Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

Seite: 377
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Nr. 22.

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(Line lombardische Aünstlerfamilie im lch und
Iahrhundert.

Ilnter diesem Titel finden wir in der Zeitschrift
O'Vrt (Äahrg. 1882, Bd. ll, S. 81 n. ff.) cine wcrt-
volle Studie des unlangst verstorbenen Mailänder Kunst-
forschers Marchese Girolamo L'Adda (s. K.-Chr. Nr. 5,
Jahrg. XVII) über dic Familie der Besozzi, von
der ein Zweig aus dem heimatlichen Besozzo am
Sec von Varese schon zu Anfaug des 14. Jahrhunderts
uach Mailaud übersiedelt wnr und sich dort während
der solgendcn Jahrhundcrtc iu vielen seiner Glicder
zu angesehencn Stellungen in den verschiedensten
Lebensberufen emporgeschwungen hatte. Wir erinnern
daran, daß jener Besozzo, der die Freskeu Luini's in
der Katharinenkapelle des Monastero maggiore stiftete
»nd selbst als Donator darauf dargestellt ist (st 1529),
auch unserer Familie angehört. Doch beschäftigen
nns hier nur jene ihrer Mitglieder, die sich auf dem
Gebiete der Kunst hervorgethan haben. — Der erste
Besozzo, dcr uns da entgcgcntritt, ist jener Leonardo
di Bissucco da Medivlano, der sich in den Freskcn der
Chorkapelle (Krönung Mariä) und am Grabmal des
Königs Ladislaus (Gestalten Johauuis des Täufers
und des heil. Augustin) in S. Giovanni a Carbo-
nara zu Neapel zweimal nennt, und sich in diesen
Werken als zwischen Giotto und Fra Augelico stehcnd
teuuzeichnet. Sie riihreu ans den, Jahre 1426. Ein
zweites begtaubigtes Werk des Meisters ist uns in einer
kostbarcn „Bilderchronik" erhalten, die aus dem Besitz
des Grafen Albani zu Bergamo in die Sammlung
Morbio in Mailand übergegangen und mit dieser jüngst

an eine Müuchener Kunsthandlung verkauft worden
ist, die deren Auktion vorbercitet (s. K.-Chr. Nr. 40,
I Jahrg. XVII). Es ist ein Manuskript auf Velin in
! Folio von 38 Seiten, vortrefflich erhalten, auf jeder
Seite drei Reihen Miniaturen auf dunkelblauem Grund
euthaltend, zumeist Einzelgestalten, oft aber auch
Städteansichten und einzelne Denkmäler; jene mit
Adan, beginnend und mit Benedikt XIII. und Tamer-
lan schließend. Der Text, lateinisch in spätgotischer
Schrift, reicht von der Schöpfung bis zum Jahre 1395.
Bemerkenswert ist, daß sich unter den vielen Jllustra-
tionen (mit Ausnahme eines heil. Ambrosius) keine
cinzige lombardische Berühmtheit, kein lombardisches
Monument siudet, dagegen die bcrühmten Männer des
Südens überwiegen. Leonardo schcint also zumeist
fern von seiner Heimat gelebt zu haben, — worauf
übrigens auch der Charakter seiner Kunstweise schließen
läßt. Die Bilderhandschrift ist bezeichnet: Iwonaräus
äs Lissutio äs Nsäioluuo xiuxit. — Andere, jedoch
nicht beglaubigte Werke werden ihm von Michele Caffi,
dcr eine Biographie von ihm verfaßt hat, zugeschriebeu.

Das Werk eines zweiten Glicdes unserer Künstler-
familie lernen wir in einer mit N0060XVII Nisllus
äs Lssotlo bezeichneten Tafel im Domschatz zu Mai-
land kenncn, wclche auf einer Seite die Darstelluug
im Tempel, auf der andern eine Madonna mit dem
auf ihren Knieen flehenden Christuskinde nebst drei
teppichhaltendcn Engeln zcigt. Leider durch Restaura-
tionen stark cntstellt, habcn doch Zeichnung und Kolorit
das volle Gepräge der Reuaissance und führen uns
durch die Ähnlichkeit der Stillveise auf das bedentendste
Werk des Meisters, die Fresken der Casa Borromev
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