Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Kunstgeschrchtliches. — Konkurrmzen. — Sammlungen und Ausstellungen.

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daß Meister wie Paionios und Alkamenss es über sich gs-
bracht hätten, in einem so umfangreichen Werks und an so
hervorragender, vielbesuchter Stätte sich nur auf Skizzen und
Zeichnungen zu bcschränken, sorglos alles Weiters untergsord-
netsn eliichen Künstlern überlassend. Sollte wirklich das Zeug-
nis des Pausanias so durchaus unanfechtbar sein, da doch
seine Gewährsmänner wahrscheinlich nur die Fremdenführer
in Olympia waren und da überdies leicht das Mißverfiänd-
nis entstehen konnte, daß Pausanias, indem der Führende
die Akroterienfigur oben auf dem Dache als ein Werk des
Paionios bezeichnets, diesen Namen ungenau auch auf dsn
darunterstehenden Giebelschmuck übertrug? Wärs der Bericht
des Pausanias nicht vorhanden, so würds man sicher die
unverkennbars tiefe innere Stilverivandtschaft zwischen den
Gruppen und den Metopen schärfer beachten. Jst der ge-
meinsams Ursprung so ganz abzuwsisen?" Was den Hermes
mit dem Dionysosknaben betrifft, welches Werk Hettner mit
Wärme und feinem eindringendem Verstnndnis bespricht, so
erklärt er sich mit G. Treu, der Annahme O. Benndorss
entgegen, für den älteren Praxiteles. Die Besprechung der
ägyptischen Bildwerke stützt sich auf Unterlagen des Prof.
Georg Ebers, die Besprechung der assyrischen erfreute sich
der Mitwirkung des Prof. Friedrich Delitzsch.

Ein italienisches Küiistlcralbiim ist vor knrzeni unter
dem Titel Ttzusonia, ä.U>o ä'nrto s Isttsrnturs,, bei U.
Hoepli in Mailand erschienen. Dasselbe umfaßt l2 Seiten
Text und -18 Seiten mit 180 Originalzeichnungen in photo-
lithographischer Reproduktion. Die bekanntesten und hervor-
ragendstsn der lebenden Künstler Jtaliens haben Beiträge
zu diesem, zum Besten dsr Überschwemmten in Calabrien
herausgsgebenen Album beigesteuert, so daß dasselbe einen
intsressanten Überblick über das schöpferische Vermögen der
gsgenwürtigen Künstlergeneration Jtaliens darbietet. Der
Preis dsr Mappe ist auf 22 Mark festgesetzt.

Engelhorns Miisterornamente aus allen Stilen sind
kürzlich 'mit der 2ö. Lieferung vollständig erschisnen. Das
Wsrk besteht im ganzen aus 300 Quarttaseln mit Holz-
schnitten, die aus den einzelnen Jahrgüngen der „Gewerbe-
halle" ausgewählt sind und nun, nach den Nummern der
Tafeln systeniatisch gsordnet, einen lehrreichen Überblick über
dis Entmickelung der Ornamsntik von den frühesten Zeitsn
bis zum Ausgange des 18. Jahrhunderts gewähren.

Aunstgeschichtliches.

Über dic Aufschließiiiig der Pyrainideii von Sakkara

berichtet Brugsch-Bey der Voss. Zeitg. Näheres. Mariette
hatte im vergangenen Jahre die Eingänge zu drei Pyramiden
freigelegt. Vierzehn Tage vor seinem Hinscheiden, an un-
säglichen Schmerzen leidend, ersuchte Maristte, welcher trotz
seiner schwsren Krankheit das Jnteresse an dsr Denkmäler-
welt fast bis zu seiner letzten Stunde bewahrt hatts, Brugsch,
die geöffneten Pyramiden einer genauen Prüfung zu unter-
ziehen. Der deutsche Ägyptologe machte sich mit seinem
Bruder aüf den Weg nach der Stätte, wo das alts Mem-
phis lag. Das Dorf Sakkara, am Rande dsr Wüste, mit
seinen dunkeln Hüusermassen, überragt yon den nickenden
Kronen seinsr Palmenwälder, ward in einer halben Stunde
erreicht, und hinauf ging es auf der alten heiligen Straße
in das Bereich der 'Wüste, entgegen den drei geöffneten
Pyramiden. Von der Pyramide auf dsm nördlichen Plateau
schreibt Brugsch: Sie hat augenscheinlich am meisten durch
Zerstörung gelitten; bereits in früheren Zeiten haben un-
gebetens und unbekannte Gäste (als Rumani, das heißt
Römer, bezeichnete sie der auf deiii Gebiete der Altertümer
von Sakkara sehr scharfblickende und unterscheidends Scheich
Mustafa) den vsrsteckten Eingang zu öffnen gesucht und in
greulicher Weise die Stsinlagen und Blöcks der Nordseite
auseinandergerisssn. Jn späteren Zeiten hatte man weitere
Sprengungeii an der Nordseite vollzogen zu dem Zwecke, die
gewonnenen Steine zu eigenen Bauteii zu benutzen, und da-
ber den ganzen langen Gang freigelegt, welcher von dem
vordersten Eingang der Pyraiiiiden ans in schräger Richtung

zu dem zweiten, horizontal laufenden Mittelgang führte.
Heutzutags liegt der schiefe Gang vollständig frei. Die Decke
ist abgetragen und nur die beiden, meist mit hieroglyphischen
Jnschriften bedeckten Wandssiten ragen in ihren letztsn Resten
aus dem Schutte hervor. Eine großs Zahl von Arbeitern
war eben damit beschäftigt, das Geröll vor dem zweiten
Mittslgang himvegzuräumen. Wir traten in gebückter Stel-
lung vorschreitend in denselben hinein. Der Reichtum an
Jnschriften, welche in vertikal nebeneinander laufenden Ko-
lonnen in die beiden Wandseiten eingemeißelt sind und she-
mals mit grüner Farbs ausgemalt waren, ist unbeschreiblich-
Zugleich geben sie das erste Beispiel einer mit Jnschriften
vsrsehenen Pyramide aus den Zeiten des alten Reiches,
denn aus den Texten springen zu Hunderten von Malen
die in den sogenannten Königsringen eingeschlossenen Doppel-
namen eines Pharao in die Augen, welcher mit seinem ofst-
ziellen Namen Meri-ra, d. h. „Sonnenlieb, Freund der
Sonne", mit seinem Familiennamen Pepi heißt. Das ist
der Pharao Appapus oder Phiops der manethonischen
Überlieferung, welcher 100 Jahre regiert haben soll, der be-
kannteste und mächtigste König der sechsten Dynastie, aus
Elephantine, derselbe, dessen soeben wieder geöffnete Pyra-
mide die Denkmäler mit dem Namen Men-nofer, d. h.
„Guter Platz", bslegen. Gerade so hieß aber auch im Alt-
ägyptischsn die Stadt Memphis. Am Ende des Ganges
glitzerte uns ein Strahl der Tageshells entgegen, welcher
durch die oben beschriebene Spalte in die eigentliche Toten-
kammer hineinfiel. Bald standen wir in aufrechter Stellung
inmitten der Grabkammer. Der mäßig große Raum ist in
Gestalt eines Rechteckes angelegt und trägt ein Spitzendach,
welches durch kolossale aneinanderstrebende behauene Kalk-
steinblöcke gebildet wird. Die inners Seite derselben ist mit
weißsn fünfästigen Sternsn auf schwarz gemaltem Grunde
bedeckt. Die östliche Wand ist von den Schatzsuchern hart
mitgenommen worden, da man versucht hatte, sis durchzu-
schlagen; die wsstliche Wand dagegen, reich init Jnschriften
bis zur Spitze des Daches bedeckt, ist von dem Vandalismus
frei geblieben, da sie ihren Zweck in den Augen der Zer-
störer zu erfüllen schien, denn eine Thür führts in das Jnnere
eines zweiten, an das erste anstoßenden Gemaches oder Saales.
Doch ist der Eintritt in dasselbe vorläufig noch verwehrt,
da ganze Haufen untereinander geworfener Steine das
Zimmer bis über dis Thürhöhs hinaus verspsrren. Jn
diesem Zimmer wird und muß man den Sarkophag dss
Königs, vielleicht die Königsmumie selber finden.

Aonkurrenzen.

Der Mitteldeiitscbe Kunstgewerbe-Verein zu Frankfurt

а. M. veröffentlicht soeben eine Einladung zu einer Preis-
bewsrbung für kunstgewerbliche Arbeiten für den Umfang
des deutschen Reiches. Es werden sechs Aufgaben gestellt:
1. Ausstattung eines Herrenzimmers mit Schreibtisch, Schreib-
sessel, Schrank, Auszishetisch, vier Rohrstühlen und einem
Etagsrentischchen (Verkaufspreis für die ganze Ausstattung
1ö60 Mk.; zwei Ehrenpreise a tOOo und 500 Mk.). 2. Be-
schlag einer Flügslthür (Verkaufspreis 150 Mk.; zwei Ehren-
preiss L 250 und 150 Mk.). 3. Tischdecke für einen Salon-
tisch (Verkaufspreis 250 Mk.; Ehrsnpreise 200 und 100 Mk.).
4. Taufbecken mit Kanne von Zinn (Verkaufspreis 100 Mk.;
Ehrenpreise 200 und 100 Mk.). 5. Pathenbechcr aus Silber
(Verkaufspreis 100 Mk.; Ehrenpreise 200 und 100 Mk.).

б. Bucheinband für die illustrirte Ausgabe von Scheffels
Trompeter (Verkaufspreis 50 Mk.; Ehrenpreise 150 und
75 Mk.). Die Bewerber haben ihre Arbeiten bis zum I. Juli
d. I. einzuliefern; von Nr. 1 wird nur die Zeichnung ver-
langt, jedoch ist der Bewerber verpfiichtet, die Ausführung
auf Verlangen bis zuin 1. Oktober zu bewerkstelligen.
Näheres ist aus dem von dem Vorstande des Vereins zu
beziehenden Programm ersichtlich.

5ammlungen und Ausstellungen.

o. Die königliche Gcmäldegalerie in Dresden hat in

diesen Tagen wiederum eine wertvolle Acquisition gemacht
und zwar an einsmWsrke, das dsm Velasquez zugsschrieben
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