Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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. Iahrgang. ^ ^ Nr. 35.

Aunstchronlk

wochenschrift für Runst und Aunstgewerbe.

Ankündigungsblatt des verbandes der deutschen Runstgewerbevereine.

Herausgeber:

Larl v. Lützow und Arthur j)abst

wien Röln

Thcrestanunigaffe ss. Flandrische Straße r-t.

Lxxedition:

Leipzig: L. A. Teemann, Gartenstr. s5. Berlin: W. ks. Uühl, ILgerstr. 75.

Dke 2<unstchronik erscheint von Vktober bis Lnde guni wöchentlich, im guli, August und September nur aller ^4 Tage und kostet in verbindung
mit dem Runstgewerbeblatt halbjährlich 6 Mark, ohne dasselbe ganzjährlich 8 Mark. — gnserate, ü 30 pf. für die dreispaltige petitzeile,
nehmen außer der verlagshandlung die Annoncenexpeditionen von ^aasenstein 6c vogler in Leipzig, wien, Berlin, München u. s. w. an.

Inhalt: Das l^usee 6s sculpture compuree in paris. — Ian van Scorel und die Geheimnisse der Stilkritik von vr. Hugo Toman. — pietro
Aldi -f. — Ausstellung piotrowski im Vsterreichischen Runstverein. — Aaiser - wilhelm - Denkmal. — versteigerung Duchütel in paris;
versteigerung Goldsck^midt in paris; Rembrandt-Auktion in wien. — Zur Runstgeschichte Böhmens. — Zeitschriften. — Inserate.

Das lVlvsss äs ssvlptiirs ooinxnrss im Trocadero
und der jDlan eines lVlusss äos mov.rmisiit8
Lrkmos.i8 im Louvre.

Frankreich hat das Glück gehabt, in verschiedenen
Phasen seiner Geschichte, in denen politischer Eigen-
nutz eines Einzelnen oder einer herrschenden Partei
der Förderung von Wissenschaft nnd Kunst sich hem-
mend entgegenstemmte, Manner zu finden, die mit
aller Aufopferung und Energie ihre großen Ziele
trotz und gegen den Unverstand und den bösen Willen
der herrschenden Strömung zu verfolgen und schließ-
lich zum Siege zu bringen suchten. Der bekannte
Architekt Viollet-le-Duc, dem wir in erster Linie
die Bekanntschaft mit den herrlichen Kunstschätzen des
Mittelalters in Frankreich verdanken, hatte in der
Erkenntnis der hohen Bedeutung der französischen
Plastik und aus der intimen Bekanntschaft mit der-
selben den Plan einer Sammlung von Abgüssen nach
den hervorragenden französischen Bildwerken gefaßt.
Diesen Plan hat er sein Leben hindurch verfolgt; er
starb darüber hin, ehe er denselben hatte verwirklichen
können, aber er hatte die Ausführung desselben doch
gezeitigt. Denn schon ein Jahr nach seinem Tode,
1879, bot die Ungewißheit, was mit dem Ausstellungs-
gebäude auf dem Trocadero geschehen sollte, ohne
Schwierigkeit die Gelegenheit, die Mittel für ein Ab-
gußmuseum und die Einräumung der einen Hälfte
des Trocaderogebäudes bei der Regierung durchzu-
setzen. Jn verhältnismäßig kurzer Zeit ist nun hier
eine so reichhaltige nnd glücklich ausgewnhlte Samm-

lnng von vorzüglich hergestellten Abgüssen nach den
Meisterwerken der französischen Plastik, vvn der älte-
sten Zeit bis zum vorigen Jahrhundert, zusammen-
gebracht worden, wie sie kein anderes Land für seine
Plastik besitzt, und diese Sammlung ist dnrch geschmack-
volle Aufstellung in der weiten Halle mit hellem,
mildem Licht aufs vorteilhafteste zur Geltung gebracht.
Der Umfang, zu welchem die Sammlung angewachsen
ist, hat in neuester Zeit die Überweisung der zweiten
Hälfte des Gebäudes zur Folge gehabt. Dadurch wird
der Direktion der Sammlung zugleich die Gelegen-
heit geboten, einen Fehler wieder gut zu machen, den
man, aus Pietät gegen das Programm von Viollet-
le-Duc, bei der Gründung begangen hatte. Viollet
hatte ein Nnoäs äs sonlpturo kraneaiss ooinparos
verlangt; man hatte daher, um die Bedeutung der
französischen Bildwerke zu voller Geltung zu bringen,
Abgüsse nach einzelnen Meisterwerken aus der Blüte-
zeit der Plastik anderer Völker zwischen die Abgüsse
der französischen Bildwerke gestellt. Der theoretisch
anscheinend gute Gedanke erschien in der Ausführung
geradezu lächerlich: zwischen den ältesten, keltisch-römi-
schen Skulpturen standen ein paar Abgüsse ägyptischer
und assyrischer Monumente, zwischen den romanischen
Skulpturen Frankreichs ein paar Ägineten und andere
archaische Bildwerke der Griechen, unter den Skulp-
turen von Reims, St. Denis u. s. w. die Venns
von Milo und andere griechische Meisterwerke. Die
Beschauer fragten sich erstaunt, wie diese vereinzelten
vollständig fremdartigen Stncke an diese Stelle kämen;
wer aber wußte, welchen Zweck sie haben sollten,
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