Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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385 Todesfälle. — Personalnachrichien. — Kunst- und Gewerbevereine. — Sammlungen und Ausstellungen. 586

Noch eines vortrefflichen Bildes sei hier gedacht:
Nr. 68l, weibliches Bildnis, ganz bescheiden einem
^lnitrs inoonnn zugeschrieben. Bedentende Kenner
glaubten darin schon ein Werk Rembrandts zu sehen.
Jn der That crinnert manches in dem Bild an den
großen Meister; aber bei näherem Studium findet
nian Eigentümlichkeiten, die nie so bei Rembrandt
borkommen. Wer das herrliche Porträt des Geist-
lichen Johannes Uytenbogaert, 1638 bon Iacob
Backer gemalt, im Kirchenratszimmer der Remon-
strantschen Kirche zu Amsterdam kennt, wird niit mir
geneigt sein, eine Arbeit Jacob Backers darin zu sehen.
Charakteristisch ist die wenig pastose und dabei doch
sehr breite Pinselführnng, auch die Art, wie die
Adern auf der Hand gemalt sind, dabei ein Rem-
brandtsches Helldunkel.

Übrigens hat man für einige andere Bilder in
Antwerpen kolossale Summen aufgewendet. Mit einem
gewissen Stolze erzählen die Anfseher dem Besncher, daß
Nr. 646, ein mittelmäßiger später Wasserfall von Jacob
ban Ruisdael, 60000 Francs gekostet hat, während
ein freilich ganz ausgezeichneter Salomon van Ruys-
dael für 45 000 Francs erworben wurde. —

(Schluß folgt.)

Todesfälle.

Dcr Architcktur- uud Landschastsmalcr Eduard
Gcrhardt ist zu München am 6. März im 76. Lebensjciyre
gestorben. Er hat vorzugsweise Aquarelle nach architekto-
nischen Motiven aus Oberitalien, Spanien (Alhambra) und
Portugal ausgeführt.

personalnachrichten.

D Bcrlincr Kunstakadeniie. Die an der Akademie an-
gestelltenMalerI. Ehrentrant, Hancke undF. Skarbina
haben den Professvrtitel erhalten.

D vr. F. v. Portheini ist znm Direktorial-Assistenten am
Kupferstichkabinet der kgl. Museen zu Berlin ernannt worden.

Aunst- und Gewerbevereine.

8. Archciologische Gesellschast in Bertin. Februarsitznng.
Herr Studniczka sprach über die bekannte polychrom'e Ar-
temisstatue aus Pompeji (Replik in Venedig) uud wies nach,
daß sie die Kopie eines altertümlichen Originals, nicht ein
sog. archaistisches Werk sei. Dieselbe kehrt in der Gesamt-
anlage und ganz eigenartigen Gesamtanordnung überein-
stimmend wieder auf Münzen des Augustus, nur daß hier
die Rechte in den Köcher greift. Da nun nach kaus. Vtl,
18, 16 unter den Beutestücken, die der Kaiser aus Kalydon
wegnahm und nach Patras schenkte, sich das altertümliche
Goldelsenbeinbild einsr jagenden Artemis von Menaichmos
und Suidas befand, so sprach der Vortragende die Ber-
Mutung aus, es möchte dieses Werk das Original der pom-
bejanischen und venezianischen Statuen, wie der Münz-
bilder gewesen sein. Die Bemalung der pompejanischen
Statue weist durch das vorherrschende Goldgelb auf ein
chryselephantiues Werk hin und der Stil derselben paßt genau
zu der Zeit der beiden Meister, „die nicht viel jünger sind
uls Kanachos und Kallon" (Paus). — Herr Furtwängler
legte zunächst eine Arbeit des Herrn Paton über mykenische
Pasen aus Kalymna und Karpathos vor und sprach dcmn
über den — im Gipsabguß ausgestellten — Kvpf aus Eleu-
sis, welchen er in der Julisitzung des Vorjahres für den
Eiibuleus des Praxiteles erklärt hatte. Durch Vergleichung
»'it dem daneben aufgestellten Kops des Hermes aus Olympia

wies der Vortrageude die charakteristischen Merkmale des
Praxitelischen Stiles >n dem eleusinischen Kopfe nach und
führte als eine erwünschte Bestätigung seiuer Anffassung an,
daß unabhängig von ihm auch Herr Benndorf in Wien in
der der Gesellschaft vorliegenden Schrift zu dem Resultate
gelangt sei, daß wir in dem Kopfe aus Eleusis das Ori-
giualwerk des Praxiteles besitzen. — Herr Treu aus Dres-
den besprach zuerst die von ihm aus Bruchstücken zusammen-
gesetzte Bauinschrift des Leonidaious in Olympia, welche
sicher aus zwei, möglicherweise sogar auf allen vier Seiteu
des Gebäudes sich wiederholte und den Naxier, nicht Eleer,
ivie Pausanias irrtümlich sagt, Leonides nicht bloß als Bau-
meister, sondern sehr wahrscheinlich auch als Stifter des Gc-
bäudes bezeichnete. Dieselbe rührt nach Köhlers Ansatz aus
der Zeit von 350 bis 25V v. Chr. her. Sodann sprach der
Vortragende über eine Reihe Vvn Werkeu aus der Schule
des älteren Polyklet (einen in einem Marmorkopf der Peters-
burger Eremitage und einer Bronzestatne crhaltenen Hermes,
vielleicht eine Nachbildung desjenigen in Lysimacheia, eine
Anzahl von Statuen von Knabenfiguren, die in der gesenk-
ten Linken wohl den Kranz oder die Siegerbinde lrugen,
eiuen mit dem lateranischen Ares verwandten behclmten
Jünglingskopf des Louvre, endlich die Diadumenosköpse
Farnese, in Dresdcn und in Kassel) und wies darauf hin
wie sich innerhalb der Polykletischen Schule selbst die llm-
bildung der herbcn älteren Formen in weichere, gefühlvollere
vollzieht. Eine völlige Umwälzung der Formeiiauffassung
inuerhalb der peloponnesischen Kunst hätten erst Skopas uud
Lysipp herbeigeführt. Aus der Schule des Skopas waren
die Gipsabgusse der teaeatischen Köpfe aus neucn Formen
zur Stelle. Zum Schluß legte der Vortrageude das Aqua-
rell eines lebensgroßen Marmvrkopfes aus dem Britischen
Museum vor, aü dem sich die Gesicht uud Hals bedeckeude
Pastose Fleischfarbe erhalten hat. Beispiele derartiger Be-
malung der nackten Teile mehren sich, und der Vortragcnde
konnte solche aus allen Epochen antiker Kunst namhaft machen,
ohne freilich daraus erschliehen zu wollen, wie weit sich die
pastose Bemalung nackter Teile erstreckt habc. — Herr
Hübner berichtete über die von General Wolf auf der Alte-
burg bei Köln im Jahre 1887 vorgenommenen Ausgrabungen,
bei 'welchen eine Umwallung von ca. 660 m Ausdehnung
mit Thoren uud davorliegendem Graben zum Vorschein ge-
kommen ist, die der General für das nrsprüngliche Lager
der beiden niederrheiuischen Legionen hält, neben welchem
erst im Jahre 50 die Stadt Köln entstanden sei. Ferner
machte derselbe auf die sorgfältige Aufnahnie der großen
Wallcmlagen an dcr Emscher, Lipps und VM durch General
von Beith (Bonner Jahrbücher 84) aufmerksnm, durch welche
die Kenntnis der römischen Grenzbefestigung am Rhein er-
heblich erweitert sei. Endlich legte derselbe drei portugiesische
Werke, welche sich mit der Borzeit des Landes beschäftigen,
und die Abbildung eines fragmentirten Reliefs — gefuuden
am Hadrianswall in Nordengland — vor, welches einen von
der Chlamys bedeckten linken Arm und daraus ein nacktes
Knäblein mit lebhast erhobener Rechten zeigt, cin letzter Nach-
klang des Praxitelischen Hermes.

Aammlmigen und Ausstellungen.

— Dic Ludwig Biirger-Aiisstelluiig, wslche von dem
Vorstande des Leipziger Kuüstvereins, unter besondererLeitung
des Herrn Prof. vr. Schreiber, im städtischen Museum da-
selbst veranstaltet wurde, lenkt die Aufmerksamkeit der Kunst-
sreunde in weiten Kreisen auf sich. Die Leipziger Burger-
Ausstellung, welche die der Nationalgalerie iu Berlin an
Reichtum und Vielseitigksit übertrifft, giebt selbst den Freun-
den, welche die Leistungen Ludwig Burgers zu keunen
meinten, erst einen vollen Begriff von dem ganz außer-
ordentlichen Umfauge der wohl beispiellosen Vielseitigkeit
seiner künstlerischen Thätigkeit. — Von den großen Kom-
positionen, welche auszuführen, Burgcr leider nicht ver-
gönnt war, den mächtigen Kartons und Farbenskizzen zu
Wandbildern, von Entwürfen aller Art, der Sammlung sciner
durchaus eigenartigen Ornameute zum Schmuck von Haus
und Geräten, seinen berühmten Aquarellen von Kostüm-
und Volksfiguren, Landschasts- und Naturstudien, sowie von
seinen Jllustrationswerken, die, durch die Güte der Berleger
zur Verfügung gestellt, schon allein eiue stattliche Anzahl
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