Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Denkmäler. — Sau)mlungen und Ausstellungen.

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wird es vielleicht noch schlimmer bestellt sein, denn bei |
einer gleichfalls nur vorläufigen Durchsicht der unbeschrie-
benen Claes in Dresden und der älteren Litteratur fanden sich
ca. 20 Blatt vor, die bei Aumüller fehlen. Zunächst er-
wähnt er nur vier von den vierzehn Blatt des Monogram-
misten A C, den Bartsch IX, pag. 482, und Nagler, Mgr. I
Mon. 200, beschreiben. In der Sammlung Friedrich August II.
befinden sich: Ecce Homo, Monogramm auf der Brüstung
unten, Flatte 70x49 mm; Joseph und Potiphar's Weib,
mit dem pfeilschießenden Amor, Monogramm r. auf einer
Kiste, Stichfeld 136x102: Antonius mit Kapuze, Klingel,
Buch und Kruzifix, Mon. oben rechts, Platte 76 X 53; Ma-
donna mit 2 Engeln, die Schriftbänder halten, Mon. unten
a. e. Stein, 97 X 69 (verschnitten). In dem königl. Kupfer-
stichkabinett zu Dresden: Heilige Agnes mit dem Lamm,
Mon. unten rechts, 100x70. Alle fehlen bei Aumüller-
Nagler (Mon. 259 Bd. 1) erwähnt auch die hl. Agnes {Auw,.
75), die mit der eben genannten in den Maßen und der Mo-
nogrammstellung nicht übereinstimmt, sowie den Gott Vater,
der aber vielleicht identisch mit dem von ihm unter Mon.
260 aufgezählten ist. B. VIII, 452, 6 (P. IV, 105, 291) ist
von Claes: es exi=tirt ohne Monogr. in der Sammlung Priedr.
Aug. IL, mit Monogramm in dem kgl. Kupferstichkabinett
Dresden. Fehlt Aumüller. P.IV. 283, 1117 Pyra.mus und Thisbe
ist wohl von Claes: fehlt Aumüller. Wessely 26, ein Orna-
mentblatt, das auch in Wcsscly's „Ornamentstich", Blatt
178, sowie in Guilmard, „Les maitres ornemanistes" (Paris
1881), Blatt 161, abgebildet ist, fehlt bei Aumüller. Weigel
erwähnt im Lagerkatalog eine Reihe von Claes, die I'assa-
vant und Nagler nach ihm anführen. Davon sind nur die
drei Nummern 16 475, 16 476 (mit dem Mon. unten) und
16 482 von Claes, die übrigen aber vom Meister S. Es sind
also z. B. Aumüller 62, 64—70 (Weigel 16 483—90) irrtüm-
licherweise dem Claes zugeschrieben. Aumüller 4 ist nach
Beham kopirt: ein schöner Druck eines zweiten Zustands
befindet sich in der Sammlung Fr. August II. Die Ecken
der Platte sind abgesägt und sie ist jetzt achtseitig; am
Boden vorne Neuarbeiten. Aumüller's 100 ist bei Bartseh
X 133, 2 beschrieben, was er nicht angiebt. Auch bei Claes
hat Nagler schon vor Aumüller nicht weniger als 00 Blätter
zu Bartsch hinzugefügt. Mit Obigem ist der Wert der
Aumüller'sehen "Verzeichnisse wohl zur Genüge beleuchtet.
Man kann nur die Forderung wiederholen, dass Unberufene
sich nicht in die Litteratur eindrängen sollen. Dem Ganzen
setzt Aumüller die Krone dadurch auf, dass er für das Büchel-
chen von 64 Seiten, ohne Abbildungen, den unerhört hohen
Preis von zwölf Mark verlangt.

HANS W. SINGER.

NEKROLOGE.

* Karl Freiherr von Hasenauer, der gefeierte Wiener
Architekt, ist am 4. d. M., Abends V28 Uhr am Herzschlage
plötzlich gestorben. Mit ihm schied nun auch der letzte
jener bedeutenden Meister, denen das moderne Wien seine
glänzende architektonische Physiognomie verdankt, uner-
wartet rasch aus dem Leben. Hasenauer war am 20. Juli
1833 in Wien geboren, stand somit im 01. Lebensjahre. Sein
letztes Werk, das er unvollendet binterlässt, ist der neue
Flügel der Hofburg in Wien, der im verflossenen Jahre die
Höhe des Abschlussgesimses erreichte.

— Am 10. Januar starb in Leipzig der Aquarellmaler
Karl Werner, geboren zu Weimar am 4. Oktober 1808.
Er besuchte unter Schnorr die Leipziger Akademie; auf zahl-
reichen Reisen durch Südeuropa und die Mittelmeerländer

sammelte er zahlreiche Skizzen, die er nachher zu größeren
Aquarellbildern verarbeitete. Er war bis in sein hohes Alter
thätig, und seine Bilder haben mit dem zunehmenden Alter
des Meisters nichts an ihrem künstlerischen Wert verloren.
Er war Professor an der Akademie zu Leipzig, sowie Mit-
glied der Akademie zu Venedig und der Englischen Gesell-
schaft der Aquarellmaler.

%* Der englische Bildhauer W. F. Woodlington ist am
27. Dezember v. J. in London 88 Jahre alt gestorben. Seine
Hauptwerke sind das große Relief „Die Schlacht am Nil"
am Piedestal des Nelson-Denkmals auf dem Trafalgar Square,
die Reliefs des Wellington-Denkmals in der St. Paulskirche
und eine Statue Sir Joseph Paxton's im Krystallpalast.

PERSONALNACHRICHTEN.

%* Dem Maler Franz Ooeth und dem Architekten
Franz Ehemann, Lehrern an der königlichen Kunstschule
in Berlin, und dem Maler Norbert Schroedl in Frankfurt a. M.
ist das Prädikat Professor beigelegt worden.

%■* Der Maler Fritz Roeber in Düsseldorf ist zum Pro-
fessor an der dortigen Kunstakademie ernannt worden. Zu-
gleich wurde ihm die Führung der Direktorialgeschäfte in
Gemeinschaft mit Prof. P. Janssen übertragen.

*„.* Die Centraidirektion des kaiserlichen archäologischen
Instituts hat zum Winckelinannstage (9. Dezember) zu ordent-
lichen Mitgliedern des Instituts ernannt die Herren v. Christ
in München und Oeffroy in Rom, zu korrespondirenden Mit-
gliedern die Herren Collignon in Paris, Plcyte in Leiden und
Sittl in Würzburg.

DENKMÄLER.

%* Die Ausführung eines Denkmals für den verstor-
benen Komponisten Oounod in Paris ist dem Bildhauer
Antonin Mercie übertragen worden.

*„,* Eine Büste des Doktors Cuillotin, des Erfinders
oder vielmehr des Erneuerers des nach ihm benannten Hin-
richtungsinstruments, ist im Auftrage der französischen Re-
gierung von dem Bildhauer Henri Bouillon in Marmor aus-
geführt worden. Sie hat einen würdigen Platz in der Re-
volutionsgalerie des Museums in Versailles erhalten.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Die Winterausstellung in der englischen Akademü der
Künste. Die königliche Akademie hat am 1. Januar die
25. Winterausstellung von Werken der alten Meister sowie
verstorbener englischer Künstler eröffnet, und ist es die
Pflicht der Kritik und des Publikums, den Leitern für den
außerordentlichen Erfolg Dank auszusprechen, der so viele
Jahre schon ihre Bemühungen gekrönt hat. Winter auf
Winter wird man genötigt, einzugestehen, dass England wohl
das einzige Land in der Welt sein dürfte, welches so an-
dauernd im stände ist, aus Privatgalerieen regelmäßig eine
derartige Sammlung schöner und teils ungekannter Werke
jährlich zusammenzubringen. Es ist natürlich nicht zu ver-
meiden und auch sogar nicht nachteilig, wenn nach einer
längeren Reihe von Jahren dies oder jenes bereits öffentlich
ausgestellte Bild wieder zum Vorschein kommt. Hinsicht-
lich der alten Meister trifft dies indessen fast gar nicht zu,
und in betreff der verstorbenen englischen Maler ist höch-
stens der vierte Teil solcher Bilder früher ausgestellt worden.
Nur die meisten Werke des verstorbenen Mr. John Pettie
sind hinlänglich bekannt, da derselbe als Akademiker die
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