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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Vom Christmarkt
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https://doi.org/10.11588/diglit.6193#0056

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Vom Christmarkt.

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im Theater. Gewand und Dekoration zwar sind treu,
aber die Schauspieler sind nicht gnt; jnst wie bei den
„Meiningern".

Wirklich in den Orient, wenti auch nicht auf
Flügeln des Gesanges, führt uns ein neues Buch
über Japan von C. Netto. Die Zeit der länder-
beschreibenden Prachtwerke ist wohl vorüber; aber eines
wie das gegenwärtige darf stets willkommen geheißen
werden. Unschätzbar ist vor allem, daß der Verfasser
seine Kenntnis direkt ans dem Umgang nüt den Ja-
panern entnahm. Er hat sich zehn Jahre lang im

auch gleich beim ersten Anblick. Einige wohlgelungene
Buntdrucke verleihen dem wertvollen Buche Farbe;
eine ganze Reihe vorzüglicher Lichtdrncke und ein paar
Radirungen, die vielleicht noch etwas effektvoller ge-
druckt werden könnten, vervollständigen den illustra-
tiven Schmnck. Die beigedruckten Proben werden be-
redter für das Werk sprechen als unser Lob. Man
betrachte nur den in seinem Wasserfasse sich äußerst
wohlfühlenden Mann, dessen Gesichtsausdrnck sehr
deutlich dafür spricht, daß dem Japaner Reinlichkeit
über alles geht. Während der gemeine Mann bei

Aus „Sakuutalu", vou F. v. Bodeustedt, illustrirt vou A. Zick. (Leipzig. Titzc.)

Lande aufgehalten und weiß nun eine Fülle der
nteressantesten Dinge aus dem Wunderlande zu be-
richten. Er schöpft ganz aus dem Vollen, versteht
auch alles in anregende Form zu kleiden und ist ein
so liebenswürdiger Plauderer, wie nur je einer die
Feder ergriffen hat. Nicht minderes Lob gebührt dem
Bilderschmuck des Werkes, der teils in Autotypie nach
Tuschzeichnungen, teils in trefflichem Lichtdruck aus-
geführt ist. Mit besonderem Geschick siud imnier die-
jenigen Scenen japanischen Lebens dargestellt, die von
nnserer Weise verschieden sind. Glanbwürdige Männer,
die Japan selbst längere Zeit bereisten, versichern uns,
daß die hervorragendste Eigenschaft der Darstellungen
vvllkommene Treue sei. Diesen Eindruck gewinnt man

uns für einen übrigen Groschen ein Gläschen nimmt,
giebt der japanische Kuli seinen letzten Obolns für
ein Bad hin, — ein ohne Zweifel weit gesünderes
Vergnügen.

Doch — um zu etwas anderem überzugehen —
man hat nicht notig die halbe Erde zu umkreisen
oder tausendjährigen Entwickelungen nachzuspüren, wie
die Prachtwerklitteratur mit Vorliebe zu thun pstegt,
um etwas Hervorragendes und Respektables, d. h.
einen würdigen Gegenstand ftir ein monumentales
Bnch zu finden. Man sagte von je: Bücher haben
ihre Schicksale; heutzutage haben aber auch Schicksale
ihre Bücher. Eins der neuesten macht uns mit der
Eutwickelnng der deutschen Marine bekannt. Es
 
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