Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Sammlmigen und Ausstellungeiu

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und auch allem Anschein nach von seiner Hand her-
Mrt. Die Galerie besitzt bereits einige gute männlichs
isnldnisse von dem Meister. Größere Figurenbilder, dem
Mvrischen und mythologischen Darstellungsgebiete ader dem
i^Mre angehörend, sind bekanntlich außerhalb Spaniens
>^yr selten; um so willkommener ist das angekaufts Bild,
^rlches, in ziemlich großen Dimensionen, Diana mit ihren
KyMphen vorführt. Die Göttin, eine schlanke Gestalt mit
Kynen Augen und feinen Gssichtszügen, schreitet in der
-biitte des Bildes lsicht einher. Sie trägt ein Barett, unter
?rlchem das volle Haar lose hervorquillt, ein gelbseidenes
»öer einem blauen, aufgeschürztes Gswand, Sandalen an
öen Füßen und in der Rechten einen Jagdspeer. Vor ihr,
^schts, wandeln zwei Kinder, von welchem das ältere
Zogen und Köcher trägt, während hinter ihnen eine in das
Hvrn stoßende Nymphe erscheint. Links schließen drei, in
prächtigen physiognomischen Gegensätzen, lebendig zur Gruppe
Seeinte Jägerinnen das Bild ab, worunter eine rotgekleidete
Gestalt, in welcher sich andalusische Schönheit mit höfischer
Eleganz anmutig verschmelzt, und eine andere, unter der
Hast ihrer Körperfülls ünd zugleich ihrer Jagdbeute, eines ^
Hasen, herankeuchende Gestalt, die mit Humor aufgefaßt !
rst. Eine parkartige Waldlandschaft bildet den Hintergrund,
r>on welchem sich die Figuren lichtumflossen absetzen. Jn !
svielender Flüchtigkeit und zugleich meisterlicher Sicherheit i
'st das Ganze hingeworfen. Wie der warme, wahre Ton
und überhaupt die Behandlung unwillkürlich an Velasquez
orinnern, so lassen auch die individuellen Züge der Figuren
wfort erkennen, daß das mythologische Motiv dem Künstler
hier nur als Vorwand und Gewand sür eine Porträtgruppe I
oiente. Jst Velasquez der Autor des Bildes, ist letzteres ^
Um das Jahr l6S4 gemalt, der reifsten Zeit dss Meisters,
wofür Alles spricht, so dürfte auch, wie man im Kreise der
Galeriekommission weiterhin annimmt, unter dsr Diana und
lhren Nymphen die Königin von Spanien, Maria Anna
uon Österreich, zweite Gsmahlin Philipps IV., inmitten ihrer
Hofdamen dargestellt sein. Die Königin war damals zwanzig
Jahre alt und, nach Justi, Zeitschr. s. b. K. XV, 23ü, ein'e
leidenschaftliche Jägerin. Neben diesen Umständen bestätigt
auch ein Vergleich mit den vorhandenen Porträts der Kö-
uigin deren Jdentität mit der Diana unseres Bildes. Da-
mit aber ist es zugleich von der größten Wahrscheinlichkeit,
oaß unter den beiden Kindern die bsiden Jnfantinnen,
Maria Theresia, die nachgelasssne Tochter Jsabella's, der
ersten Gemahlin Philipps, und der Königin Maria Anna
mgene Tochter, Margaretha Theresia, dargestellt sind. Erstere
war damals gegen sechzehn Jahre, letztere gegen vier Jahre
alt, in welchem Alter auch die Kinder in 'dem Bilde zu
stehen scheinen. Während das jüngere Mädchen frisch und
Munter dareinblickt, hat das ältere ein etwas leidendes
Aussehen, ein Umstand, der ebenfalls darauf hindeutet, daß
wir in letzterem die Jnfantin Maria Theresia vor uns haben.
Sie verheiratete sich, gegen die Sitte der Zeit, erst spät,

>n ihrem 22. Jahre, was vielleicht nur infolge ihrer
Kränklichkeit geschehen ist. Dabei nahm sie jedoch, wie be-
Zeugt ist, an den Lustbarkeiten des Hofes teil. Unter den
Bsgleiterinnen der Diana, links, erinnert das Profil der
oinen Figur sehr an die knieends Hofdame in den „Meninas";
obenso kommt der Hund, welcher, ganz in den Vordergrund
tzestellt, vor seinem Spiegelbild im Wasser zurückprallt, noch
»uf einigen anderen Bildern des Meisters vor. Man ver-
Mutet, Velasqucz habe das Bild für die Torre de la Parada,
Mn Jagd- und Lustschloß im Revier von Pardo gemalt.
Den Hauptschmuck für dieses Schloß lieferten Rubens und
seine Schule, aber auch Velasquez hat, wie Ponz und neuer-
mngs Justi berichien, für dasselbe gemalt. Jm 18. Jahr-
hundert geriet die Torre de la Parada in Verfall, im Kriege
»on I7tü wurde sie geplündert, und einige Gemälde gingen
verloren, die anderen wurden nach Madrid gebracht. — Auch
Me moderne Abteilung der Galerie ist in erfreulicher Weise
oereichert worden. Nachdem unlängst das prächtige Bild
vonLudw. Knaus: „Hinter den Coulissen" angskauftworden,
>Mt man gegenwärtig auch ein Werk von Änselm Feuer-
ö»ch sich zu sichern gewutzt. Jn dem, was Feuerbach er-
Urebte und erzielte, der Besten einer unter dsn Künstlern
»userer Zeit, werden seine Schöpfungsn, bei der immer mehr
orivachendsn Erksnntnis ihrer Vorzüge, nicht lange mehr
muflich und bald in feste Hände übergegangen sein. Das

erworbene Bild, eine sitzende Madonna mit dem Christus-
kinde und anderen Putten, ist Ausgang der fünfziger Jahre
in Rom gemalt worden. Es zeugt in seinsr großen stilvollen
Form und ruhigen erusten Färbung von dem mächtigsn
Eindruck, welchen Feusrbach nach seinem Pariser Aufenthalt
von den großen Jtalienern empfing, wie zugleich von der
gediegenen Weise, in welcher er denselben mit seiner eigsnen
Empfindung und eigenen Naturanschauung zu verarbeiten
suchts. Auf der Madonna, deren ideale Kopsform von großer
Reinheit ist, ruht ein Hauch schwermütigen Ernstes, während
dis Putten in ihrer Frische und Naivetät des Knnstlers
warmen Sinn für das Natürliche bekunden. Das Gemälde
war Anfang der sochziger Jahre in Dresden ausgestellt und
wurde dsm Kunstvsrein zum Kauf angeboten, jedoch ver-
gebens. Dis wenigen Kunstfreunds, welche sich damals für
die Erwerbung verwendetsn, habsn jetzt die erfrsuliche Ge-
nugthuung das treffliche Bild von der Galerie angekauft zu
sehen.

§. Ankauf aus der Galerie Schönborii für Berlin. Jm

westlichen Oberlichtsaal der Berliner Gemäldegalerie ist seit
kurzem die neueste glänzende Erwsrbung dsr königlichen Mu-
feen, ein prüchtiger Rubens, ausgestellt, der bis dahin eine
hervorragende Zisrds der bekannten Galerie Schönborn in
Wien bildsts und sich bereits im Jahre 1790, als der große
Stich des Gemäldss von I. M. Schmutzer erschien, ini Be-
sitz dsr bisherigen Eigentümer befand. Die Größe des
Bildss, oie etwa 3 in im Quadrat beträgt, sowie seine sel-
tenen künstlerischen Qualitäten und die tadellose Erhaltung,
rechtfertigen vollauf den hohen Preis von 2Ü000Ü Mk., den
der Ankauf erforderte Den Gegenstand dsr Darstellung
bilden Neptun und Amphitrite in einer durch Tier- und
Menschengestalten belebten landschaftlichen Umgebung. Am
meerumspülten Uferrands einer Jnsel, über die sich ein mäch-
tiges Segel hinspannt, sitzt, ein hellblaues Gewand um die
Hüften geschlngen, der weißbärtige Gott, der mit der Rechten
den Dreizack aufstützt, in ruhsvoll bewegter Haltung da.
An seine Seite lehnt sich, dis Schultern von einem roten
Mantel umflattert, dessen Neflexe über den zarten Leib hin-
spielen, dis schlanke Gestalt der Amphitrite. Den rechten
Arm schlingt sie um den Nacken dss Sitzenden, während
die läfsig ausgestreckte Linke, um deren Gelenk ein Liebes-
gott eine Perlenfchnur windet, aus den Schätzen des Meeres,
die ein aus dem Wasser emportauchender weißhaariger Tri-
ton in einer kolossalen Muschel darbietet, einen Korallenzweig
herausgreift. Eine gleichfalls nur mit halbem Leibe nus der
Flut nüfragende Nymphe, die sich rückwärts gegen ein von
ihr umschlungenes Krokodil lehnt, blickt von uiiten herauf zu
dieser Gruppe empor, und ihr ivendet auch ein aus dem
schilfbewachsenen Hintergrunde hervortretendes Nilpferd den
breiten, durch seine frnppante Naturwahrhsit überraschenden
Kopf zu. Auf der anderen Seite der Hauptgruppe erscheinen
zwei satyrartig gebildets Flußgötter, von denen der eine ein
mächtiges Gefäß umfaßt hält, der nudere den flüssigen Jn-
halt eines nicht minder riesigen ausschüttet. Vor ihnen her
schreiten ein Löws und ein Tiger über den muschelbedeckten
Strand, und noch mehr nach links ragt hier der offenbar
nicht nach der Natur, sondern nur nach mangelhaften Abbil-
dungen gemalte Kopf eines Nashorns in die Kompofition
hinein. Nicht bloß im Gesamtcharakter, sondern auch in den
einzelnen Nebendingen zeigt sich eine unvsrkennbare Übsr-
einstimmung mit den „Vier Weltteilen" im Wiener Belvedere.
Gleich diesen wird das Bild bald nach der Rückkehr des
Meisters aus Jtalien, etwa um 1610, entstanden sein.

X. L. Paiioraina der Schlacht von St. Privat in
Berlin. Nach dem Muster des berühmten Panoramas der
Belagerung von Paris in den Champs-Elysäes in Paris ist
am 24. Februar in Berlin (in der Herwarthstraße gegenüber
dem Generalstabsgebäude) ein Panorama eröffnst worden,
welches die Düsseldorfer Maler Professor Emil Hünten und
W. Simmler im Auftrage einer belgischen Gesellschaft aus-
geführt haben. Wie das des Pariser beruht auch das Prinzip
des Berliner Panoramas auf einer Verbindung der plastischen
Wirklichkeit mit der Malerei, so daß dis erstere, möglichst
unmerklich, in dis letzters übergeht. Von der runden Platt-
form, auf welcher der Beschauer steht, sieht er hinab in die
zerschossensn und verbrannten Häuser, aus die verwüsteten
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