Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 3.1892

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Konkurrenzen. — Personalnachrichten. — Sammlungen etc. — Vereine etc. — Vermischte Nachrichten.

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stark beeinträchtigt wird, und bis kurz vor seinem
Tode beschäftigte ihn eine große Komposition nach
Dantes Purgatorio „Die Landung der Seelen am Ge-
stade des Jenseits", deren Schwerpunkt ebenfalls in
der poetischen Gestaltung eines ergreifenden Ge-
dankens lag. Wie viel aber auch seiner Technik
an — beabsichtigten und nicht beabsichtigten —
Unzulänglichkeiten anhaftete, — der Ruhm wird ihm
bleiben, dass es ihm gelungen ist, uns die Formen-
und Anschauungswelt des deutschen Reformations-
zeitalters ohne gesuchte Altertümelei noch einmal
zum Leben erweckt zu haben.

ADOLF ROSENBERG.

KONKURRENZEN.

In dem Wettbetverb um die neue Tonhalle in Zürich
ist der erste Preis dem Architekten Bruno Schmitz in Ber-
lin, der zweite dem Architekten Richard Kuder in Straßburg,
der dritte dem Professor Frentzen in Aachen zuerkannt wor-
den. Mit dem ersteren sind bereits Unterhandlungen wegen
Ausführung des Baus angeknüpft worden.

PERSÜNALNACHRICHTEN.

%* Auszeichnungen. Der Geschichtsmaler Professor
Prell und der Bildhauer Ochs in Berlin haben den Kronen-
orden 4. Kl. erhalten. — Dem Maler Grafen Ferdinand
Harrach in Berlin ist das Prädikat Professor beigelegt
worden.

t% Der französische Maler Eduard Detaille, der be-
kannte chauvinistische Kriegsmaler, ist an Stelle des verstor-
benen Geschichtsmalers Charles Louis Müller zum Mitgliede
der Academie des Beaux-Arts in Paris gewählt worden. Sein
Gegenkandidat war Carolus-Duran.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

O. M. Im Kunstgcicerbemuseum zu Berlin ist am
16. März eine Ausstellung von Paramentsloffen und kirch-
lichen Stickereien eröffnet worden, welche den Lichthof in
allen seinen Teilen füllt. — Die Stoffe in Seide, Sammet und
Brokat sind Erzeugnisse der Industrie von Crefeld, welches
sich mit diesen Erzeugnissen den besten Werkstätten alter
und neuer Zeit würdig an die Seite stellt. Unter den Stickereien
überwiegen die für den evangelischen Kultus bestimmten
Altar- und Kanzeldecken von z. T. hoher künstlerischer
Vollendung. — Die Aussteller sind zumeist die Paramenten-
vereine von Norddeutschland, der niedersächsische, die von
Hannover und Mecklenburg. — Auch einzelne Ateliers, wie
die von Beck in Herrnhut, Bessert-Nettelbeck, Prüfer, Frau
Dr. von Wedeil in Berlin u. a. sind reich vertreten. Die
Austeilung hat den Zweck, für die künstlerische Ausstattung
der vielen jetzt im Bau begriffenen Kirchen Anregung und
Hinweise auf die vorhandenen Vorbilder zu geben. Zu diesem
Zwecke sind auch hervorragende Stücke der Stoffsammlung,
Entwürfe aus der Unterrichtsanstalt und Vorlagen aus der
Bibliothek der Ausstellung angefügt.

VEREINE UND GESELLSCHAFTEN.

X—, Der Kumtverein in Rostock lädt durch Cirkular
zur Beschickung der Wanderausstellung ein, die er mit den

Kunstvereinen in Lübeck und Stralsund unterhält. Die Dauer
der Ausstellung ist für Rostock vom 15. Mai bis 15. Juni,
für Lübeck vom 26. Juni bis 20. Juli, für Stralsund auf die
Dauer des August festgesetzt. Anmeldezettel, die ausgefüllt
bis zum 1. Mai d. J. an Herrn Professor O. Körte in Rostock
zu senden sind, können von dem eben genannten Herrn be-
zogen werden.

%* Unter dem Namen „Vereinigung der Elf haben
sich die Berliner Maler J. Alberts, Hans Herrmann, von Hof-
mann, Walter Leistikow, Max Liebermann, Mosson, Müller-
Kurzwelly, Schnars-Alquist, F. Skarbina, Fr. Stahl und Hugo
Vogel zur Veranstaltung gemeinsamer Ausstellungen verbun-
den, deren erste im April bei E. Schulte (Unter den Linden 1)
stattfinden wird.

VERMISCHTE NACHRICHTEN.

0 Zum Berliner Dombau. Das preußische Abgeord-
netenhaus hat in seiner Sitzung vom 19. März die Forderung
der ersten Rate von 300000 M. für den Neubau des Doms
und der Gruft für das preußische Königshaus gegen die
Stimmen der Freisinnigen, einiger Freikonservativen und
Nationalliberalen bewilligt und sich damit für die Summe
von 10 Millionen gebunden. Mit Ausnahme der Ultramon-
tanen haben die Redner aller übrigen Parteien ihre Bedenken
gegen den Bau geäußert. Der Redner der Freikonservativen
verhehlte sogar nicht, dass es bekannt sei, dass die Forderung
in weiten Kreisen unpopulär sei. Aus allen Reden ging
hervor, dass die Bewilligung der Forderung nur aus monar-
chischen und Pietätsrücksichten erfolgt sei.

A. R. Die „Vereinigung deutscher Aquarellisten", die
sich, wie wir seiner Zeit mitgeteilt, Ende vorigen Jahres
nach dem Vorbilde der in London, Paris und Wien be-
stehenden Malergesellschaften ähnlicher Art gebildet hat,
ist anfangs März mit einer Ausstellung in den oberen Räu-
men der Kunsthandlung von Amsler und Ruthardt (Gebr.
Meder) in Berlin in die Öffentlichkeit getreten. An dieser
Ausstellung haben sich nur die fünf Künstler beteiligt, die
damals als Gründer und zugleich einzige Mitglieder der Ver-
einigung genannt wurden: Franz Skarbina und Hans Herr-
mann in Berlin, Hans von Bartels in München, Max Fritz
in Dresden und Arthur Kampf in Düsseldorf. Ob es sich
hier nur um eine flüchtige Künstlerlaune handelt oder um
die ernste Absicht, eine ähnliche Organisation zu schaffen,
wie etwa die englische Society of painters in water-colours,
wissen wir nicht. Indessen ist das erstere nicht ganz un-
wahrscheinlich, da inzwischen, wie wir an anderer Stelle
mitteilen, in Berlin ein neuer Künstlerbund unter dem Na-
men „Vereinigung der Elf" gestiftet worden ist, dem F. Skar-
bina und H. Herrmann ebenfalls angehören. Jedenfalls haben
zwei der Gründer der Aquarellistenvereinigung keine beson-
deren Anstrengungen gemacht, um ihre erste Ausstellung
glänzend zu gestalten. M. Fritz ist nur mit einem Blatt,
einer Mühle im Gebirge bei Sommermorgenstimmung, ver-
treten, in der freilich die Zartheit seiner poetischen Auffas-
sung und seine Meisterschaft in dem Ausdruck der feinsten,
schwimmenden und schwebenden Luft- und Lichtnüancen
zur vollen Geltung gelangt, und A. Kampf hat nur zwei
Genrebilder, einen verzweifelten Sohn am Totenbette seiner
Mutter und „Die Hyänen der Straße", Kehrichtsammler am
Morgen auf einer beschneiten Straße, eingesandt, die in
ihrem krassen Naturalismus zeigen, dass Kampf sich in
neuerer Zeit wieder mehr der Richtung zugewendet hat, die
er bereits mit seinem ersten großen Werke, der „letzten
Aussage", eingeschlagen. Den Kern und den Glanzpunkt
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