Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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,7. Zahrgancj.

BeitrLge

snrd an j?rof. Dr. L. von
Lützow (Mien, Ehere-

die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

2^. August

Nr. iss.
Inserate

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder

s882.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende ^unft.



Kunstchroiiik Nr. 42 crschcint am 7. Septcmbcr.

Das neue Aluseum in Olympia.

Die Nr. 161 der athenischen Zeitung
berichtet und persönliche Mitteilungen bestätigen, daß
dem bekannten, schon seit mehr als einem Jahrzehnt
in Athen thätigen Architekten E. Ziller aus Dresden,
cinem Schüler von Th. Hansen in Wien, der Bau
deS Museums in Olympia übertragen worden ist,
welches die beweglichen Kunstschätze, die wir den Aus-
grabungen verdanken, bergen soll Der Grundriß und
die perspektivische Ansicht des Baues, welche uns soeben
aus Athen zugesandt werden, geben uns eine Vorstellung
von dem interessanten Gebäude. Der Hauptraum des-
selben, ein Saal von ca. 15x30 ni, hat an einer der
schnialen Seiten das in ionischer Ordnung gebildete
Hauptportal: ein Säulen- resp. Pilastergeschoß mit einer
Attika. Von dicsem aus ziehen sich nach beiden Seiten
etwa halb so hohe Flügel hin, welche an den Ecken
durch Pavillons abgeschlossen werden. Das Ganze
ist einsach und ansprechend. Abgesehen von den das
Hauptportal bildenden Säulen herrscht die Anwendung
des Pilasters vor. Der große rechteckige Saal ist zur
Aufnahmeder Skulpturen bestimmt, die sonstigen kleineren
Räume dienen der Aufstellung der Münzen, Terra-
kotten rc., sowie den Zwecken der Berwaltnng. Die
Summe von 200 000 Drachmen, welche die Frei-
gebigkeit eines griechischen Patrioten, des Herrn Syn-
gros, bewilligt hat, wird bei der nötigen Ausdehnnng
des Baues zur Sparsamkcit ermahnen; auch erschwert
das in Elis zu habende Material, ein poröser Kalkstein,

die Anwendung von Säulen. Wenn jener Zeitungs-
bericht weiter meldet, daß zu dem fraglichen Bau die
aus den Ausgrabungen gewonnenen Bausteine Ver-
wendung finden sollen, so hoffen wir, daß der betreffende
Redakteur nicht recht hingehört hat. Die künstlerische
und wissenschaftliche Bildung Zillers macht Vandalis-
men nach Art der mittelalterlichen Römer denn doch
unwahrscheinlich.

Mit dieser Entscheidung wird der größere Teil
der Archäologen nicht zufrieden sein; bekanntlich ist sehr
lebhaft für die Übersührung der beweglichen Olympia-
sunde nach Athen plädirt worden. Namentlich Treu
hat sich wiederholt in dem Sinne ausgesprochen, und
daß die athenischen Gelehrten diese rnannigfaltigen
Schätze am liebsten in ihrer denkmälerreichen schönen
Stadt gesehen hätten, ist erklärlich. Gegen diese nicht
unbegründeten, aber einseitigen Ansichten machen wir
Folgendes geltend. Die Resultatc der olympischen Mühcn
dienen im wesentlichen nur dem Kunst- und Kultnr-
historiker; ein solcher aber wird, falls er einmal dcn
hellenischen Boden betritt, in topographischem und archi-
tektonischem Jnteresse Olympia ebensowenig umgehen
können, wie ein Jtalien bereisender Forscher Pompeji
Vermeiden darf. Die Reise ist schon jetzt für Griechen-
land nicht unbeguem, da von der Dampfschiffstation
Katakolo über Pyrgos bis an Ort und Stelle eine gute
Chaussee fllhrt, und eine Eisenbahn vom Meere bis
Pyrgos, welche geplant ist, den Weg in Zukunft noch
abkürzen soll. Dann aber ist es mir nicht fraglich,
daß eine große Anzahl der Funde sich an Ort und
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