Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Versteigerung der Disch'schen Sammlung.

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waffen mit eingelegter oder skulpirter Schäftung die
Aufmerlsamleit fesseln. Rings im Zimmer herum
Paradirt aus Barockschränken und Tischen die Porzellan-
sammlung, eine große Anzahl von altchincsischen
Vasen, Schüsseln und Servicen, durchsetzt mit plasti-
schen Erzeugnissen in einer Reihe von Gruppen und
Figuren aus den bekanntesten deutschen Porzellan-
fabriken des vorigen Jahrhunderts. Zwei meister-
hafte Kostümporträts des Kölner PatrizierS Adolphus
Münster und seiner Gemahlin, datirt 1648 und der
Geldorpschen Schule angehörend, schmücken die Wand-
seiten rechts und links vom Eingange, die den Fenstern
gegenüberliegende Langseite eine Answahl genrehaft
behandelter Wachsbilder des Kölner Domherrn Hardy,
von lebenswarmer Plastik, während von der Decke
Prächtige Renaissancelustres in Messing oder geschlif-
feneni Glase niederhängen.

Der nun folgende Raum bildet in der erlesenen
Auswahl seincr Ausstattungsgegenstände gleichsam das
Schmuckkästchen der Sammlung. An den Wänden
prangen sechs flandrische, von breitem Laubwerkbor-
düren umrahmte Gobelins mit anmutig bewegten
Kostümfiguren des 17. Jahrhunderts in einer Park-
staffage, von deren tiefgetöntem, saftigem Baumschlage
sich die hier aufgestellten Prachtstücke des Renaissance-
mvbiliars auf das wirkungsvollste abheben. Machen
wir um den die Mitte ausfüllenden, mit geschnitzten
Sesseln und Stühlen umstellten mächtigen Ballentisch
die Runde, so ist da zunächst ein Aufsatzschrank aus
der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in eingelegter
Arbeit mit geschnitzten Eckstücken und Einfassungen ein
Anziehnngspunkt von imposanter Erscheinung. Von
einem seltenen Ebenmaße des Aufbaues in dem Ver-
hältnisse des mächtigen llntersatzes zu dem verjiingt
einspringenden, von einem vortretenden Dache über-
ragten Aufsatze zeigt er auf den von Karyatiden durch-
brochenen Konsolen, den vvn Renaissancebogen und Auf-
sätzen umrahmten Thürfeldern treffliche Jntarsien mit
einem Cyklus alttestamentarischer Darstellungen aus dem
Leben des Tobias. Mit diesen Bildern vereinigen sich
auf den das Mittelteil bildenden Schiebladenbrüstungen
Profane Darstellungen, Jagdscenen u. s. w., in dem
obern Friese Vogelfigurationen mit Laubwerkmotiven.
„Der Aufsatz wird getragen von zwei symbolischen
Figuren, Liebe und Hoffnung", während der von sünf
hermenartigen Pilastern abgeteilte Untersatz auf vor-
springenden Löwen ruht. Ein sast ebenbllrtiges Gegen-
stiick findet dieses Kunstmvbel in einem geschnitzten
Anfsatzschranke mit abgeflachten Ecken aus der Mitte
des 17. Jahrhunderts im sogenannten Rubensstile
mit einer fast überwuchernden Ornamentik an der von
Verkröpfungen, Vorsprüngen nnd Nischen reich belebten
Fa^ade. Die Thürfelder enthalten ebenfalls biblische

Vorgänge in einer tüchtigen wirkungsvollen Plastik.
Wie ein Juwel aber schimmert uns von der Lang-
seite des Gemaches ein drittes Prunkmöbel, dem Ende
des 17. Jahrhunderts angehörig, ein kostbarer Schild-
pattschrank mit vergoldeten Bronze-Appliken entgegen.
Sein mit reicher Balustrade und Mittelaufsatz abge-
schlossener Oberteil ruht auf einem Untersatze von sechs
verbundenen Pfeilerfüßen und enthält eine Schieb-
ladeneinteilung, aus deren Mitte zwischen zwei gewun-
denen messingbekrönten Schildpattsäuleu ein von Flü-
gelthüren verschlossenes größeres Gelaß mit parkettir-
ter Plattung vortritt. Auf den beiden Thürfeldern,
den Schiebladenfriesen, dem Aufsatze und Mittelstück
der den Schrank bekrönenden Galerie befinden sich
17 Alabasterplatten, bemalt mit hübschen, dem Möbel
entsprechenden Architekturbildern in der Manier des
Perelle.

Auf diesen sowie etwa sechs anderen Renaissance-
schränken hat man die Gefäßsammlung in höchst
malerischer Abwechselung untergebracht; Steingut-
krüge in den verschiedensten Formen und Farben-
schmelzen aus den alten rheinischen Kunsttöpsereien zu
Frechen, Siegburg, Nassau und Raeren, venetianische
und deutsche Gläser mit emaillirten und geschliffenen
Darstellungen, silbervergoldete Becher, Schalen und
Schaugeräte profaner und kirchlicher Bestimmung ge-
währen hier ein ebenso farbenreiches wie glänzendes
Bild der künstlerischen GestaltungSkrast der früheren
Jahrhunderte, welche auch an dem gewöhnlichsten
Gegenstande des Hausgebrauches den Adel des schöpferi-
schen Gedankens nicht verleugnet. Einzelne der her-
vorragendsten Repräsentanten der keramischen und
Glas-Sammlnng sind iu Vitrineu mit dunkeln oder
durch Spiegelscheibcn transparent erscheinendem Hinter-
grunde besonders effektvoll vorgeführt. So z. B. eine
Elite äußerst formseltener und artistisch dnrchgebildeter
Steingutgefäße, bei der wir insbesondcre anf einen Sieg-
burger Ringkrug mit aufliegenden Eidechsen und
Drachengebilden in farbiger Glasur, an die Manier des
Bernhard Palissy erinnernd, einen Schnabelkrug mit
Friesen und Ornamentbändern im edelsten italienischen
Renaissancegeschmack, einen stlassauer Ringkrng mit
Sternzackenornament auf einem Fond mit blauer
und manganroter Glasur, einen abgeflachten Wappen-
krug Raerener Ursprnngs, svwie ein Kreußener Apostel-
seidel mit ausnehmend plastisch vortretenden, emaillirten
Figuren aufmerksam machen.

Unter den venetianischen Flügelgläsern, größtenteils
Fabrikaten der in den deutschen Reichsstädten privilegirten
venetianischen Glashütten, zeichnen sich ein paar durch
eine mit dem Diamanten eingravirte Ornamentation
von heraldischen oder sigürlichen Borwürfen aus. An
Formenreiz der Gliederung werden dicselben jcdoch weit-
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