Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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j6. Iahrgang.

Beiträge

find an prof.Dr.L. von
Tützow (wien. There-
itoniimgasfe 25) oder an
r>erlugsdandlung in
^'PZ'g, Gartenstr. 6,

17. 21Iärz

Nr. 23.

Inserate

?, 25 Pf. für dle drel
Mal gespaltene j)etit-

s88s.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kuilst.

bildende Aunst" gratis ; für stch allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.


Zur Lrinncrung an Ferdinand von ^uast.

Unter den hervorragenden Männern des Faches.
dielche in den letzten Äahren von uns geschieden sind,
derdient Ferdinand von Quast noch einen litterarischen
Denkstein in diesen Blattern. Selbst ein feinfühliger
Knnstler, war er zugleich einer der Begründer der
niodernen Kunstgeschichte, insbesondere der Wissenschaft
bon der Kunst des Mittelalters, und ist, niemals ruhend,
sondern stets weiter forschend, bis zu seinem Tode einer
der bedeutendsten Vertreter derselben geblieben. Seine
Arbeiten sind mustergiltig für die Methode der For-
schung und wegen ihres Reichtums an gesicherten Re-
snltaten.

AlexanderFerdinand von Quast, einem alten
niärkischen Adelsgeschlecht entsprossen, wurde am 23. Juni
1807 zu Radensleben, dem in der Grafschast Ruppin
gelegenen Gute seines Vaters, geboren und erhielt seinen
ersten Unterricht durch Hauslehrer. Später, seit dem
2ahre 1815, verbrachte er mehrere Jahre in der
Plamannschen Erziehungsanstalt zu Berlin und besuchte
Während dieser Zeit auch fleißig den Jahnschen Turn-
hlatz. Die Freiheitskriege machten auf ihn einen großen
Nndruck. Äm Winter 1821—22 besuchte er das
Gymnasium zu Neu-Ruppin, wo besonders Prof.
lw. Starke, ein bedcutcnder Theologe und Philologe,
lmrch seine geistvolle Erklärung dcr griechischen Klas-
siker Lleibenden Einsluß auf ihn ausübte, ihm auch
ÄUnkelmanns Werke in die Hand gab und ihn zuerst
auf die Schönheiten der antiken Statuen, deren Ab-
güsse er dann in Berlin studirte, aufmerksam machte.

Ostern 1825 bezog Quast die Universität Berlin,

uni dort auf den Wunsch seiner Mutter Theologie
zu studiren. Er kam sciner Ausgabe nach; doch zog
ihn sein Herz, ohne daß er das Jnteresse für die
Theologie jemals verloren hätte, zur Kunst. Er hörte
die Vorlesungen von Becker, Tölken, Boeckh u. a., be-
suchte auch die Kunstakadcmie, zeichnete dort nnter der
Leitung von Niedlich nach der Antike, kopirte im könig-
lichen Schlosse ältere italienische Gemälde und ging
viel mit Künstlern wie Rauch, Drake, Ed. Meyerheim
u. a. um. Auch las er mit Begeisterung Goethe,
Shakespeare und die griechischen Dichter. 3m Jahre
1825 unternahm Quast in Begleitung seiner Eltern
seine erste größere Reise, besuchtc Magdeburg, Braun-
schweig, Hildesheim und ging dann nach Sachsen, wo
er die Dresdener Gemäldegalerie studirte, etwas später
nach Böhmen, wo ihn besonders die Burg Eger mit
ihrer Doppelkapelle interessirte, die er genau untersuchte,
um über sie bald darauf eine wissenschaftliche Arbeit
(in Toelkens Kunstblatt vom Jahre 1828) zu Publiziren.

Nachdem Quast ohne Lehrer die antike Architektur
nach dem großen Werke von Stuart und Revett ein-
gehend studirt hatte, widmete er sich im Jahre 1827
ganz der Architektur. Mit seinem speziellen Landsmanne
Schinkel verkehrte er schon seit einigen Äahren; jetzt
lernte er auch die Architektcn Stüler und Strack, dann
Kugler, Gruppe u. a. keunen und blieb mit ihnen
Zeit seines Lebens in regem freundschaftlichen Verkehr.
Jm Jahre 1828 legte er die Fcldmesserprüfung ab nnd
lcitete dann die praktischc AuSführung des Vvn Schinkel
entworfenen königlichen Packhofgebäudes zu Berlin.

Nachdem im Jahre 1830 sein Vater in Marien-
bad gestorben war, zog Quast nach Radensleben und
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