Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Die Porträtausstellung in Stuttgart,

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der viele württembergische Schlöffer mit Deckengemäl-
den geziert hat, offenbart in zwei Porträtdarstellungen
seine kvloristische Begabung, Von der Hand seiner
Schülerin Ludowika v. Simanowitz rühren zweiund-
zwanzig Arbcitcn her, darunter die bekannten Porträts
vvn Schillcr, seiner Gattin, Eltern und Geschwistcrn.
Neben ihr erscheint Angelika Kaufmann mit einem
Selbstporträt und zwei andern Frauenbildern. Unter
den sicben Bildern von August Tischbein ist besonders
das Pastellgemälde der zwanzigjährigen Charlotte
Müller, Gattin des Kupferstechers Joh. Gvtthard v.
Müller, wclches als Kupferstich unter dem Titel ,/Isnärs
nwrs" schr beliebt ist, hervorzuheben. Auch das von
ihm herrührende Bildnis des Dichters Mathisson ist
interessant, sowie dasjenige der lieblichen Prinzeffin
Auguste Sophie von Braunschweig. Gottlieb Schick
bietet uns Bildniffe seines Bruders, der Frau desselben,
der Schauspielerin Fosetta nnd des Bildhauers Dan-
necker. Eberhard von Wächter ein Porträt des Dichters
Wilhelm Hauff, und Josef Anton Koch ein svlches von
einem zeitgenössischen Ehepaar. Von den fünf Arbeiten
von Oelenheinz (gestorben 1804) feffelt das lebensvolle
Bild Schubarts, neben welchem wir auch den General
Rieger, seinen Peiniger auf dem Hohenasperg, von
einem Unbekannten recht gut gemalt, ausgestellt sehen.
Uberaus ungleichartig sind die vierunddreißig von Hetsch
gemalten Bildniffe, von denen einige vortrefflich und
andere ganz wertlos erscheinen. Auch sein Schüler
Morff bringt fünfzehn Arbeiten, daruntcr Lndwig
Uhland, die teilweise kräftig aufgefaßt und flott ge-
malt sind. C. Lepbold, aus der Schule Wächters
stammend, zeigt in zwölf Bildern tüchtige Zeichnung
und blühende Fcirbung. Neben ihm sind Gutekunst,
Seele, Dietrich, Pilgram, und der als stilistischer
Landschaftsmaler bekannte G. F. Steinkopf namhaft
zu machen, die bei ihren Zeitgenossen sehr geschätzt
waren. Ebenso der noch lebende fast neunzigjährige
Franz Stirnbrand, von dem besonders sein Selbst-
portrüt zu rühmen ist. Der Kupferstecher Joh. Gott-
hard v. Müller zeigt in deni Bildnis der Königin
Pauline, daß er auch den Pinsel zu führen verstand.
F. Hartmann hat die erste Gattin DaNneckers gemalt
und Anton v. Gegenbauer seine Eltern. Bernhard v.
Neher bekundet in dem Bildnis des unlängst gestorbe-
nen Bildhauers Theodor v. Wagner und einem andern
Werk seine edle Auffassung und feine Zeichnung. Unter
sünf kräftig gemalten Arbeiten von Karl Rahl fesseln
besonders der Dichter Schwab und ein Selbstporträt.
German v. Bohn stellte Berthold Auerbach in trefflicher
Charakterisirung dar, Gottlob Fischer malte Moritz
Hartmann, Heck den geistlichen Liederdichter Albert
Knapp und den berühmten Theologen Kapff. I. B.
Hasenclewer bietet ein prächtiges Bild Frciligraths aus

dem Jahre 1848, und Julius Röting das meisterhafte
Porträt Leutze's, welches hauptsächlich seinen Ruf be-
grllndete. Von Waldmüller und dem allzufrühe ge-
storbenen Horschelt sind je ein Damenbildnis ausgestellt,
von Leutze mehrere Porträts aus verschiedenen Phasen
seiner Entwickelung. Das beste darunter ist ein Knie-
stück seines Schwiegervaters, Oberst Lottner, in Charak-
teristik und Malerei gleich vorzüglich. Acht Bilder
von Canon aus seiner Stuttgarter Periode stehen seinen
neueren Leistungen in jeder Beziehung nach. Auch vier
Bildcr Lenbachs gehören nicht zu dcffcn besten Arbeiten,
obwohl er in dem russischen Gesandten von Ozeroff
manche seiner hervorragenden Eigenschaften zeigt. Liezen-
Mayer hat mit seinem Grafen Pocci eines der schön-
sten Bilder der Ausstellung geliefert. Auch Ferdinand
Keller ist durch ein Porträt scines Bruders Kellcr-
Leuzinger gut vcrtreten. Emilie Weißer hat den Asthe-
tiker Fr. Vischer trefflich dargestellt, und auch in
ihren andern Bildern viel Talent bekundet. Auch Frl.
Froriep verdient für ihr Bildnis Rückerts unsere Aner-
kennung. Baüerle, R. Braun, Fr. Kaulbach, Gaupp,
Läpple, Schütz, Frl. Zach u. a. bringen Nennenswertes,
während Angeli durch ein frühercs Bild wenig glück-
lich repräsentirt wird. Lauchert und Winterhalter er-
scheinen mit den lebensgroßen Porträts des Königs
und der Königin von Württemberg auch hier als die
gewandten und beliebten Darsteller fürstlicher Personen.
DerKönig ist außerdem noch als Kronprinz von dem un-
längst gestorbenen Karl v. Müller gemalt und die
Königin in einem Gemälde von de Keyser als Brustbild
ausgestellt. Der verstorbene König Wilhelm ist ebensalls
stehend in Lebensgröße von de Keyser trefflich gemalt
und sein Vorgänger König Friedrich von einem unbe-
kannten Maler. Sehr intereffante Fürstenbilder sind
ferner: Kaiser Nikolaus von Rottmann, seine Gemahlin
von Winterhalter, Kaiserin Augusta in jüngern Jahren
von K. Begas, Herzog Bernhard^von Weimar, der
bekannte niederländische General von Spvel, Herzog
Friedrich von Schleswig-Holstein und Gemahlin von
Lauchert, Herzog Karl August von Sachsen-Weimar
von einem Unbekannten, die Königin von Westfalen von
Gsrard, die Kaiserin Katharina II. von Rußland von
einem Unbekannten und Kaiserin Maria Feodvrowna
von Lampi. Auch sonst ist noch manches vorhandcn,
was durch Gegenstand oder Darstellung Beachtung
verdient, namentlich unter den Zeichnungen und den
zahlreichen, zum Teil vortrefflichen Miniaturen.

M. B.
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