Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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41 Kunstlitteratur uud Kunsthandel. — Nekrologe. — Konkurrenzen. — Sammlungen rc. — Vermischte Nachrichtsn. 42

Aunstlitteratur und Aunsthandel.

Lnbke's GeschiKte der dcutschen Ncnaissancc (Ebner L
Seubert in Stuttgart) ist in der neuen Bearbeitung nunmehr
vollständig erschienen und liegt in zwei stattlichen Großoktcw-
Bänden vor.

Braun L Comp. in Dornach kündigen das Erscheinen
von 33 Photographien nach Gemälden an, die sich in der
Madrider Akademie San Fernando befinden. Die
Originale sind, bis auf vier Bilder von Rubens, sämtlich Er-
zeugnisse der spanischen Schule. Außerdem hat die genannte
Firma kürzlich die beiden Gemälde des Luini in S. M.
degli Angeli zu Lugano, die Kreuzigung und dis Madonna
mit dem Jesus- und dem Johannesknaben nebst einigen
Detailblättsrn, sowie die Madonna von PerindelVaga im
Kloster Ligorio ebenda, photographisch reproduzirt und heraus-
gegeben.

Nekrologe.

(D Dcr Porträt- und Historienmalcr Zulius Iacob starb
in Berlin am 20. Oktober iin 71. Lebensjahre. Er war ein
Schüler von Wach und ging später zu seiner weiteren Aus-
bildung nach Parrs zu Delaroche. Nachdem er cine größere
Studienreise durch alle Länder Europa's, Nordafrika und
Kleinasien unternommen hatte, von welcher er ca. 1200 land-
schaftliche Studien und 300 Kopien nach Köpfen berühmter
Gemälde mitbrachte, begann er seine Thätigkeit in Paris seit
1844 mit mehreren großen Historienbildern, welche solchen
Beifall fanden, daß er Aufträge für Versailles erhaltsn sollte.
Jndessen führte ihn eine grötzere Porträtbestsllung nach Lon-
don, wo er in der englischen Aristokratie so beliebt wurde,
daß er elf Zahre lang dort zu thun hatte. 1805 ging er
nach Wien, wo er ebenfalls eine sehr umfassende Thätigkeit
entfaltete. Jn einem Jahre malte er nicht weniger als 26 Por-
träts, darunter das der Fürsten Metternich und Windischgrätz.
Beim Ausbruch des Krieges ging er nach Berlin, wo er je-
doch seine Thätigkeit nicht wieder aufnahm. Er soll seinen
künstlerischen Nachlaß der Nationalgalerie vermacht haben,
welche von ihm das Bildnis eines jungen Mannes besitzt.

Aonkurrenzen.

8n. Zu dcr cngcrcn Konkurrcnz für cincn Zicrbrnnnc» in
Lcipzig waren außer den prämiirten Konkurrenten (vergl.
Kunstchronik XVII. S. 621) noch aufgefordert die Bildhauer
Toberentz (nicht Doberenz' wie a. a. O. gsschrieben ist) in
Breslau, Eberleinin Berlin und Werner Stein in Leipzig,
von denen der zweitgenannte der Aufforderung nicht nachge-
kommen ist. Keines der neuen, bez. umgearbeiteten Projekte
hat die volle Billigung des Preisgerichts gefunden. Doch ist
dem bei der allgemeinen Konkurrenz an erster Stelle prämiir-
ten Konkurrenten, dem Bildhauer Heinz Hoffmeister in Ver-
bindung mit dem Architekten Stöckhardt, beide in Berlin,
der Sieg verblieben, und das in einzelnen Teilen glücklicher
gestaltete neue Modell unter Vorbehalt einiger Änderungen
zur Ausführung bestimmt. Ein von dem Bildhauer Behrens
in Dresden auf eigene Faust, neben dem gemeinsam mit den
Architekten Hartel und Lipsius bearbeiteten Projekte, modellir-
ter Entwurf war zweifellos die geistvollste der bei der engern
Konkurrenz eingelieferten Arbeiten, konnte aber aus formellen
Gründen nicht in Betracht kommen. Das Talent des Künstlers
zeigte sich sowohl in bezug auf Erfindungsgabe wie auf
Formverständnis in einem weit günstigeren Lichte als es bei
dem von uns a. a. O. näher beschriebenen ersten Entwurfe
der Fall war. Der neue Entwurf von Toberentz hatte leider
die Vorzüge des alten, den schönen Fluß der Hauptlinien,
preisgegebcn. Dis Bekleidung, in die der Künstler seine Ge-
stalten gehüllt, machte seine Arbeit nicht erfreulicher.

x—Für ein Rcrterstandbild Wilheliiisll. von Holland hatte
die Stadt Luxemburg, die sich seit Nisderlegunq der Festungs-
werke zusehends verschönert, eine beschränkte Konkurrenz aus-
geschrieben, zu welcher die französischen Bildhauer Mercis
(Paris), Cain (Paris) und P'stre (Nancy), der Belgier
van der Stappen (Brüssel) und aus Deutschland Hund-
rieser (Berlin) eingeladen worden waren. Sämtliche fünf
waren der Aufforderung nachgekommen und hatten ihre
Modelle eingeliefert. Das Preisgericht, bei welchem von

deutscher Seite Prof. Schaper fungirte, hat zu gunsten von
Mercis entschieden.

— Dic Kunsthandlung von Fritz Gurlitt schreibt eine Kon-
kurrenz für Bilderrahmen auf den 15. Januar 1883 aus. Die
Preise betragen 250, 150 und 100 Mark und werden durch
das aus den Herrn Hofrat C. Graff, Dresden, Direktor vr.
I. Lessing, Berlin, und Direktor A. v. Werner, Berlin,
gebildete Preisgericht erteilt. Die näheren Bedingungen sind
bei dem Ausschreibenden zu erfragen.

Lammlungen und Ausstellungen.

Das Hohcnzollern-Museum in Berlin hat, wie die Nordd.
Allg. Zeitg. schreibt, vor einigen Tagen aus München ein
interessantes Geschenk erhalten. Es sind die in Gips gegossenen
Figuren der Stifter des Klosters zu Alpirsbach im württem-
bergischen Schwarzwald. Dieses Kloster wurde im Jahre
1095 vom Gräfen Adalbert von Zollern (Adalbert de Zollro,
Comes de Haigerloh, 1095—1101) gegründet, bei welcher Ge-
legenheit zum erstenmale das Geschlecht der Zollern urkund-
lich erwähnt wird. Die beiden Gipsabgüsse, von dem im
Tympanon des erwähnten Klosters befindlichen Original ge-
nommen, stellen den Grafen Adalbert von Zollern und seine
Gemahlin Adslheid, Schwester Bertholds von Eberstein, mit
zum Gebet gefalteten Händen, in knieender Stellung dar.

Vermischte Nachrichten.

x.—Die StadtBonn wird infolge eines Vermächtnisses des
kürzlich verstorbenen Professors Obernier ein Museum er-
halten. Das Vermächtnis besteht aus einem in der Nähe des
Rheins gelegenen Wohnhause mit den darin enthaltenen Kunst-
werken und aus eincin Kapital von 150 000 Mark und wurde
zum Zweck der Errichtung eines ösfentlichen Museums ge-
stiftet. Das eben im Umbau vollendete Haus liegt am Rhein
in der Nähe des „Alten Zolls" mit prachtvollem Blick auf
den Strom und enthält eine große Zahl meist moderner guter
Lllbilder, welche der leider so früh Verstorbene nach und nach
gesammelt, sowie sonstige Kunstschätze, welche einen hübschen
Stamm für die Stiftung des großmütigen Erblassers bilden.

Die Malcr Eugcn Bracht und Schirmcr aus Karls-
ruhe werden an Stelle des verstorbenen Wilberg den land-
schaftlichen Teil des Panorama's oer Schlacht bei Sedan aus-
führen, an welchem A. v. Werner in Berlin seit einiger Zeit
arbeitet.

Profcssor Donndorf in Stuttgart hat cine Büste von
Schnorr von Carolsfeld für das städtische Museum in Leipzig
vollendet.

Franz von Lcnbach in München hat den Versuch ge-
macht, in seinem Atelier bei elektrischem Licht eine Porträt-
fkizze zu malsn, ein Versuch, der ihm nach serner Versicherung
vollkommen geglückt ist.

Vom Aunstmarkt.

Dic Vcrstcigcrung dcr kunstgcwcrlichcii Sammluiig bcs
Herrn Johann Paul in Hamburg, welche in Köln, vom 16. Okt.
angefangen, durch die Vermittelung der HerrenLempertz Söhne
stattfand, hat ganz außerordentliche Ergebnisse in bezug auf
die gezahltsn Preise gebracht. Man konnte freilich voraus-
sehsn, daß große Preise erzielt werdsn würden, da die Samm-
lung fast nur ganz ausgezeichnete Gegenstände enthielt und
ihr Ruf die Sammler und Kunsthändler von weit und breit
herbeigezogen hatts: trotzdem aber sind die Erwartungen über-
troffen worden. Wir können des Raumes wegen nur die am
höchsten bezahlten Gegenständs angebsn, wobei wir alle bis
zu 1000 Mk. übergehen, obgleich auch unter diesen manche
sehr gut bezahlt ivurden. Die höchste Summe brachte das
Haupt- und Prachtstück der Sammlung ein, der silbervergol-
dete Tafelaufsatz aus dem Hause Aldobrandini, mit lö OOO Mk.,
aber verhältnismähig war sin emaillirter Neliquienschrein,
französische Arbeit aus dem 13. Jahrhundert, noch tcurer,
denn er wurde mit 14 000 Mk bezahlt. Die Emaillen waren
überhaupt hoch im Preise, so alte fraiizösische und rheinische
Religuienschreine mit 3100, 2600, ein kölnisches Religuiarium
mit 1850, ein Triptychon mit 5300, die Krümmung eines
Bischofsstabes, vergoldetes Kupfer mit Email, 2350 Mk.' Sehr
hoch wurden die Emaillen von Limoges bezahlt, ein Tripty-
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