Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Konkurrenzen. — Personalnachrichten. — Sammlungen und Ausstellungen. — Vermischte Nachrichten.

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V. „Christian ^cller, der Freund von Cornelius".
Dex Leser findet hier viel neues Material. das durch
den Fleiß dcs Verfassers und das liebcnswürdige Ent-
gegenkommen zahlreicher Persönlichleiten, die mit Cor-
nelius selbst oder mit Freunden odcr Bekannten des-
selben in Beziehung standen, herbeigeschasft worden ist.
Besonders verdienstlich ist die Anfzählung der Werke
des Meisters und die Zusammenstellung des Nachlasses.
Drei sorgfältige Jndices erleichtern das Nachschlagen
und erhöhen die Brauchbarkeit des Buches.

vr. I..

Aonkurrenzen.

>8u. Stiftung Mylius. Die königl. Akademie der schönen
Künste zu Mailand fordert zu einer Wettbewerbung um drei
Stiftungspreise auf. Zwei Preise zu je KOO Lire sind für
Tierstücke in der Größe von 0,85:1,20 m und ein Preis zu
800 Lire fllr eine historische Landschaft, Größe wie ange-
geben, zu verteilen. Die Bewerber haben ihre Arbeiten
(Olgemalde) bis zum 30. Juni 1884 an den Jnspektor der
Äkademie unter den bei anonymen Konkurrenzen zu beob-
achtenden Formalitäten einzuliefern.

j)ersonalnachrichten.

Aus Anlaß der Einweihung des SiationaldenAnals
auf dem Nicderwald hat der Kaissr dem Bildhauer Johannes
Schilling ein Ehrengeschenk von 30000 Mark, dazu den
Kronenorden II. Klasse, dem Architekten Karl Weißbach,
dem Mitarbeiter Schillings, und dem Mitdirektor der Mün-
chener Erzgießerei, Ferdinand von Miller, den Kronen-
orden III. Klasse verliehen. An dem Tage der Einweihung
ist in Mittweida (Königr. Sachsens am Geburtshause Schillings
eine Gedenktafel enthüllt worden.

Die Wiener Maler v. Angeli, Eanon und Makart,
der Bildhauer Tilgncr und der Referent für Kunstangelegen-
heiten im österreichischen Unterrichtsministerium, Ministerial-
sekretärDr. Zeller, haben denOrden derEhrenlegion erhalten.

Samnilungen und Ausstellungen.

— Nehrlich-Vermächtms sür die Stadt Erfurt. Ein über-
aus wertvolles Vermächtnis erhielt vor kurzem die Stadt
Erfurt aus der Hand des Landschafts- und Marinemalers
Fr. Nerly zu Rom, bestehend aus dem künstlerischen Nach-
lasse seines Vaters, des 1878 zu Venedig verstorbenen, rühm-
lich bekannten Landschafts- und Architekturmalers Friedrich v.
Nerly (eigentlich Nehrlich), eines geborenen Erfurters. Der
Sohn entschloß sich zu dieser bedeutenden Schenkung, um
die wertvollen Arbeiten des Vaters nicht zu zersplittern und
zu zerstreuen, und weil der Verstorbene, obschon seit 1829 in
Jtalien lebend, doch von Grund des Herzens deutsch ge-
blieben war, und namentlich seiner Vaterstadt Ersurt eine
treue Anhänglichkeit bis zum Tode bewahrt hatte. Hiernun
sollen die von großer Begabung und außergewöhnlichem
Fleiße zeugenden Kunstwerke als „Nehrlich - Stiftung" den
Grund zu einem Museum bilden, dessen Entstehen mit großem
Jnteresse entgegengesehen wird, da der Stadt Erfurt bisher
nur spärlich Kunstgenüsse dieser Art beschieden waren. Erst
seit der neuesten Zeit besitzt sie einen Kunstschatz, freilich einen
Anziehungspunkt, wie ihn nur sehr wenig Städte aufzu-
weisen haben: die herrlichen Schöpfungen Peter Janssens im
Rathausfestsaale. Es erwächst nun der Stadt vie nicht leichte
Aufgabe, einen geeigneten Aufstellungsraum für die hoch-
herzige Schenkung zu finden, damit recht bald dem kunst-
liebendsn Publikum die höchst interessanten Ölgemälde, die ganz
vorzüglichen Aquarelle, Zeichnungen und Radirungsn zugängig
gemacht werden können, welche beredtes Zeugnis ablegen
von der erstaunlichen Vielseitigkeit des verstorbenen Meisters.
Die Sammlung besteyt aus 24 Ölgemälden, von denen
einige von großen Dimensionen, 108 Studien in Ol, 451
aquarellirten, getuschten oder mit der Feder ausgeführten Zeich-

nungen, 10 großen eingerahmten Aquarellbildern, 22 Skizzen-
büchern und 5 Kartons. Jm Besitze des Sohnes verbleibsn
vorläufig noch drei große Kartons, ein größeres Ölbild, einige
kleinere desgl-, ferner einige sehr durchgeführte Öl- und Aqua-
rellstudien, welche derselbe aber testamentarisch auch noch sür
Ersurt bestimmt hat.

Vermischte Nachrichten.

.4. II. Der hundertjährige Gcburtstag vo» Peter vo»
Eornelius wird der Ferien wegen von seiten der Berliner
Akademie der Künste erst in der zweiten Hälfte des Oktobers
und zwar in dem zweiten Corneliussaale der Nationalgalerie
gefeiert werden, in welchem bekanntlich die bronzsns Kölossal-
büste des Meisters von A. Wittig steht. Jn den Cornelius-
sälen ist aus Anlaß des Jubiläums auch die schon seit
längerer Zeit geplante Umgestaltung der Dekoration, welche
sich als unuingänglich nötig erwiesen hatte, zur Ausführung
gelangt. Dsr Erbauer der Nationalgalerie, Oberhofbaurät
Strack, war in seiner Vorliebe für neutrale Farben so weit
gegangen, daß er die Wände der beiden zur Aufnahme der
Kartons bestimmten Säle mit einem kalten, grauen Tone
überziehen, und darauf auch die übrige Dekoration der
Räume stimmen ließ. Unter solchen Umständen konnten
natürlich die farblosen Kartons nicht zur Geltung kommen,
und die Wirkung, welche man sich von der ösfentlichen Aus-
stellung der Kartons nach jahrelanger Verborgenheit ver-
sprochen hatte, blieb aus. Direktor Jordan hat nun
diesem Übelstande so gründlich als möglich abgeholfen. Die
Wände des ersten Saales haben einen rotbraunen Anstrich
erhalten, und auf die Flächen sind mit schwarzer Farbe
Arabesken aufschablonirt worden, welche denjenigen nachge-
bildet sind, die Cornelius selbst sür die Casa Bartholdy in
Rom entworfen hat. Auch der Holzsockel ist dunkler und
kräftiger gefärbt und ebenso sind die Rahmen der Kartons
zu lebhafterer Wirkung gebracht worden, indem man auf die
mittleren Kehlen der äußeren Leisten goldene Lorbeerblätter
in Relief auf schwarzen Grund aufgelegt hat. Die Kapitäle,
in welche dieZwickel der Deckenwölbung ablaufsn, die Kapi-
täle der Säulenstellungen, durch welche sich das oberste Ge-
schoß gegen denSaal össnet, und die Simse der Giebelfrontons
sind vergoldet worden. Endlich hat man zwei große Rund-
sitze aufgestellt, deren oberer Aufsatz reich mit lebenden
Pflanzen besetzt worden ist, so daß der Saal auch nach dieser
Richtung eine behaglichere Physiognomie erhalten hat. Der-
selbe konnte am 23. September dem Publikum wieder ge-
öffnet werden, während der zweite erst durch die Feier der
Akademie seine Weihe erhalten wird.

Der Maler Professor L. Braun in München hat den
Auftrag erhalten, für Stockholm ein Panorama auszuführen,
welches die Schlacht bei Lützen 1632 darstellen soll.

Die Statue des Lord Beaconsfield, welche auf
Nationalkosten in der Westminsterabtei in London zur Auf-
stellung gelangen soll, ist von dem Bildhauer I. R. Boehm
vollendet worden.

Vorn Aunstmarkt.

VV C. G. Börners Kupferstichauktion am 22. Oktober.
Es ist die Sammlung Jahtts, die hier unter den Hammer
kommt. Postrat C. Jahn, der für die Kunst ein feines Ver-
ständnis besaß und selbst als Tierzeichner Gutes leistete,
sammelte Kunstblätter der besten Tier- und Landschaftszeichner.
Der Katalog seiner Sammlung hat darum einen eigenen,
ausgesprochenenCharakter. Nicht allein, daß die besten Meister
dieser Richtung vertreten sind, ihre hier zum Verkaus gebotenen
Blätter zeichnen sich auch als früheste Abdrücke und durch
beste Erhaltung aus. Kunstsammler wissen, wie selten die
Blättsr sines P. Boel, I. Both, I. Fyt, P. Potter, D. Stoop
oder A. van dsr Velde sind. Die frühe Abdruckgattung giebt
ihnen einen erhöhten Wert. Besonders reichhaltig ist I. H.
Roos' Werk vertreten, durchweg im I. Abdruck vor der Num-
mer. — An diese Sammlung schließen sich die reichen Werke
von I. C. Erhard (243 Nummern), J.,A. Klein (558 Num-
mern) und I. E. Ridinger (260 Nummern) an. Das erstere
diente Apell als Grundlage für seine Monographie über
Erhard, das zweite dem Besitzer zu gleichem Zweck, als er
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