Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Iahrgang.

Beiträge

lind an prof. Dr. L. von
^ützow (wien, There-
iianunigasse 25) oder an
die verlagshandlung in
^^ipzig, Gartenstr. 6,

j6. December

Nr. ^0-

Jnserate

d 25 pf. für die dre!
Mal gespaltene ssetit-
zeile werden von jeder

s880.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von September bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der ,,Aeitschrift für
bildende Aunst" gratis; für stch allein bezozen kostet der Iahrgang y Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen Aostanstalten.

^nhalt: Die historische s)orträtausstellung im wiener Rünstlerhause. I.— Ein hessisches Denkmälerwerk. — Bernhard Ltange -j-. — M. Schleich,
Römische Apriltage; Dohme's Kunst und Rünstler des Mittelalters und der NeuzeitLübke's Geschichte derZ)lastik; ^eliogravüre von
Rlix. — Die Reichenauer Bilderindustrie, — Dresdener Ausstellungen; s)ermanente Ausftellung des vereins Berliner Rünstler; Berliner
Nationalgalerie. — Aus den wiener Ateliers. — Neuigkeiten des Buch- und Runsthandels. — Zeitschriften. — Auktions-Rataloge. — Inserate.

Die historische Porträtausstellung im Wiener
Aünstlerhause.

I.

Als im Jahre 1877 das neue Wiener Akademie-
gebäude am Schillerplatz feierlich eröffnet wnrde, ver-
anstaltete man eine große Ausstellung, durch welche
die Entwicklung dieser Anstalt in den Werken der aus
derselben hervorgegangenen Meister und Lehrer dar-
gelegt werden sollte. Die Wiener Akademie ist mit
dem österreichischen Kunstleben so eng verknüpft, daß
damit zugleich eine sehr vollständige Darstellung der
neueren Kunstthätigkeit in Österreich geboten war.

Jn rascher Folge wurde nun abermals, und
Mar im Künstlerhause, eine ähnliche „Revue des
Alten" vorgenommen; doch beschränkte man sich dabei
aus das Porträtfach. 925 Bilder von 174 Meistern
sind zur Ausstellung gekommen, von denen 73 Meister
dor drei Jahren aus der akademischen Ausstellung mit
sast durchgehends denselben Bildern vertreten waren.
Über 300 Bilder sind von unbekannten „Meistern"
und mit wenigen Ausnahmen nur durch die darge-
stellten Personen von Jnteresse. Bei der Besprechung
dieser Ausstellung muß man also die Gesamtzahl der
^ilder in zwei große Gruppen teilen: in Bilder von
rein gegenständlichem Wert, welcher mit dem künstle-
^ischen, auf die Erscheinung basirten nichts gemein hat,
und in Bilder, die sich vornehmlich durch die künst-
terische Darstellung auszeichnen. Nach der einen wie
uach der anderen Seite waren Unvollständigkeiten schwer
Zu vermeiden, da erstens das Programm ein sehr
tveites, dann aber die Zeit für die Vorbereitung eine

viel zu kurze, endlich der gute Wille und das Ent-
gegenkommen von Seite der Bilderbesitzer nicht überall
gleichmäßig anzutreffen waren.

Die Jdee einer historischen Porträtausstellung ist
an und für sich eine sehr gute, und die jetzige Wiener
Ausstellung bietet auch trotz zahlreicher Lücken des
Jnteressanten so viel, daß man gern geneigt ist, damit
fürlieb zu nehmen. Es sei auch nur ganz allgemein
bemerkt, daß wir von der Wichtigkeit und Bedeutung
eines solchen Unternehmens in der Weltstadt Wien so
durchdrungen sind, daß wir die Ausstellung entweder
viel großartiger und vollständiger nach allen Rich-
tungen hin, oder rein österreichisch gewünscht hätten,
wobei wir freilich nicht leugnen können, daß bei einer
Einschränkung des Programms manche der besten Stücke
weggeblieben wären, die wir sehr ungern vermißt hätten.

Wohl erwägend also, daß alles menschliche Thun
immer nur die Resnltante dessen ist, was angestrebt
wird, und der Hindernisse, die sich jedem Unternehmen
entgegenstellen, wollen wir uns dnrch die Lücken und
Unvollständigkeiten der Ausstellung nicht die Freude
an dem Gebotenen verderben lassen; allerdings hätten wir
diese Freude noch ungetrübter genossen, wenn eine gute
Zahl von Schulbildern und namenlosen Porträts von
unbekannten Meistern iveggeblieben wären. Und nach
dieser Seite hin hat man weniger Grund, das Aus-
stellungskvmitö zu cntschuldigen, da eine strengere Sich-
tung nnd Ausscheidnng des Vorhandenen vollkommen
in seiner Macht gelegen hatte. Die Ausstellung hätte
durch die Befreiung von vollkommen überflüssigem
Ballast an Übersichtlichkcit gewonnen.

Der — nachträglich mit drei Registern ausgestattete—
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