Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

Page: 373
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1883/0189
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Vermischts Nachrichten, — Zeitschriften,

374

373

Sonnenblick, ein belaubter Baum, von dsm der Sturm einen
großen Ast abgebrochen hat; die Bruchfläche glänzt noch hell
und läßt darauf schließen, datz der Ast während des jüngsten
Gewitters gefallen sei, Neben diesem dramatisch bewegten Bilde
sinden wir im Atelier des Künstlers eine holländische Kanal-
landschaft von ruhigem Charakter, Rechts sanft ansteigendes
Ufer mit Windmühlen und Wohnhäusern, Nach links gegen
die nebelige Ferne zu erstreckt sich ein Kanal, auf welchem
verschiedene Fahrzeuge erblickt werden, An einigen Gemälden,
welche wir im vorrgen Jahrgange der Kunst-Chronik be-
schrieben haben, hat Ruß seither Änderungen vorgenoinmen,
Die „Landschaft mit Kindern vor den Lmienwällsn Wiens"
hat im Hintergrunde ein dichtss Gehölz erhalten und die
„Viehtränke in Südtirol" wurde im Ton des Kolorits um-
gestimmt,

Dic silbernc Hochzcit dcs Kronpriiizen und dcr Kron-
prinzessin des dcntschen Rcichcs nnd von Prcußcn hat den
Vertretern der Kunst und des Kunstgewerbes eine willkommsne
Gelegsnheit geboten,ihrenDank für diesegensreiche Förderung,
welche den bildenden Künsten durch das kronprinzliche Paar
während der letzten zwei Jahrzehnte zu teil geworden ist, durch
Erinnerungsgaben auszudrücken, Die Berliner Akademie
der bildenden Künste lietz durch eine Deputation das Gips-
modell einer bronzenen Votivtafel überreichen, welchenach dem
Entwurfe des Baurats Heyden von den Bildhnuern Enke,
Schaper und Siemering ausgeführt ist, Die Tafel ist gedacht
als Schmuck fllr das Neue Palais bei Potsdam, wo dieselbe
im Geburtszimmer des Kronprinzsn eine Stätte finden könnte,
Jn der Mitte befindet sich ein von Siemering rsizvoll und
sinnig komponirtes Basrelief: der Kronprinz bringt die Kron-
prinzessin, welche auf einem Zelter reitet, in die neue Heimat,
Dahinter, am Rande des Weges, spinnen die Parzen den
Lebensfaden; Atropos ist eingeschlafen und die Schere ent-
fällt ihrer Hand, Vorwärts, dem hohen Paare entgegen, be-
grüßen hier dis Künste den Kronprinzen und dis Kron-
prinzessin, Über dem Basrelief entfaltet der preußische Adler
seine Schwingen und bringt Lorbeer, Palmsn und Kränze,
Das Bild wird eingerahmt auf beiden Seiten von je einer
weiblichen Vollfigur, welche den oberen Abschluß der Tafel
als Karpatiden tragen und zugleich Malerei und Plastik (von
Enke und Schaper) darstellen, Jn der Mitte des konsolartigen
unteren Abschlusses und gewissermaßen als Fundament für
das ganze Arrangemsnt der Tafel charakterisirt ein prächtiger
Apollokopf (von Schaper) mit darunter angebrachten Emble-
men die Tonkunst und die Baukunst, Den oberen Mittel-
schmuck der Tafel bildet ein Gruppe jubelnder Puttenfiguren
(von Enke), welche mit der preuhischen Königskrone das Ganze
krönsn, — Der Verein Berliner Künstler hat am 28. Febr,
in einem prachtvollen Festzuge, in welchem die Künstler als
Deutsche, Niederländer und Jtaliener aus der Blütezeit der
Kunst figurirten, einen nach deni Modell des Bildhauers
Herter ausgeführten „Willkomm" überreicht, zu welchem seit
längerer Zeit gesammelte Farbentuben, die bekanntlich aus
feinsteni Zinn bestehen, das Material geliefert haben. — Der
Verein für deutsches Kunstgewerbe hat einen geschnitz-
ten Spielschrank überreicht, welcher etwa zwanzig Karten-,
Brett- und Gesellschaftsspiele enthält, die von hervorragen-
den Künstlern ausgeführt worden sind, — Endlich haben
diejenigen Künstler, welche die Ehre haben, im kronprinzlichsn
Palais zu verkehren, Bleibtreu, A. v. Heyden, A. v, Werner
u. a, besondere Geschenke gemacht, Zu einem Album von
zehn Blättern haben sich noch die schlesifchen Künstler (Menzel,
Graf Harrach, A, v, Heyden, E. Grützner, Baurat lLüders
u, a.) vereinigt.

IlAt. Dcr UntcrstüHuiigsvcrein der Bttinchcncr Kiinstlcr
wurde vor 39 Jahren mit einem Kapitale von 68 fl. 28 kr.
gegründet und besitzt jetzt einen Fonds von nahezu 6ÜÜ00Ü Mk.,
der lediglich durch die Opferwilligkeit seiner Aiitglieder und
das Wohlwollen höchster und hoher Gönner sowie sonstiger
Menschenfreunde aufgebracht wurde, Datz diess Opferwillig-
keit und Teilnahme noch nicht erkaltet sind, beweisen zahl-
reiche namhaste Gaben, die dem Verein auch im letzten Jahre
zuflossen, Durch Einlagen von Gedenkblättern ins sogenannte
goldene Buch wurden fünf hervorragende Wohlthäter des
Vereins geehrt. Ansehnliche Vermächtnisse der letzten Jahre
setzten den Verein in die Lage, seine bisherigen Satzungen
mit staatlicher Genehmigung derart uinändern zu können,
daß ein Teil der Einnahmen für Alterspensionen verwendet

wird und es wurden auch bereits solche an dem Alter nach
berechtigte, würdige und bedürftige Mitglieder verteilt, Die
im Jahre 1882 für Unterstützungszwecke verausgabte Summe
beträgt 13 700 Mk.

.I.L, Kcin Obclisk! Ein übereifriger Archäologe, NainenS
Maes, Beamter einer öffentlichen Bibliothek in Rom, hat die
Presse und die Behörden so lange geplagt, bis man endlich
seiner Grille, einen vergrabenen Obelisk entdecken zu wollen,
nachgab und die Ausgrabung der Via Giustiniani vornahm,
welche den Platz vor dem Pantheon mit jenem vor der fran-
zösischen Kirche°San Luigi de' Francesi verbindet, Die Ver-
mutung war einzig und allsin durch dieCitirung einesObelisks
begründet, welche sich in einem vor 200 Jahren gedruckten
Führer durch Rom, herausgegeben von einem gewissen Rossini,
vorfindet, Trotzdem man acht Meter tief grub, kam der
Obelisk nicht zum Vorschein, Alles was gefunden wurde, be-
schränkte fich auf eitiige Schäfte großer Granitsäulen und
kolossale Kapitäle. Zur Strafe für diesen Mißerfolg und
für die zudringliche Hartnäckigkeit, mit welcher der Archäologe
seine römischen Mitbürger lange Monate hindurch langweilte,
rächte man sich dadurch, daß man während des Karnevals
einen riesigen papiernen Obelisk mit der Jnschrift: „Oiiöiiseo
Uaös" auf dem Corso unter allgemeinei» Gelächter spazieren
führte.

» Profcssor v. Angcli in W ien widmets den Gesamtbetrag
des Honorars, welches er von der Gemsinde Wien für ein
im vorigen Jahre gemaltes Kaiserporträt zu empfangen hatte
(5000 Fl. ö. W,), dem Unterstützungsfonds der Schüler der
Wiener Akademie der bildenden Künste,

Niichacl Munkacsy legt in seiiism Atelier der
Avenue Villiers in Paris gerade die letzte Hand an ein
Kolossalgemälde, welches ein Pendant zu seiüem „Christus
vor Pilatus" bildet- Der Künstler zeigt uns den Heiland
auf dsm Kalvarienbsrge zwischen den beiden Schächern,

Dcr mssisckc Malcr Wcrcsckagin nrbeitet zur Zeit
an einer neuen Serie von Bildern, wslche Seenen aus dein
Kaukasus, darunter zahlreiche weibliche Figuren, darstellen
werden, Der Maler beabsichtigt, diese Bilder zuerst in Wien
zur Ausstellung gelangen zu lassen,

ll. L, Beuini-Denknial. Die Stadt Neapsl wird dem
Komponisten Bellini in der Via Costantinopoli ein Denkinal
setzen, Die Ausfllhrung desselben wurde dem Bildhauer
Jerace übertragen, Dasselbe soll aus einer Gruppe bestehen,
welche Bellini und eine allegorische Figur, die „Melodia",
darstellt, Jn vier Basreliefs soll der Künstler Scenen aus
der „Norma", der „Nachtwandlerin", den „Puritanern" und
„Romeo und Julia" in Erinnerung bringen. Die Gruppe
soll ein Postaiiient in griechischem Stil erhalten,

4, L, Dic bcrüchtigten „Esclsohren des Paiitheon" in
Rom, unter denen man die beiden von Bernini der Fassade
aufgesetzten kleinen Glockentürme versteht, werden endlich das
Zeitliche segnen, Am 18. Februar begann man dieselben ab-
zureißen, so daß etwa in vierzehn Tagen die Front des
Pnntheon wieder in der ursprünglichsn Form dastehen wird,
Das Verdienst, den allgemeinen Wunsch, das Pantheon von
seiner berühmt gewordenen Verunzierung befreit zu sehen,
erfüllt zu habsii, gebührt dem UnterrichtSminister Baccelli
welcher nuch die hiiitere Seite des Pantheon vollstündig von
den angebauten Häusern säubern ließ.

Zeitschriften.

IKi' Uoi'inoii8eiintx. 1883. 110111II. 2.

ko^rotts. — LoooovsxiggolrLlivisii, io N0I2 AssolmitLt. —
Hottvürro 20 V-uuäküüuuASu voo II. v'rs^onora. — Ilor^Ic-
inair, ülariL roit Nsio NssusIciQcl; Loxt oioos Stammdauioss;
2Woi Lsliüüiarisv; VirKÜ 8oiis, ärsi orvLmoirtais r'üiluoxsn;
N. ^urruuu, Ouu^ruoti; LüorLovilcior uucl Ktolkmustsr, Hucio
Nos 16. ,1 rcIcrI>.; Lovruulc S.U8 cloiu 17. .1 iclirli.; Ktotuuo cislicc
Hsiiu, 8Iri226u 2u (üoeilssou; votor ZolroulL, vlcioLo 2U oiuor
srossou oikouou Nuiio, Vurooicstil; vrcicürori, oz-urliuisxioioucis
NiüULoriu, ^oioiruuug.

Ic'ilrt. «0. 425.

u. L. vöveria. voQ «s. Oui kkrszk. — I168 Luoossssurs äe Mau-
tssna (80I1I1188). Vou S. voladoräo. (Llit ^.ddilä.) — I.a
Üaoodante <16 Oorot. Von ^lfr. Rodaut. (iVlit ^.ddilci.)
loading ...