten Bildes scharten
sich um König Wilhelm von Holland. Hervorstechend
waren die Gestalten des Kardinal- Legaten Capocci,
Konrads von Hochstaden, der Herzöge von Limburg
und Brabant, sowie von vier Vasallen des Erzstifts,
der Ritter von Alpen, von Odenkirchen, von Rheineck,
von Drachenfels und der Grafen von Geldern. Dann
erschien der erste Wagen, auf ihm der erste Dombau-
meister Gerhard von Rile, umgeben von seinen Werk-
meistern und Gesellen (angeordnet von Baumeister
Pflaume). Die zweite Gruppe eröffnet der Kampf-
wagen von Wvrringen, starrend von eisernen Lanzen
und Schwertern, ihm folgen die Geschlechter in Präch-
tigen Kostümeu, sämtlich mit Gcfolge. Das Kriegsschiff
der Hansa erscheint, dessen Besatzung ein Flor schöner
Mädchen bildet. Weiter kommt ein Wagen mit dem
vollendeten Chor, der von einem riesigen Drachen (Hin-
deutung auf die Steinbrüche des Drachenfels) getragen
wird. Jm Jnnern sieht man den Meister Johannes
mit seinen Werkleuten. Diesem Wagen folgen die Zünfte
mit ihren Abzcichen. Jn rascher Folge eilt die dritte
Gruppe vorüber, voran 40 Chorschüler in den Farben
der Stadt, ein von Jvh. Fastenrath gedichtetes und
von Ferdinand Hiller komponirtes Lied singend. Weiter-
hin folgt ein Wagen, der die Spitze des Domes dar-
stellt, wie sic znr Zeit des StillstandcS gewcscn, als
der Domkrahn als Wahrzeichen der Stadt gelten konnte.
Den Schluß bildet sodann der gewaltige Triumph-
wagen mit dem schon erwähnten Kolossalbilde der
Germania, welches mit ungeheurem Jubel von der
Volksmenge begrüßt wurde. Als der Wagen vorüber-
gerollt, crschienen zwanzig Pagen, die Fahnen der
Bundessiaaten und Lorbeerkränze tragend und hinter
ihnen unter den Klängen der „Wacht am Rhein".die
Vertrcter aller Truppengattnngen dcsDeutschen Reichcs,
geschmückt mit Eichenlaubkränzen und Kornblumen,
prenßische Ulanen und Hnsarcn, bayrische Cheveaup-
legers, sächsische Schützen u. s. w. Der Zng verlief,
kleine Störungen abgerechnet, in vollster Ordnung,
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