Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Nekrologe.

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Wandschirme, auch Kirchengewiinder und anderes, selbst
wirklichc Bildcr.

Es war eine bedeutende Kunst, „von großem
Wissen und Nutzen", die Fabrikation der Ledertapeten,
hoch angesehen uud geachtet zu ihrer Zeit, aber gegen
Ende des vorigen Iahrhunderts bereits war sie er-
loschen: die bedruckten Kattun- und Papiertapeten ent-
sprachen mehr dem Geschmack der Zeit und brachten
ihr den Todesstoß. Erst in neuerer Zeit beginnt man
wieder Ledertapeten zu imitiren. Freilich würde die
alte Technik aus rein äußeren Gründen nicht mehr am
Platze sein: man ahmt heute die Ledcrtapeten iu Papier
nach. Bei nnseren heutigen schnell wechselnden Ge-
schniacksrichtungen ist dies unzweifelhaft praktischer: wie
lange pflegt heute eine Tapete an der Wand zu sitzen!
Dnrch die Güte der Herren Lieck & Heider konnte
eine kleine Kollektion moderner Ledertapeten ausgestellt
werden. Die franzosischen von Balin sParis) sind ini
Muster zu zierlich, gehen zum teil auch auf falsche Ziele
los, indem man Holzpaneele rc. nachzuahmen sucht. Die
englischen (Jefferson, London) sind charakteristisch sür
ihre Heimat: halb gotisch, halb japanisch, zum teil
recht schön, aber für neuere deutsche Wohnungen nicht
recht geeignet. Die Fabrik von Engelhardt in Mann-
heim lehnt sich an die französtschen Tapeten an, die
Muster zeigen keine glückliche Verteilnng, sind eigent-
lich nur gewöhnliche reliesirte Papiertapeteu. Lieck L
Heider selbst nehmen die guten alten Muster mit Ver-
ständnis wieder auf, ohne sie direkt zu kopiren: ein
durchaus richtiges Verfahren. Daneben profitiren sie von
anderen Ornamenten, z. B. japanischen, und verstehen
es vortrefflich, die Muster in Farben zu setzen. Es ist
gewiß ein gutes Zeichen, daß diese Gruppe moderner
Arbeiten dreist neben den alten Stücken aufgestellt
werdeu konnte.

Neben den Ledertapeten hat man schon in früher
Zeit eine andere Art der Wandbekleidung hergestellt,
welche wohl ursprünglich die teueren, zu gleichem Zweck
benutzten Stoffe oder Tapisserien ersetzen sollte: die
Flvcktapeten. Das Muster wird bei diesen Tapeten
einfach mit einem Klebemittel aufgetragen und mit
Wollstaub bestreut. Die Wirkung ist eine äußerst glück-
liche, weit besser als die des' modernen Berfahreus
das Muster auf grobe Leinwand aufzuschabloniren
Daß diese Technik nicht erst im l7. oder gar 18. Jahr-
hundert in England oder Frankreich erfunden ist, wie
die Handbücher augeben, sondern mindestens hundert
Jahr früher schon iu Deutschland geübt wurde, lehrt
eine alte Tapete aus der Kirche zu Marienfelde bei
Berlin, von welcher das Kunstgewerbemuseum und das
märkische Provinzialmuseum zu Berlin Stücke besitzen:
sie stammt aus der Zeit von 1530—1540.

Von Papiertapeten sind lediglich einige Spezi-

mina aus der Empirezeit ausgestellt: sehr gute Stücke
in ihrer Art und heute noch recht lehrreich.

Jn vollem Umfange konnte — gleichfalls zum
erstenmal — die sehr bedeutende Sammlung älterer
deutscher Buntpapiere zur Ausstellung gelangen:
gegen 400 Muster vom Beginn des 17. (Ende des
lO.) Jahrhunderts bis gegen Endc des 18. Jahr-
hunderts. Sic sind in technischer und ornamentaler
Beziehung durchaus mustergültig und ihre Benutzung
dringend wünschenswert. Die moderne Buntpapier-
industrie lehnt sich viel zu eng an die alten Stoss-
muster an, welche durch eine ganz andere Technik be-
dingt sind. Anders versuhren die Alten, deren Muster
in freier Zeichnung und niehr oder weniger symmetri-
scher Anordnung die ganze Fläche bedecken: durch
allerlei sinnreiche Vorrichtungen, Einsetzen besonderer
Stempel rc., hat man eine oft überraschende Ab-
wechselung bei einfachster Art der Herstellung hervor-
gebracht. Zum erstenmal nennt der „Führer" eine
ganze Reihe von Fabriken, die sich aus den Unter-
schriften der Papiere ergeben haben. Vielleicht regen
diese kurzen Notizen zu weiterem Nachsuchen an.

Als besondere Gruppe endlich ist eine Anzahl
japanischer gemusterter Leder, Lederpapiere und Leder-
tapeten, nebst den zn ihrer Herstellung gebräuchlichen
Jnstrumenten ausgestellt, welche die Mannigfaltigkeit
und Schönheit der Muster, die Größe der Farben-
skala, über welche jenes kunstreiche Volk auch iu dieser
Jndustrie gebietet, und die Sorgfalt in der Anfertigung
dieser jetzt vielfach bei uns verwendeten Erzeugnisie der
japanischen Jndustrie klar vor Augen stellen.

So bietet auch die neue Ausstellung ein reiches
Material der Belehrung und Anregung dar; möchte
sie nicht bloß bei Künstlern und Kunstfreunden, sondern
auch iu den Kreisen der beteiligten Jndustriellcn die
nötige Beachtung finden; die Früchte werden dann
nicht ausbleiben! ?.

Nekrologe.

Alcxander Strähuber b- Am 31. Dezember v. I.
starb in München der Akademieprvfessor Strähuber.
Der Vater des Künstlers bekleidete die Stelle eines
Stallmeisters bei dem Feldmarschall Fürsten Wrede
in deni Marktflecken Mondsee. Derselbe bestimmte den
ihm am 28. Februar 1814 geborenen Sohn für den
geistlichen Stand. Auf das Ghmnasium in München ge-
schickt, verließ Strähuber dasselbe jedoch bereits 1829,
um mit des Vaters Zustimmung an die Kunstakademie
überzutreten, der damals Cornelius als Direktor vor-
stand. Seine Studien machte Strähuber nnter Rhom-
berg und insbesondere unter Julius Schnorr Vvn
Carolsfeld. Jn dieser Zeit führte er im Saalbau der
königl. Residenz zu Mllnchen zwei Kompositionen
Schnorrs aus dem Privatleben Karls des Großen in
enkaustischer Technik aus. Als König Ludwig für den
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