Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Iahrgang.

Beiträge

smd a„ prof, Dr, L, von
^"tzow (wien, Therc-
sanuwgasse 25) oder an
verlagshandlung in
^k'pzig, Gartenstr, 8,

6. Zanuar

Nr. (Z.
Inserate

i> 25 pf, für die drel

s88s.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen koflet der Iahrgang y Mark sowolsi im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

^uhalt: Die lsistorische ssorträtausstellung iin wiener Künstlerhause. II. — Rückblick auf die Innsbrucker 2<unstausstellung. (Schluß.) -- A. u.

wurzbach, Die französischen Maler des achtzehnten ^ahrhunderts ; A. R e ich en sp e rg e r, s)arlamentarisches über Aunst und Runst-
handwerk: Line neue Biograplsie Raffaels; Monograplsie über die Bildnisse Goethe's. — Münchener Aunstoerein. -— Aus den Miener
Ateliers; Ausgrabungen bei Herculaneum; Röln. — Münchener Rupferstichkatalog. — Zeitschriften. — Inserate.

Die historische Porträtausstellung im Wiener
Aünstlerhause.

II.

Wir haben im ersten Berichte versucht, mit wenigen
Strichen ein allgemeines Bild der Porträtausstellung
Zu bieten, Das Äntereffe an der Ansstellung hastet
jedoch an einzelnen Bildern, von denen einige schon
hervorgehoben wurden, vor allen das an Lebendig-
Eeit, Klarheit der Farbc, Weichheit und Feinheit
^er Modellirung hervorragende Porträt der lieb-
lichen Erzherzogin Marie Christine (geb, 1742, gest.
1798) von Roslin, An Vortrefflichkeit sind znnächst
blig auds Bildnisse zu erwähnen, die in der bekannten
Weise dieses Meisters mit theatralischem Pomp ange-
ordnet, aber vortrefflich gezeichnet und schlichter gemalt
stnd, als man auf den ersten Blick anzunehmen geneigt
lst- Charles Lebrun ist nicht unt Arbeiten bester Art
bertreten. Das geistreich, fleißig und weich gemalte
Porträt Glucks von Duplessis reiht sich den er-
Ivähnten Bildern würdig an. Meytens' Porträt
oiner unbekannten Dame (Nr. 308) ist von allen aus-
gestelltcn Porträts dieses Meisters das feinste in der
Äuffassung und Farbe. Zunächst wäre v. Schuppen
Z» nennen, dessen große Verdienste um die Entwicklung
l>er Wiener Akademie seinerzeit gebührend gewürdigt
luurden. (C. von Lützow, Geschichte der Akadcmie der
lüldendcn Künste in Wien, Wien 1877.) Die Por-
träts des „edlcn Ritters" Prinzen Eugen von Savoyen
stnd um cin Erkleckliches dckorativcr und oberflächlicher
Zehalten als die Arbeiten Kupeczky's, auch in den aus-
gestellten Selbstporträts ist sogar eine gewisse technische

Brutalität nicht zu verkennen. Dic runzelige Ober-
fläche eines derselben und die branstige Farbe erklären
uns, wie kein zweites Bild bisher, den Ursprung dcs
im Malerjargon gebräuchlichen Ausdruckes „Schwarte".
Meytens entschädigt uns durch sauber und mit großer
Sorgsalt gemaltes Beiwerk für die süßliche Schwäch-
lichkeit der Köpfe und die flache Wirkung seiner Bilder.
Sehr manierirt und unklar Lehandelt, schmutzig in
der Farbe und doch anspruchsvoll im ganzen ist
Schmutzers Porträt von Meßmer. Sehr charakte-
ristisch aufgefaßt und gezeichnet und mit einer gewissen
naiven Unmittelbarkeit ohne Ziererei gemalt sind die
Porträts von Hubert Maurer (besonders Nr. 353
und Nr. 670). Erwähnen wir noch die guten, schön
und breit in der Lichtwirkung gemalten Porträts von
A. Möller (Nr. 8, 12, 26), das Selbstporträt Da-
niel Grans, welches von der Bedeutung dieses treff-
lichen Dekorators nicht den rechten Begriff giebt, die
guten Porträts von Alphen, Troger, die zahlreichen
Porträts von Lampi, das feine Porträt der Herzogin
vvn Württcmberg (geb. 1771, gest, 1855) von Grassi;
ein gutes Bildnis der schönen Frau Schlossermcisterin
Pein von Oehlenheinz, an das die anderen Arbeiten
dieses Meisters nicht heranreichen; fügen wir hinzu die
sehr zahlreichen Arbeiten Fügers, die schon mehrfach
ausgestelltwaren, die sehr schönenArbeitenDaffingers,
Enders, die fleißigen Kriehubers und Benners,
die ganz vortrefflichen Fendi's, Amerlings, Dann-
hausers,Lieders, Schrotzb ergs undWaldm üllers,
so werden wir das Erwähnenswerte deffen berührt
haben, was man mit dem Namen Österreichische Kunst
bezeichnet. Wir können diese Gruppe von Meistern
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