Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Bücherschau.

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Knupfer; muss übrigens auch noch auf Marienhof
geprüft werden.

Nr. 259 von C. Poeknburg, bringt thatsächlich
die Familie Friedrich's V. von der Pfalz zur Dar-
stellung u. z. vermutlich als ältesten in der Gruppe
den Prinzen Karl Ludwig (gebor. 1617) etwa im
Alter von zwölf oder dreizehn Jahren, sodass Poelen-
burg's Studien zu dem Bilde um 1630 angesetzt
werden müssen. In Pest befindet sich eine interessante
Darstellung von sieben Kindern desselben Fried-
rich's V. von der Pfalz und ebenfalls von Poelen-
burg's Hand. Das Pester Bild trägt das Datum 1628
und fällt dem Stile nach jedenfalls früher als das
Bild in Bamberg. Eine Photographie nach dem
Bamberger Gemälde verdanke ich der Güte des
Herrn Bürgermeisters Herd, der mir dadurch die
vergleichenden Studien wesentlich erleichtert hat.
Ich ergreife die Gelegenheit, ihm hier meinen besten
Dank für die freundliche Förderung zum Ausdruck
zu bringen.

Nr. 576 ist nicht von K. Dujardin, sondern von
Ger. de Lairesse. Eine Zeichnung von G. d. Lairesse,
welche demselben allegorischen Gedankenkreise an-
zugehören scheint, wie das Bamberger Bild, befindet
sich im Münchener Kupferstichkabinett. Auch das
kleinste Gemälde des Lairesse im Puppenhause des
Gemeindemuseums zu Utrecht gehört in diesen
Zusammenhang.

Zum Schlüsse will ich noch anmerken, dass
F. v. Reber in jüngster Zeit über die spanischen
Bildnisse der Bamberger Galerie wichtige Mittei-
lungen gemacht hat, indem er u. a. das Jugend-
bildnis Philipp's II. (Nr. 127) als Werk des Alonso
Sanchez Coello sicher stellte und mit großer Wahr-
scheinlichkeit im alten Fickler'schen Inventar von
1598 nachwies. (Vergl. die Sitzungsberichte der
Königl. bayer. Akademie der Wissenschaften von
1893, Heft I, S. 29.) DB. TU. VON FBIMMEL.

BÜCHERSCHAU.

Edouard Aumüller, „Les petits maitres allemands. II. Jac-
ques Bink et Alaart Claas". Munich 1893.

Der Kunsthändler Aumüller in München hat hiermit
ein Werk veröffentlicht, das eine energische Zurückweisung
herausfordert. Ohne die allernötigsten gedruckten Quellen
zu berücksichtigen, wagt er es auf Grund der zufällig durch
seine Hände gegangenen Blätter einen prätentiösen Oeuvre-
Katalog erscheinen zu lassen, der noch lange nicht alle be-
schriebenen, geschweige denn unbeschriebenen Blätter der
beiden Meister aufzählt. Für Bink liegen neben Bartsch
und Passavant zunächst Heineken (Dict. d. Art.), Nagler
(Mgr. Bd. III. Mon. 775), Wesseln (Supplemente) und das
von Lehrs verfasste Verzeichnis vor, das er in „Kölnische

Künstler in alter und neuer Zeit" (Neue Ausgabe von Merlo,
Düsseldorf 1893) veröffentlichte. Die drei Holzschnitte Bink's
[Nagler, Bd. III, pag. 279) fehlen überhaupt ganz bei Au-
müller. Er erwähnt auch nicht acht von Beineken zuerst
aufgezählte Blätter, die Lehrs unter den Nummern 100
(= Lehrs Nachtrag 3), 110, 111, 112, 114, 115, 117, 126 an-
führt. Man glaube nicht etwa, dass die große Bereicherung
über Bartsch und Passavant hinaus ein Verdienst Aumüller's
sei: seine neuen Blätter sind schon meist vorher beschrie-
ben. So ist Aumüller
5 = Wesscly 0,

36 = „ 7,

31 = Nagler 6 (B. 20), dereine Kopie mit Jan Tic/ c.rc.

kennt, die bei Aumüller fehlt,

37 = „ 5,
47 = „ 11,

54 = Wesscly 8, auch bei Nagler, Mgr. III 2089, 2,

131 = Natjlcr 20, Wesseig 11 und hat wohl falsche Maße,

132 = Wesscly 9, bei Beinehen und Bartsch, X 148, 13:

der erste Zustand, ist im Gegenteil sehr
häufig,

133 — Nagler 21,
135 = Wesseig 10,
162 = Nagler 23.

Ferner kennt Wcssely

1 einen 1. Zustand von Bartseh 25, der bei Aumüller
58 fehlt,

3 einen 1. Zustand von Bariseh 95, der bei Aumüller
143 fehlt,

4 einen 1. Zustand von Passavant 116, der bei Aumüller
97 fehlt.

Von Blättern, die bei Aumüller gänzlich fehlen, erwähnt
Nagler (a. a. O.)

12 einen trunkenen Silen mit vier Bacchuskindem,
113 X 135 mm;

15 Bauer mit Eierkorb in der Linken [Lehrs Nachtrag 9);

18 Soldat von vorn gesehen, das Zeichen unten r.
74x47 mm;

22 Nackter zu Pferd, im Rund;

27 Karl V. [Lehrs Nachtrag 5).
Hierzu fand Lehrs in den zwei Dresdener Sammlungen an
unbeschriebenen Blättern 7 eine Lucretia, 8 eine Bäuerin,
nebst 5 Ornamentstichen (Nr. 10, 11, 12, 14, 15), während
ein großer segnender Heiland (18) in Köln, ebenfalls bei
Aumüller fehlt. Das giebt 8 Blätter allein aus drei Samm-
lungen: wie viel mag jemand finden, der gewissenhaft alle
Sammlungen durchforscht. Lehrs hat seine Neufunde wohl-
weislich nur hinten angefügt, nicht in das Verzeichnis von
Bartseh eingeschaltet, da dieses von einem künftigen Bink-
monographen doch ganz umgemodelt werden muss. Ein
solcher darf sich doch nicht anmaßen, seinen Oeuvre-Katalog
zu veröffentlichen, ehe er wenigstens die Hauptkabinette des
Festlandes nach unbeschriebenen Blättern durchsucht hat.
Neben dem Fehlenden ist es vielleicht kaum nötig, auch
die Fehler aufzuzählen. Zum Beispiel kniet der Heilige auf
Aumüller 54 und sitzt nicht, wie A. sagt; die Kopieenfrage
lässt A. oft unberücksichtigt: seine 133 ist nach B. 198,
nicht B. 199 kopirt; die Jahreszahl steht rechts, nicht links
und sie ist 1520, nicht 1521, wenn das Blatt, das A. hatte,
anders intakt war. Soll es vielleicht ein früherer Zustand
sein'? Gegen frühe Zustände Aumüller's hege ich Misstrauen,
da ich bei meiner Katalogisirungsarbeit einer der größten
Privatsammlungen des Festlandes Gelegenheit zu bemerken
hatte, dass ein jedes von Aumüller gekaufte Blatt verrestau-
rirt war. Im Bink-Katalog fohlen also 24 Blätter. Mit Claes
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