Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Der Kunsthistorische Kongress zu Nürnberg. I. — Kunstblätter.

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trag über Deutsche Kunst und deutsche Litteratur
um die Wende des 15. Jahrhunderts", in welchem er
namentlich darauf hinwies, dass, während die deutsche
Kunst sich hoher Blüte erfreute, bei der deutschen
Litteratur das entgegengesetzte Verhältnis obwaltete.
Zahlreiche Belege für seine Ausführungen waren
dem Nürnberger Archiv entnommen.

Eine längere, eingehende Debatte, an der sich
außer dem Vorsitzenden namentlich Prof. Zimmer-
mann (Berlin), Händcke (Bern), Oechelhäuser (Karls-
ruhe), A.G.Meyer (Berlin), Bay ersdorfer (München) und
Semper (Innsbruck) beteiligten, zum Teil mit län-
geren geistvollen Ausführungen und Darlegungen,
veranlasste der Antrag des Prof. v. Lützow (Wien)
betreffend die Errichtung eines Kunsthistorischen In-
stitutes in Florenz. Sie ward von allen Rednern,
von einigen mit Begeisterung, gutgeheißen, nur
gingen namentlich über die Art und Weise, in
welcher die Begründung dieses kunstgeschichtlichen
Institutes betrieben werden solle, die Ansichten aus-
einander. Während andere verwandte Wissenschaften
schon längst im Vollbesitz solcher Pflegestätten sind,
während besonders die ältere Schwester Archäologie
auf klassischem Boden in Rom und Athen alljähr-
lich eine Reihe von angehenden Forschern um be-
währte Leiter versammeln darf, ist der neueren
Kunstgeschichte trotz wiederholter Mahnungen und
achtenswerter Versuche das nämliche Anrecht noch
immer versagt geblieben. Deshalb wurde dem Vor-
schlag, die Ausführung des Gedankens nun endlich
vom Kongress der Kunsthistoriker aus ernstlich in
die Hand zu nehmen, mit vollstem Entgegenkommen
entsprochen. Professor Max G. Zimmermann über-
nahm die ausführliche Begründung und allseitige
Beleuchtung der Idee, wie sie sich in Wirklichkeit
etwa ausgestalten ließe, und wies auf die zoologische
Station in Neapel als Vorbild hin. Professor
Schmarsow, der selbst schon eine derartige Einrich-
tung in Florenz erprobt hat, jetzt aber als Janit-
schek's Nachfolger nach Leipzig berufen ist, erinnerte
daran, dass allerdings die Niederlande und in erster
Linie vielleicht Deutschland selbst die gleiche Be-
rechtigung hätten, dass aber sachliche und pädago-
gische Erwägungen doch zunächst die Bevorzugung
von Florenz empfehlen. Erörterungen Dr. Händcke's
aus Bern bezweckten den freieren Zuschnitt der An-
stalt, besonders als Gelegenheit für eigene Forschun-
gen bereits selbständig gewordener Arbeiter. In
der Hauptsache jedoch einigte man sich bald genug
und übertrug die Angelegenheit einer Spezialkom-
nhssion von elf Mitgliedern, in die außer den meisten

der oben Genannten auch Dir. Boesch (Nürnberg),
C. Hofstede de Groot (Haag), Dr. P. Giemen (Bonn)
und Prof. Dr. Dietrichson (Christiania) gewählt wurden.

Sodann beantragte Professor Schmarsow, der
Kongress möge auf einen Vorschlag Anton Springer's
beim Wiener Kongress von 1873, betreffend die
Gründung einer Gesellschaft zur Publikation photo-
graphischer Aufnahmen, gemäß den Bedürfnissen
des kunsthistorischen Lehrbetriebes und der verglei-
chenden Forschung, zurückgreifen und einen Aus-
schuss zur Ausführung dieses Unternehmens ein-
setzen. Der Nürnberger Kongress erneuerte infolge-
dessen den Beschluss des vorigen Kongresses und
wählte die Herren Bayersdorf er, v. Lützow und Schmar-
sow an Stelle des früheren Ausschusses. Damit war
die Tagesordnung dieser ersten Sitzung erschöpft.
Nach der Führung durch das Germanische Museum
und der besonders an Werken der Kleinkunst reichen
Ausstellung trat abends nochmals die Kommission
für das kunsthistorische Institut zusammen, um diese
wichtigste Angelegenheit des Tages durch Vorberei-
tung eines Memorandums der weiteren Ausführung
entgegenzuführen. —

Auch der geselligen Zusammenkünfte sei mit
wenigen Worten gedacht, da sie vor allem dazu bei-
tragen, den persönlichen Meinungsaustausch unter
den Fachgenossen und damit eine der Hauptaufgaben
aller solcher Versammlungen zu fördern. Nachdem
am Vorabende des Kongresses eine erste Begrüßung
der Mitglieder durch das Ortskomitee im Saale des
Hotel Strauß stattgefunden hatte, vereinigten sich
die einheimischen und fremden Besucher des Kon-
gresses am 25. September mittags in denselben Räum-
lichkeiten zum festlichen Mahl, bei welchem Prof.
v. Lützow Kaiser Wilhelm II. und den Prinzregen-
ten Luitpold als Friedensfürsten und Förderer der
Kunst und Wissenschaft feierte. Konservator v. Bezold
(München) brachte ein Hoch auf die Veranstalter
und Mitglieder des Kongresses aus. Der Abend des
25. September vereinigte die Gesellschaft in den
Räumen des „Museum", um der Einladung des Nürn-
berger Geschichtsvereins Folge zu leisten, dessen
verdienstvoller Vorstand, Justizrat Freih. v. Kress,
der Versammlung in einer längeren Ansprache die
herzlichsten Willkommgrüße darbrachte.

KUNSTBLÄTTER.

— Dem Vorstände des Vereins für Originalradirung
in Berlin ist es gelungen, für das diesjährige (VIII.) Jahres-
heft wiederum drei neue Mitarbeiter der Zahl der bisheri-
gen anzureihen. Es sind diese: Hans Herrmann, A. Krüger
und H. Ulbrich. Außer den Werken dieser Künstler enthält
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