Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Todesfälle. — Personalnachrichten. — Sammlungen und Ausstellungen.

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die umfangreichen Restauralionsarbeiten der Katharinen-
kirche zu Kuttenberg.

Jn nicht geringcrem Maße als der praktischen
Thätigkeit widmete Gruebcr sein Jnteresse der knnst-
histvrischen Erforschung des Landes, dem seine Wirk-
samkeit nnnmehr angehörtc. Auf den zahlreichen Aus-
flügen, die ihn teils amtlich, teils ans eigener Ncigung
durch die vcrschiedensten TeileBöhmcns snhrten, sammelte
er mit nimmcrmüdem Fleiß und kundiger Hand, deren
Treuc in Wiedergabc der feinsten Stilcigcnlümlichkeiten
ihn selten trog, Aufnahmen und Notizen über dic
Dcnkmale vergangencr Jahrhunderte, die er vorerst zu
einzelnen Monographien wie die „Charakteristik der
Bandenkniale Böhmens" (1856), „Die Baudenkmale
der Stadt Knttcnbcrg" (1861), „Dic Kaiscrbnrg zn
Eger" (1864) und „Die Kathedrale des heil. Veit zu
Prag" (1869) verarbeitete, — bis er nach 30jähriger
Arbeit mit dcm Hauptwerke scines LebenS hervortreten
konnte, der „Kunst des Mittelalters in Böhmen" (Wien,
1871—1879 in vier Ouartbänden durch die k. k.
Centralkommission für Erhaltung der Baudenkmale
herausgegeben). Das Werk war epvchemachend: es er-
schloß die Knnstgeschichte Bvhmens zuerst weiteren
Kreiscn in einer Vollständigkeit, die als Nesultat des
Fleißes einer einzelnen Arbeitskraft staunenerregend ist.
Der Verfasser besaß aber auch alle Eigenschaften znr
Lösnng der schweren Aufgabe, die er sich gestellt hatte:
„Die praktische Kunde des ausübenden Ärchitekten, die
gute Schule der künstlerischen Forschungsniethode und
dazu dic schriftstellerischen Eigenschaften einer lebendi-
gen Darstellung und eines sachlich angemessenen Stils,
der auch in der Detailuntersuchung nie trocken wnrde
und dem man dem Gegenstande gegcnüber gleichsam
die frische Krast des Anges stets anmerkte". (Mit
diesen Worten charakterisirte ein Freund des Verewig-
tcn treffcnd die schriftstellerischen Vorzüge Gruebers).
Und inzwischen hatte der Verfasser auch noch Zeit ge-
funden, sich sonst litterarisch zu bethätigen, wie seine
„Banmaterialienlehre" (1863), eine treffliche kultur-
historische Studie über „Das deutsche nnd slavische
Bauernhaus in Böhmen" und die Abhandlung über
„Kaiser Ludwig den Bayer, Karl IV. und die Gral-
sage" (1871) Lewcisen.

Jnzwischen war ihm die Wirksamkcit in seinem
amtlichen Berufe durch die Wendung der politischen
und nationalen Verhältnisse in seinem zweiten Hcimat-
lande verleidet. Er gab seine Professur auf und zog
sich nach München zurück, wo er nnnmehr nur der
Vollcndung seiner erwähnten großen Publikation und
sonstigen litterarischen Arbeiten lebte. Nach Heraus-
gabe der vier ersten Bände jener arbeitete er mit rast-
losem Fleiß an einem fünften, die Renaissancemonu-
mente Böhmens umfassenden Bande und bereitete
zugleich ein UnterrichtSwerk über Ornamentik vor, das
mit Untcrstützung des österreichischen Ministeriums des
Unterrichts erscheinen sollte. Allen diesen Plänen hat
sein plötzlicher Tod ein Ende bereitet. Dagegen war
es ihm noch vergönnt gewesen, ein längst geplantes
Buch über „Die Elemente der Kimstthätigkeit", in
dem er sein künstlerisches Glaubensbekenntnis in an-
regendster Weise darlegte, der Öffentlichkeit zu über-
geben, und bei der zweiten Auflage von Lübke's
Geschichte der deutschen Renaissance den Verfasser mit
seiner Kenntnis der böhmischen Monumcnte zu unter-

stützen. — Nvch in dcr letztcn Zcit seines Lebcns hatte
sich seine ihm in Jugcndtagcn einst stcts zu Gebote
stehcnde pvctischc Ader wicder gercgt, und cr hattc
einen Märchencyklns zur „Schöncn Mclnsme", cine
Ilias pobt Uomorum, und mehrere Künstlernovellen
sowie ein Lnstspiel gcschrieben. Einc kimsthistorischc
Abhandlimg über die „Wallfahrtsbilder zu Polling und
Ettal" (1882) war das Letztc, was er pnblizirt hat.

0. v. I'.

Todesfälle.

Dcr Bildhaucr Bcrnhard Afinger, Professor an der Ber-
liner Akademie, ist daselbst, 78 Jahr alt, am 25. Dezember
eiiiem tliiterleibsleiden eriegcn.

Dcr Zcichncr nnd Schlachtcnmalcr 6arl Rcchlin,
Sohn des hauptsächlich in den visrziger Jahren thätigen
Schlachteninalers gleichen Nainens, ist äin 26. Dezember in
Tempelhof bei Berlin gestorben. Sein bedentendstes Gemälde
war „Prinz Friedrich Karl vor Metz, bei Strohfeuer Befehle
erteilend".

jX'vsoiialnachrichteii.

4tk;t. Dcr chistoricnmalcr Jos. Flnggcn ist znm Vorstande
dss Kostümwesens an den königl. Hoftheatern in Miinchen
und zum königl. Professor ernannt worden.

» Dcr Kupfcrstcchcr Zoh. Sonncnlcitcr ivurde znm Pro-
fessor an der Wiener Akademie der bildenden Künste ernannt.

Profcssor ?ldolf Mcnzcl ist, wie der ReichSanzeiger meldet,
vom Könige von Preußen zum Vizekanzler dsr Friedensklasse
des Ordeiis xour 1s msrits ernannt worden.

Sammlungen und Ausstellungcn.

ss Öskcrrcichischcr Knnstvcrcin. Grützners „Bauern-
komödie", die Hauptzierde der gegenwärtigen Ausstellung, ge-
hört in technischer Beziehung zu dem Besten, waS der überaus
produktive Künstler geschaffen; Zeichnung und Farbe zeigen
den gereiften Meister, der es nun schon wiederholt bewiefen,
daß sein Pinsel nicht mehr auf die Episoden aus dem Kloster-
keller allein angewiesen ist. Weniger befriedigt jedoch der
Vorwurf an und für sich. Trotz der glünzenden Technik und
trotz allsm Humor, der die figurenreiche Scenerie beherrscht,
j ist die Gesamtwirkung eine getsilte. Wir finden ganz charak-
teristische Gruppen, zu recht komischen Effekten zusammenge-
stellt; aber durch sie zerfällt das Bild in Einzelbilder; die
Gestalten ergötzen in ihrer drolligen Maskerade, aber sie lösen
sich als Solostücke aus der Gesellschaft los, und so fehlt dem
Gemülde bei all seinen Vorzügen weitaus jene packende
Wirkung, welche Grützners kleineren Scenen aus dem Keller-
und Wirtshausleben bisher eigen war. — Die Mllnchener
sind, wie immer, in der Ausstellung zahlreich vertreten; da-
gegen verschwindet die Wiener Kllnstlerschaft immer mehr aus
dem Schönbrunnerhause, einige Ausnahmen abgerechnet.

! Einem größeren Gemälde von H. Burckhardt: „Kloster-
almosen" ist besonders in koloristischer Beziehung viel Gutes
nachzusagen; der Künstler hat bis ins Detail gewissenhafte
I Studien gemacht und — was selten zu finden ist — auch
I die Hände mit großer Sorgfalt durchgebildet. Es schaut
' zwar aus den Gestalten noch ab und zu ein Stück Modell
heraus, doch verdicnt das ernste Streben die vollste 'Aner-
kennung. Bei K. Weigands „Ulrich von Hutten und Franz
von Sickingen" interessirt ebenfalls in erster Linie die Farbe;
dis Zeichnung läßt eimges zu wünschen übrig. Jn Maffei's
„Wackeren Kämpsern" begegnen wir einem prächtigcn Tier-
I stück, wie wir es schon lange nicht gesehen; und dasselbe hat
in der „Stalltragödie" von Süß ein ebenbürtiges Pendant
gefunden. Jn der Landschaft leuchtet Jos. Willroider mit
einer Alpenpnrtie „Die meteorologische Station auf dem
Hochobir in Kärnten" allen voran. Das Bild ist in
Stimmung und Transparenz des Kolorits ein wahres Meister-
I stück. Übel kommt daneben der preisgekrönte Rieger weg,
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