Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Bücherschau.

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/•'. Leniaek mit zweien seiner eleganten Damenbild-
nisse aus neuester Zeit, Paul Meyerheim mit einer
Touristengesellschaft im Engadin, die auf einem
engen Bergpfade heimkehrenden Rindern begegnet
(1893), Ludwig Passini mit einer reich belebten
Straßenscene aus Venedig, Knaben, die zum Baden
in einen Kanal springen, einem Aquarell voll reichster
Farbenwirkung und prächtig leuchtender Kraft des
Tons, der äußerst selten auf Ausstellungen erschei-
nende, treffliche Ferdinand Päuwds mit einer er-
greifenden Scene von einem Schlachtfelde des deutsch-
französischen Krieges, auf dem der Heiland zur Nacht-
zeit in himmlischer Glorie einem sterbenden deut-

morrelief einer sich zu dem Schwan herabneigenden
Leda von Adolf Hildebrand und in der blühendes
Leben atmenden Marmorbüste der Baronin Schenk
von Victor Tilgner.

Mit gerechtem Stolze darf die Akademie auf
diese ihre erste Rück- und Umschau blicken, die
im Wirrwarr der gleichzeitigen Ausstellungen der
Naturalisten, Impressionisten und Symbolisten einem
paradiesischen Eiland gleicht, das in heiterer, fest-
gegründeter Rulle allen Stürmen des Meeres trotzt.

ADOLF B OSENBERG.

Der Besuch bei der Großmutter. Gemälde von Fb. Vinea. (Sammlung Spranger s. Seite 228.)

sehen Soldaten als Tröster erscheint (1893), J. Schee-
renberg mit einer jungen Mutter, die während der
Rast an der Landstraße ihr Kind stillt (1893),
Gustav Schönleber mit einer Brandung an der Riviera
bei Montefino und Hugo Vogel mit dem Orgelchor
einer Dorfkirche, auf dem ein junges Mädchen ein
Lied unter Orgelbegleitung singt.

Der intime Charakter der Ausstellung hat auch
die Bildhauer genötigt, sich auf Werke kleineren
Umfangs, meist Porträtbüsten, Genrefiguren und
Reliefs zu beschränken. Immerhin hat aber auch
diese Abteilung einige Werke ersten Ranges aufzu-
weisen, so z. B. in der im edelsten Stil des italie-
nischen Quattrocento behandelten Terrakottabüste
eines jungen Mädchens von It. Begas, in dem Mar-

BÜCHERSCHAU.

G. von Terey, Verzeichnis der Gemälde des Hans
Baidung, gen. Grien. Studien zur deutschen Kunst-
geschichte, Heft 1. Straßburg, Heitz. 1894.
Seitdem Eisenmann vor nahezu fünfundzwanzig
Jahren zuerst in seiner unveröffentlichten Tübinger
Doktordissertation, bald darauf in dem vortrefflichen
Artikel des Meyer'schen Künstlerlexikons über Hans
Baidung im Zusammenhang geschrieben hat, ist
unsere Kenntnis von der Kunst des Elsässer Meisters
mannigfach bereichert und berichtigt worden und
durch glückliche Umtaufen noch mehr als durch
neue Funde die Liste seiner Gemälde allein um zwei
Dutzend Nummern etwa angewachsen. Die über-
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