Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Gobelms-Ausstellung im Wiener Künstlerhanse.

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inäldL vertrcten, von denen eines, eine hl. Magdalena
als Büßerin, leider durch eine ungeschickte Restauration
so arg entstellt worden ist, daß man seine frühere
Schönheit nur noch ahnen kann. Jn jedern Pinsel-
strich dagegen zeigt die Hand des Meisters ein männ-
liches Porträt, etwa aus den Jahren 1610—1612
(Besitzer L. Knaus), welches zu den köstlichsten Bild-
nissen gehört, die wir von Rubens' Hand kennen. An
einem grvßen, die vier Evangelisten um einen Tisch
gruppirt darstellenden Bilde haben Schüler das meiste
gethan, während ein großes mythologisches Stück,
„Diana mit ihren Nymphen im Bade von Satyrn
überrascht", in dem warmen Goldtvne der Zeit von
1630—1640 gehalten, in einzelnen Partien Vvn einer
beznubernden Schönheit ist, die nnr dem Meister selbst
gelingen konnte.

Da wir die Absicht haben, in einem, mit zahl-
reichen Jllustrationen versehenenArtikel der „Zeitschrift"
näher auf die Hauptbilder der Ausstellung einzugehen,
begnügen wir uns an Lieser Stelle mit einer resümi-
renden Überficht statistischen Charakters. Da die Ber-
liner Privatsammlungen an guten Bildern der ita-
lienischen Schule arni sind, hat man auf eine würdige
Vertretung derselben verzichten müssen. Die wenigen
Bilder, welche die Namen Tizian, Veronese, Tintorettv
tragen, sind teils zweifelhaft, teils unbedeutend. Die
Hauptstärke der Ausstellung liegt in den Franzosen und
in den Niederländern, welche letztercn durch mehrere
Werke Irors äs liZns vertreten sind. Zu diesen ge-
hören vornehmlich die beiden Perlen der Sammlung
A. v. Carstanjen, ein Frauenbildnis von van Dyck,
ein Gemälde von einer wundervollen Klarheit und von
einer Wärme des Tvnes, welche die Entstehung dessel-
ben nvch in die italienische Zeit des Meisters oder doch
in die unmittelbar darauffolgende Periode weist, und
Rembrandts Bildnis des Predigers I. C. Sylvins
(1645 gemalt, früher in der Sammlung Fesch). Von
niederländischen Genremalern sind folgende vertreteni
Teniers d. j., Terborch (durch drei vortreffliche
Porträts), Wouverman, Tol, Ryckaert, Mole-
nnar, Steen, A. v. Ostade, Brekelenkam, Wil-
lem van Mieris, Jan Kick, Slingeland, Franz
van Mieris, Picter de Codde, Brouwer, Jacob
A. Duk, Jan van der Meer von Delft (mit dem
Bildnis eines Albanesen etwas unter Lebensgröße),
Pieter Quast; vvn den Pvrträtmalern: Franz Hals,
Bvl, van der Helst, Th. de Keyser; von den Land-
schafts- nnd Marinemalern: Jakob und Salvmon van
Ruysdael, Everdingen, Hobbema, Jan van der
Meer von Haarlem, Pieter Molyn, Pynacker, van
Gvyen, I. G. Cuyp, Willem van de Velde, Simon
de Vlieger, Momper, Jan Brneghel, Jan Por-
cellis nnd I. van Roinbouts; von den Meistern

des Tierstucks und des Stilllebens: Snyders, Paul
Pvtter, Hondekoeter, Weenip, Willem van Aelst,
van Beyeren, Saftleven, Fyt und Kalf. Wenn
wir von Pieter de Hooch und Nicolaus Maes absehen,
diesen snkants oböris der modernen Kunstauktionen,
dürfte kaum einer von den Meistern sehlen, welche den
Ruhm der niederländischen Schule ausmachen. Neben
jenen tritt aber noch eine stattliche Reihe anderer
Meister auf, die zum Teil mit gutem Grunde auch eine
Beteiligung an jenem gemeinsamen Ruhme in Anspruch
nehmen dürfen. Einige der Namen, die wir im Folgenden
aufzählen wvllen, sind nur wenigen Kunstforschern be-
kannt, andere so gut wie ganz unbekannt. Da die meisten
der ihnen zugeschriebenen Bilder durch Jnschriften und
Monogramme beglaubigt sind, kann der Berdacht einer
willkürlichen Attribution nicht auskommen. Wir nen-
nen Pieter de Neyn (1597—1639), einen Schüler
von E. van de Velde, H. de Fromantiou (das Bild,
ein Stillleben, ist mit dem Namen und der Jahreszahl
1660 bezeichnet), Jan Pieters de Ry, einen Porträt-
maler, der 1620 in die Lukasgilde im Haag trat, Ja-
cob Walscapelle, den Waagen als einen äußerst
seltenen Meister bezeichnet, Willem Bartsius (das
Bild, einen Mandolinspieler darstellend, zcigt dieJahres-
zahl 1634), Jacob Ochtervelt, Juriaan van Streek
(ca. 1632—1678), einen Stilllebenmaler, Jacvb To-
renvliet (1641 — 1719), Christoffel Jacobsz van der
Lanen und Pieter de Ring, welcher nach Waagens
Versicherung ebenfalls selten vorkommt.

Bei der Auswahl der Gemälde ist von seiten des
Komitös anch ein besonderes Augenmerk auf die gute
Erhaltung derselben gerichtet worden. Mit ganz we-
nigen Ausnahmen finden wir daher in der Ausstellung
nur solche Bilder, welche uns die Eigenart der Meister,
welche sie zu vertreten haben, ungetrübt widerspiegeln.

Adolf Rosenbcrg.

Gobelins-Ausstellung im IViener Aünstlerhause.

II.

Die in unserem ersten Artikel angekündigte zweite
Serie von Tapisserien aus dem Besitze des österreichi-
schen Kaiserhauses ist im Januar zur Ausstellung
gelangt.

Von den Hautelisse-Arbeiten dieser Serie sind
^ zwei in ikonographischer Beziehung von hohem Jnteresse
und sollen heute eine genauere Würdigung finden. Es
^ sind der „Triumph Amors" und der „Triumph der
Kenschheit", die ersten zwei Stücke einer Reihe von
; sechs Teppichen, welche die bekannten „Trionfi" nach den
Gedichten des Petrarca znr Darstellung bringen. An
? bildlichen Darstellungen der „Trionfi" aus Frankreich
und Flandern sind mir folgende bekannt: 1) eine Reihe
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