Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Personalnachrichten. — Sammlungen und Ausstsllungen, — Verrnischte Nachrichten.

x. Das Bayerische Gewerbemuftum in Nürnberg macht be-
kannt, daß die von der Porzellanfabrik Zeh, Scherzer Co.
in Rehau ausgeschriebsne Konkurrenz folgendes Resultat
gehabt hat. Um die erste Aufgabe: Zeichnung für ein Tafel-
ssrvis, bewarben sich vier Konkurrenten; den Preis von
Züb Mark erhielt Moritz Weinholdt in Leipzig. Für die
zweite Aufgabe: Zeichnung zu einem Kaffeeservis (2i>0 Mark)
waren I7Arbeiten eingegangen und als die beste ward diejenige
von Hugo Ströhl in Wisn prämiirt. Der dritte Preis
für einsn neuen in Porzellan ausführbaren Gegenstand kam
nicht zur Verteilung, da die eingelaufenen Zeichnungen als
nicht den zu stellenden Anforderungen entsprechend bezeichnet
werden mußten.

spersonalnachrichten.

n. Dcm Kunstverleger E. Aumüller in München ist vom
Könige von Württemberg die goldene Medaille für Kunst und
Wissenschaft in Anerkennung verdienstvoller Wirksamkeit auf
dem Gebiete des Kunstverlags verliehen worden.

Sammlungen und Ausstellungen.

Wien. Nach längerer Pause haben sich endlich wieder
die Pforten des Künstlerhauses geöffnet,, und zwar am
3. Dez. zunächst für eine Ausstellung von Ölgemälden und
Studienblättern des im Laufe des Frühjahrs 1882 verstorbenen
Landschaftsmalers LudwigHalauska. Über Charakter und
Bedeutung seines Kunstschasfsns konnte man sich auf der Schau-
stellung einen guten Überblick verschaffen. Als Künstler wis
als Mensch, war Halauska eine liebenswürdige Natur, fern
von allem Gewaltsamen, Dramatischen oder gar Überschwäng-
lichen. Breiter, ruhiger Sonnenschein herrscht auf seinen
Bildern vor, die ihren Stosf meist den lieblichen, anmutigen
Gegenden der österreichischen Heimat des Künstlers entnehnien.
Höchst feltenfinden wir düsterenWolkenhimmel über Halauska's
Landschaften. Ebenso vereinzelt stehen seine Darstellungen
von Gegenden am Rhein und Main da. Jtalien hat der
Künstler niemats betreten. Was Halauska's künstlerischen
Entwickelungsgang betrifft, so läßt sich aussprechen, daß des
Künstlers Schaffen auf der österreichischen Malerei der
vierziger Jahre fußt, auf der sauberen, glatten Malerei der
Gauermann, Waldmüller, Steinfeld. Halauska war also von
Anbeginn Realist. Auf der bezeichneten Basis weiterbauend,
neigte er sich allmählig zu der breiteren Pinselführung der
Modernen. Die gswissenhaft ausgeführten Studienblätter
aus den Jahren 1848 und 184» (Nr. 1, 2, 3, 4, 7 der Aus-
stellung) sowie das Ölgemälde „Mühle aus dem Zämgrund",
gemalt 1855 (Nr. 478 der Ausstellung), geben bezeichnende
Proben der älteren Malweise Halauska's. An charakteristi-
schen Vertretern der späteren Manier des Malers ist die
Ausstellung begreiflicher Weise sehr reich. Hervorzuheben
sind: die Sommerlandschaft im Charakter des Mainthales
aus der Belvsderegalerie (1869), die Kirchenruine von Seits
in Steiermark aus der Gemäldesammlung der Akademie der
bildenden Künste in Wien (1864) und die „Partie am Atter-
see" aus dem Besitzs des Erzherzogs Karl Ludwig (1876). —
Halauska, der viele Jahre lang Mitarbeiter unserer Zeit-
schrift war, wurde im Jahre 1827 zu Waidhofen an der
Abbs in Niederösterreich geboren. Sein Vater war Notar in
dem genanntenOrte und erfreute sich einer gewissen Wohlhaben-
heit. Der junge Ludwig wurde denn auch auf das Gpmna-
sium nach Seitenstetten geschickt und hierauf in die sogenannte l
„Philosophie" nach Wien, rvelche der heufigen 7. und 8. Klasse
der österreichischen Gymnasien entsprach. Nicht aber war es
die Wissenschaft, welche den jungen Mann zu fesseln ver-
inochte. Er wendete sich statt dem Jus, welches Studium
der Vater wünschte, der Kunst zu und wurde Maler. Ein !
Unterricht bei Steinfeld war nicht von langer Dauer.
Halauska suchte seine weitere Ausbildung auf autodidaktischem
Wege bei der Natur selbst. Nach dem Tode des Vaters ver-
schlimmerten sich dis Vermögensverhältnisse der Familie, so-
daß Halauska aufs Erwerben angewiesen war, eine Lage,
aus welcher stch der Künstler zeitlebens nicht mehr dauernd
herausarbeiten konnte. Eine seit mehreren Jahren merk-
Uche Lungenkrankheit machte dem Lsben des Künstlers am
29. April 1882 ein Ende. Die Züge des Malers sind ver-
bwigt auf einem Brustbilde von E. Lafite aus dem Jahre

1876, einem Ölgemälde, welches sich ebenfalls auf der Aus-
stellung befand. — Jnzwischen ist der gesamte Nachlaß, vom
18. d. M. angefangen, durch die Kunsthandlung von C. I.
Wawra zur öffentlichen Versteigerung gelangt.

Vermischte Nachrichten.

8. Archäologische Gesellschast zu Berlin. Sitzung vom
7. November. An neuen Schriften waren eingegangen und
wurden vom Vorsitzenden vorgelegt: Michaelis, chnoiovb
Uarfilss iu llrsai Lritaiu: 6ntaloo;us clu Nusss cls ttavs-
stsiu III: Perrot-Chipiez, llistoirs cls l'nrt änus
1'nutigu. II.; kupsrs ok tlrs nrolisol. lust. ok Lrusriou I.;
! Gardthausen, Uastnrug, oder Lsrvius Dullius: Schlie-
! mann, Reife in der Troas; v. Jan, Die griech. Saiten-
instrumente; Annalen d.Vereins f. Nasfauische Altertumskunde;
Bericht des Oldenburger Landesvereins f. Altertumskunde;
! Rügisch-Pommerscher Jahresber.; öull. äss ooium. rozm-Iss
ä'urt st ä'nrolisol. XVIII., 1. 2: Lull. äinrolisol. s storin
Oulru. V. 7; Ksvus äs I'iustr. pudl. su LslAigus XXV. 5;
Xtti äsll' nooaä. ä. svisurs äi Noriuo XVII. 2. 3, 4;
Weil, Münzwesen d. achäischen Bundes; Wieseler, Die
Bishlersche Gemmsnsammlung; Overbeck, Analekten; Ram-
say, 8tuäiss iu Xsia ruiuor; Rohault de Fleury,
Ls-bsrunols olirstisu äu V. sisols; Gozzadini, Ilteusils
tratto äalla usoropoli Hslsiusn. — Herr R. Purgoldt
berichtete über die letzten Arbeiten auf dom Boden
von Olympia, insbesondere über die nachmalige Durchsicht
der in Olympia gefundenen Jnschriften, der er sich im Auf-
trage der königl. Akademis der Wissenschaften während seines
letzten Aufenthaltes daselbst im Sommer d. I. unterzog. Die
! Sammlung der olympischen Jnschriften (gegen 1106) wird an
Zahl und Bedeutung nur von der in Athen vereinigten
! Sammlung übsrtroffen und wächst übsrdies noch immer, da
sich unter der großen Masse zutage geförderter Steine ftets
noch neue mit Schriftresten vorfinden. Diese zuletzt gefunde-
nen, meist sehr schwer lesbaren Jnschriften zu entziffern und
abzuschreiben, war die nächste Aufgabe des Vortragenden. Eine
weitere bestand in der nochmaligen Vergleichung der früheren
Abschriften mit den Originalen, welche jedoch bei der Sorg-
falt, die von vornherein auf Herausgabe der olympischen
Jnschriften verwandt worden ist, nur unerhebliche Ver-
besferungen ergab. Vollständiger als bisher wurden gelesen
z. B. die Krisis auf der Nikebasis und eine ähnliche Urkunde
des achäischen Bundes. Die Beschäftigung mit Ergänzung
und Zusammensetzung der Fragmente hatte den Erfolg, daß
von den Urkundon, die für Kenntnis dsr priesterlichen Jnsti-
tutionen von Olympia großes Jnteresse haben, nämlich von
den von Olympiade zu Olympiade aufgezsichneten Listen der
priesterlichen Beamten, eine fast vollständige Reihe zusammen-
gestellt werden konnte, die, in der zweiten Hälfto des 1. Jahr-
hunderts v. Chr. beginnend, einen Zeitraum von vier Jahr-
hunderten umfaßt. Zu der einen schon früher gefundenen
Basis von der Statusngruppe der Diagoriden (kuus. VI, 7,
1—3) haben sich fünf Stücke einer zweiten von Diagoras,
dem Sohne des Damagetos, hinzugefunden. Auch die Weih-
inschrift einos Ptolemäers, welcher dis Statue eines Spar-
taners nach Olympia stiftete, ist durch ein neues Stück ver-
vollständigt worden und es zeigt sich jetzt, daß die Statue
auf einer großen Säule stand. Solcher Votivsäulen sind in
Olympia noch zwei andere, ähnliche auch auf Delos und
Samothrake zum Vorschein gekommen und sie bilden die
hellenischsn Vorbilder dor römischen Siegessäulen (z. B. der
Trajanssäule), sind aber selbst nur eine ins Große gesteigerte
Fortsetzung der altgriechischsn Sitte, Säulen selbständia zur
Aufstellung von Statuen, Weihgefchenken und als Grab-
monumente zu verwenden. Zum Antigonosdenkmal (fiuus.VI,
15, 7) hat sich ein Stück der Jnschrift von der Basis des
Demetrios gefunden; ein anderes Fragment rührt von der
Statue einsss Sohnss des Pyrrhus hsr, und von dem Ept-
gramm, das auf der Statuenbasis eines Polybius und auf
einem Relief aus Kleitor bereits in zwei Exeinplaren vor-
handen war, hat sich ein drittes auf einem klernen, an sich
kaum erkennbaren Fragment gefunden. — Herr Curtius
legte zwei Photographien vor, welche Herr von Sabouroff
zur Vorlage an die Gesellschaft hatte anfertigen laffen. Sie
ftellen den neuesten Erwerb des Kabinets >Labouroff dar, eine
Terrakotta aus Korinth von über ein Drittel Lebensgröße,
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