Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

Page: 155
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1881/0080
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
155

Vom Kunstmarkt — Zeitschriften. — Eingesandt.

156

Krieg und Friede, sowie die Kolossalgruppe, Rhein und
Mosel, sür das Postament des Nationaldenkmals auf dem
Niederwald in den Modellen beendet und zum Besten des
Denkmalfonds öffentlich ausgestellt. Jn ihrcr idealen Auf-
fassung und meisterlichen Durchbildung rsihen sich diese Bild-
werke würdig der bereits sertigen Hauptgestalt der Germania
an. Mit feiner und warmer Empfindung sind Krieg und
Friede in wirkungsvollem Kontraste charaktsrisirt, und
namentlich ist die Gestalt des Krieges herrlich bewegt und
beseelt. Von großer Formen- und Linienschönheit, welche
der Allegorie ihrs Kälte benimmt, ist auch die Gruppe,
die den Vater Rhein darstellt, wie er, auf seine rebenum-
sponnene Urne gestützt, der ihm gegenübersitzenden Nymphs,
der Mosel, das Wachthorn übergiebt. Auch die übrigen Re-
liefs, welche das Postament schmücken werdsn, das großs
Relief auf der Stirnseite des Denkmals: Kaiser Wilhelm
inmitten des siegreichen deutschen Heeres, wie die beidsn
anderen Seitenreliefs, welche der Krieger Abschied von den
Jhrigen und der Krieger glückliche Heimkehr darstellen, sind
in den Thonmodellen nahezu vollendet. Die Figur des
Krieges, deren Kosten von dsutschen Kriegervereinen aufge-
bracht und als besondere Stiftung dem Komitö überwiesen
worden sind, wird von Ch. Lenz in Nürnberg gegossen
werden; ebenso die Figur des Friedens, deren Erzguß aus
den von den höheren deutschen Lehranstalten gesammelten
Beiträgen bestritten wird. Der Guß der Rhein-Moselgruppe
ist an A. Bierling in Dresden vergeben.

Gegen den Ausbau der Straßburger Münsterfayade,
welche kürzlich in Diskussion gezogen wurde, macht W. Lübke
in der Augsb. Allg. Zeitg. (Nr. 263 d. I.) folgende Ein-
wendungen: „Wer jenen Plan aufs Tapet gebracht hat,
bsdachte wohl nicht, daß Meister Erwins Werk durch die
baulichen Zusätze, welchs dasselbe im spätern Mittelalter er-
duldst hat, seiner ursprünglichen Absicht für immer entfremdet
worden ist. Denn bekanntlich haben die spätsrn Meister,
namentlich Johann Hültz von Köln als Erbauer der nörd-
lichen Turmpyramide, in der Absicht alles Vorhandens an
Kühnheit zu überbieten, der Fayade Erwins noch ein Stock-
werk aufgesetzt und darüber jenen luftigen Riesenhelm em-
porgeführt, der zwar ein Wunder dsr Konstruktion und
Tschnik ist, aber in dieser übermäßig emporgereckten Gestalt
wsder nach Form noch Verhältnis mit dem untern Teile der
Fayade in Harmonie steht. Wer also heute den Ausbau des
zweiten Turmes vorschlägt, würde die Dissonanz zwischen
den obern und den untsrn Teilen nur noch vermehren und
etwas geradezu Unerträgliches produciren. Der sine Turm,
so wie er jetzt ist, muß auch ferner an Kühnheit seinesgleichen
nicht haben; ein Zwillingsturm würde ihn um seine ganze
eigentümliche Wirkung bringen; denn diese beruht im wessnt-
lichen auf dem Kontrast des zu schwindelnder Höhe empor-
geführten Riesen mit der ungeheuren Plattform, von welcher
er sich wie von einer neuen Basis erhebt. Und wer möchte
diese Plattform selbst, dis ein ehrwürdiges Wahrzeichen Straß-
burgs ist, von welcher tausende den entzückten Blick über
das herrliche Rheinland bis zu den Vogesen und dem
Schwarzwald habsn schweifen lassen, durch einen zweiten
Turm beeinträchtigen? — Aber vielleicht möchts man, um
das Werk Erwins in seinem Gsist abzuschließen, die unge-
heuerliche Jdee empfehlen, den ganzen Turmhelm abzutragen,
den Mittelbau zwischen beiden Türmen zu beseitigen und
nun auf neu gewonnener Basis die beiden Turmhelme im
Stile des dreizehnten Jahrhunderts zu vollenden. Sollte
in der That diese Jdes in den Köpfen einiger Fanatiker der
Frühgotik leben, so halten wir es kaum sür nötig, ernsthaft
dagegen zu kämpfen. Denn die Turmppramide des Johannes
Hültz, so wenig sie mit den untern Teilen der Fayade stimmt,
ist doch eine Schöpfung von hervorragender Genialität, aus
einer Zeit, die noch völlig selbständig zu entwerfen und aus-
zuführen wußte, die ein eignes Stilgefühl besaß und sich in
stolzem Wetteifer mit den Vorfahren zu messen unternahm.
Welcher unter den hsutigen Technikern vermöchte es, an
Originalität und Kühnheit auf diesem Gebiets mit dem
alten Meistsr in die Schranken zu treten?"

Denkmal für David d'Angers. Die Enthüllung von
Louis Nosls Bronze - Standbild des Bildhauers David
d'Angers fand am 24. Oktober auf der Placs de Lorraine
zu Angers statt. Der Minister des Auswärtigen Barthelemy
Saint-Hilaire und der Staatssekretär Turquet hielten die

Festreden, in denen sie den Verdiensten des genialenKünstlers
Gerechtigkeit widerfahren ließen und ssine warme Vaterlanvs-
liebe hervorhoben. Louis Nosls bereits im letzten Pariser
Salon ausgestellte Statue zeigt David im zugeknöpsteü
Überrocke, den großen Mantel mit breitem Kragen auf detz
Schultern; die weiten Beinkleider fallen in Falten über die
Stiefel; der Stein, gegen den er sich stützt, trägt die Aust
schrift „katris!" und seine Hand hält die Gestalt Frank-
reichs vom Giebel des Pantheon. Das Haupt mit dem weh'
mütig ernsten Antlitz erinnert im Grundtypus weit mehr
an Zngres' Jugendbildnis als an Hsberts späteres Porträt.

Aus Pergamon wird der Fund einer Athenastatue ge-
meldet, an der nichts Wesentliches außer dem Kopfe fehlt-

Vonr Aunstniarkt.

Die Kunsthandlung von Franz Meyer in Dresden

hat soeben ihren 6. Lagerkatalog herausgegeben, den wir
Sammlern von Kupferstichen bestens empfehlen können.
Besonders diejenigen Sammler, die nicht ausschließlich Jagd
auf die kostbarsten Seltenheiten des Kunstdruckes machen
und auch an Blättern guter und vorzüglicher Meister, die
zwar nicht selten, aber auch nicht ohne künstlerischen Wert
sind, ihr Vergnügen haben, finden hier Gelegenheit, ihre
Sammlungen zu ergänzen. Es sind alte wie moderne
Künstler jeden Genres vertreten, Meister des Grabstichels
wie der Radirnadel. Besonders reiche Auswahl bieten unter
den alten Künstlern Dürer, Lucas van Leyden, Raimondi
und Schule, die Kleinmeister sowie die Radirer Rembrandt,
Teniers, Bega, Berghem, Ostade, Waterloo. Von den
neueren Radirern ist dann Dietrich, Hollar, Chodowiecki (ein
sehr reiches Werk mit vielen Seltenheitsn), Cl. Gellse,
Boissieu (ebenfalls sehr stark vertreten), Massalow zu nennen.
Freunde der Grabstichelarbeiten werden sich nicht fruchtlos
bei Goltzius, G. F. Schmidt, R. Morghen, Wille, Strange,
Sharp, Forster, Longhi, Anderloni, Müller, Woollet und
Mandel umsehen. Wer sich für das klassische Porträt intsr-
essirt, möge bei van Dyck, Dslff, Masson, Nanteuil, Drevet
Umschau halten. Hervorzuheben sind auch die Stanzen und
Loggien nach Raffael, von Aquila gestochen. Außerdem
bietet der Katalog, welcher 2238 Nrn. zählt, noch manches
einzelne gute Blatt. Redigirt ist derselbe mit vollendeter
Sachkenntnis, die Mängel sind gewissenhaft angegeben. Auch
sind die angesetzten Preise mäßig zu nennen.

Zeitschriften.

Ilie -teiutkiiiv. IVo. 445 u. 446.

Oliroiiiyne äes Lrts. Ito. 33 ii. 34.

Eingesandt.

Die Kunsthandlung von C. B. Lorck in Leipzig hat sich
in ihren schönen Lokalitäten für das Weihnachtsfest mit einer
reichen Auswahl vorzüglicher Nachbildungen plastischer Kunst-
werke antiken und modernen Ursprungs versorgt und eine
Ausstellung kunstgewerblicher Erzeugnisse ihres Lagers ver-
anstaltet, deren Musterung jedem Kunstfreunde Genuß und
Anregung bietet. Von den Kopenhagener Jmitationen antiker
Vasen herab bis zu den farbenprächtigsten Florentiner
Fayencen und orientalisirenden Gefäßen findet man fast jede
keramische Stilgattung (unter Ausschluß des Porzellans)
repräsentirt, ebsnso mannigfaltig ist das Fach der Glässr
ausgerüstet, dis in den verschisdensten Farben und Formen
das Auge erfreuen und von dem enormen Fortschritt Zeugnis
ablegen, den gerade dieser Fabrikationszweig auf dem Weae
zur vollendeten Kunstform gemacht hat. Auch der Metallgutz,
die Holzschnitzerei und alle sonstigen plastischen Kunstgewerbe
sind mit trefflichen Erzeugnissen vertreten, deren Preis in
vielen Fällen durch Billigkeit auffällt. 8n.
loading ...