Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 19.1884

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Vermischte Nachrichten. — Neuigkeiten des Buch- und Kunsthandels. — Zeitschriften.

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starke Zumutungen stellt. Dis Mehrzahl der Künstler weiß
jedoch Maß zu halten und bewegt sich in einer durchaus
noblen Formenbehandlung. Bei allen ist die Natürlichkeit,
die Naivetät und die Freiheit der Auffassung in höchstem
Grade bewundernswürdig. Zu den vollendetstsn Blättern
gehören „Die Tiersreundin" von A. Gisber, ein junges
Mädchen in der Tracht aus dem Anfange dieses Jahrhunderts,
welche vor einem Schranks mit ausgestopften Tieren sitzt,
eine Federzeichnung von ebenso großer malerischer als plasti-
scherWirkung, „DasWassergerichtvonValencia" von Ferran-
diz, eine figursnreiche Scene, ebenfalls ganz mit der Feder
gezeichnet, „Faust und Gretchen" , ein sich schnäbelndes
Taubenpaar in ^dem Fenster eines maurischen Hauses von
Lengo, eine Ölmalerei von miniaturartigem Fleiße der
Durchführung, „Der Troubadour", ein Aquarell von Pla-
sencia, „Das Urteil des Paris", ein Hahn und drei Hennen,
Aquarell von I. Jimenez, die mit Fahnen geschmückte
Giralda von Sevilla von Garcia y Ramos und ein
Bauernpaar aus Valencia zu Pserde, ein prächtiges Aquarell
von Pinazo. Diese hundert Blätter geben uns eine höchst
willkommene Ergänzung zu der spanischen Abteilung in Mün-
chen und zeigen auch ihrerseits, welch eine überraschende Fülle
von künstlerischen Jndividualitäten sich in Spanien während
eines ganz kurzen Zeitraumes entwickelt hat.

Vermischte Nachrichten.

— Koblenz. Der hiesige Kunst-, Kunstgewerbe-
und Altertumsversin gedenkt in seiner herbstlichen
Ansstellung die zahlreichen hierorts und in der Umgegend
befindlichen Kunstschntze älterer und neuerer Nrt vorzusühren
und wird zweiselsohne allseitiges Entgegenkommen finden, da
die ganze Art und Weise der Entwickelung des rsg- und
strebsamen Vereins viele Sympathisn erweckt hat. Als Aus-
stellungsraum ist das zu Schulzwecken von der Stadt an-
gekaufte Kraatzsche Haus zur Verfügung gestellt.

kg't. Dic Kcimsche Mincralmalcrei wird demnächst in
Regensburg zur Anwendung gelangen und zwar an dem
interessanten alten Stammhause der Patrizierfamilie der Thun-
dorfer, deren einer, Leo der Thundorfer, als Bischof von
Regensburg den Grundstein zum dortigen Dom legte. An
diesem Hause befindet sich eines der Wahrzeichen der Stadt,
der „Goliath", ein Werk Bocksbergers aus der zweiten Hälfte
des 16. Jahrhunderts. BereitS dreimal erneuert, soll es
jetzt unter Anwendung der Keimschen Mineralmalerei wieder-
holt hergestellt werden, wobei die alte Zeichnung beibehalten
wird. Die Kosten des vom Maler Dengler in München aus-
zuführenden Unternehmens werden vom Eigentümer des
Hauses und der Stadtgemeinde getragen werden.

.1. bi. Mcdaillc Lcö s XIII. Dieses Jahr hat Leo XIII.
nach einen alten Herkommen zum Peters- und Paulstage am
2!». Juni die siebente Gedenkmedaille seines Pontifikats
prägen lassen. Dieselbe stellt die Wiederherstellung der Apsis
der Laterankirche dar, welche auf seine Kosten vollzogen wird.
Die früheren sechs Medaillen, deren Ausführung stets her-
vorragenden Graveuren anvertraut wurde, veranschaulichen:
die erste das Wappen der Familie Pscci; die zweite eine
allegorische Figur der Neligion; die dritte das Porträt des
heil. Thomas von Aquino; die vierte: die Neligion und die
katholische Jugend; die sünste die Heiligsprechung des seligeu
Labre und Rossi; die sechste die große slavische Pilgerfahrt
nach Rom. Wie stets wurden auch dieses Jahr 43 goldene
Medaillen geprägt, welche unter den Kardinälen und'Diplo-
maten zur Vertsilung gelangen; außerdem schlägt man eine
große Anzahl von silbernen und bronzenen Exemplaren für
die mehr oder weniger hohen und niedrigen Prälaten, Be-
amten rc. Die goldene Medaille hat einen Geldwert von
170 Francs, jede der silbernsn wird nur auf lo Francs
geschützt. Der frühere Brauch der Püpste, auch zu Ostern eine
Gedenkmedaille schlagen zu lassen, ist aus Sparsamkeits-
gründen seit dem Tode Pius' IX. eingegangen.

.1. II Dciikmal für August Riedel. Jn Rom hat sich
ein Komitö gebildet, um dem im August l883 daselbst ver-
storbenen deutschen Maler August Riedel (geb. in Bayreuth
ani 27. Dez. 1790) auf dem protestantischen Friedhofe bei
der Pyramide des Cestius ein Denkmal zu setzen. Das
Komitö besteht aus dem Prüsidcnten der römischen Akademie
von S. Luca, Bildhauer Fabi Nltini, dem Fürstcn Baldassare

Odescalchi (Präsidenten des internationalen Künstlervereinss,
dem Herzog Leopoldo Torlonia (Vicebürgermeister von Nom),
Senator Moleschott, Professor Bildhauer Kopf, Maler Vanu-
telli, Bildhauer Paul Otto (Prüsident des deutschen KUnstler-
vereins), Maler Emil Löwenthal (Sekretär des Komitb's),
Benedikt Schmitt (vom Bankhause Schmitt L Comp.),
Kassirer des Komitö's. — Die Freunde des Verstorbenen,
sowie alle Künstler in Deutschland, werden ersucht, ihr Schers-
lein zu dem Denkmal für den Mann beizutragen, welcher
namentlich in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts die
deutsche Kunst in Rom hochhielt. Beiträge sind an den
Kassirer Benedikt Schmitt (Firma Bankhaus SchmittL Comp.,
Via della Vite in Rom) zu senden.

.1. II Deiikma! für Paolo Veronese. Der Kunstverein
(Looistä (1i dsUo arti) in Verona beschloß, dem großen Maler
Paolo Caliari (Veronese) mittelst Subskription ein Denkmal
in seiner obengenannten Vaterstadt zu errichten. Dasselbe
soll am 19. April 1888, dem dreihundertjührigen Todestage
des Künstlers, eingeweiht werden.

.1. II Grabdciikmal für Viktor lsmanuel. DerUnterrichts-
minister Coppino hat die nötigen Maßregeln ergriffen, damit
bis zum nächsten 9. Januar, dem Todestage des Königs Viktor
Emanuel, sein nunmehr als definitiv zu betrachtendes Grab
in der rechten Seitenkapelle des Pantheons mit einem würdi-
gsn Denkmal geschmückt wird. Die beiden Architekten Man-
fredi und Sacconi, welche aus der letzten Bewerbung um
das große Nationaldenkmal für den König in Rom preis-
gekrönt hervorgingen, wurden beauftragt, dem Minister zwei
Entwürfe für das Grabdenkmal im Pantheon vorzulegen.
Der Gedanke, das Monument im Centrum des Pantheons
aufzustellen, wurde aufgegeben, dasselbe wird statt dessen in
die Nische zu stehen kommen, wo sich die königliche Leiche
befindet.

Neuigkciten des Buch- uud Auusthandels.

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liobv blntcvüiks. bt^. 1—4 (ä 2 lilatt Duppsltblio)
8tuttAart, XsL a I-tA. Nb. 4. —.

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OiKantsnt'i'ies äes psi'AainLiiiseben Xltars.
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III. Lanll. l3. I-tz. (l>is Llalerei äsr nsnsrsn Xsit,
von X. äVoerinann 1. I-tg'.) 90 8. Ai. 8". I.sipxi»',
8ssinann. Nb. 3. —.

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llu XVII-> sieelö. 3L3 8. Ar. 8". Laris, lfiiaiitiu.

Nb. 20. —.

V«Z'i'iv8, X., bss liKiires oriopboies llans I'Xrt
8rso, l'Xrt Arvoo-roinain et I'Xrt ebrstisn. 8». Laris,
'l'borin. Lrs. 2. 2S.

Aeitschriften.

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