Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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241 Bücherschau. — Kunstblätter. —

Dr. Carl Koetsch.au, Barthel Bekam und der Meister
ronMcsslcirch, eine kunstgeschichtliche Studie. Mit 10 Licht-
drucken. Straßburg, J. H. Kd. Heitz, 1893. 8». VI und 94 S.
Eine freundliche Erscheinung auf dem Gebiete der jüng-
sten kunstgeschichtlichen Litteratur ist das vorliegende Buch,
das sich mit zwei Meistern der deutschen Kunst des IG. Jahr-
hunderts eingehend befasst. Das Erscheinen einiger zu-
sammenfassender Werke über deutsche Kunst, namentlich
Janitschek's Geschichte der deutschen Malerei und die Lehr-
thätigkeit des genannten Autors haben sehr viel Anregung
zu Einzelstudien auf dem erwähnten Gebiete gegeben, un-
mittelbar und mittelbar. Man erinnere sich nur an die
hübschen Arbeiten von Eduard Firinenich-Richartz über Bar-
tolomäus Bruyn, von M. G. Zimmermann über H. Mülich,
von A. Schmied über Burgkmair, von M. Friedländer über
Altdorfer, um nur einiges anzudeuten. Die Arbeit Koet-
schau's schließt sich neuestens dieser Reihe an. Das Buch
berührt in Kürze das Wenige, was über Beham's Leben auf-
zufinden ist, und geht rasch auf die Bilder in Messkirch und
Wildenstein über, die seit Waagen's und Woltmann's Tagen
als Werke des Barthel Beham galten und erst in jüngster
Zeit vielfach angezweifelt worden sind. Mit besonnener
Kritik und unter Herbeiziehung einer bisher unbekannt ge-
bliebenen (von M. G. Zimmermann gefundenen) Urkunde
macht es nun der Autor höchst wahrscheinlich, dass von
Beham's Autorschaft für diese Bilder abgesehen werden
rnuss. Eine Analyse des echten Barthel-Beham'schen Stiles
und des Stiles der vielen Bilder, die dem Beham früher zu-
geschrieben worden sind, führt zu einer überzeugenden Tren-
nung des „Meisters von Messkirch" und des Barthel Beham.
Sollte einzelnes an der Arbeit ausgesetzt werden, so möchte
ich u. a. die Abschnitte nennen, die vom stilistischen Zu-
sammenhange des Messkirchers mit H. L. Schäufelein handeln
(S. 31 ff.). Die wohl am meisten auffallenden Analogieen
zwischen Schäufelein und dem Meister von Messkirch, die
gesteiften, wie beiseite geblasenen Haarmassen und die
plumpen Ohren, finde ich nicht erwähnt. Als unterscheiden-
des Merkmal könnte dagegen die innere Gliederung der
Haarmassen angeführt werden, die bei Schäufelein viel mehr
durch das Einzeichnen schwarzer Haarzüge bewirkt wird
als beim Messkircher. Des letzteren Zeichnung der Ohren
ist ferner bei aller Schäufelein'schen Plumpheit dennoch
eleganter und entspricht der feineren Veranlagung dieses
Meisters dem etwas grobkörnigen Schäufelein gegenüber.
Der allgemeine Rücksehluss, den Koetschau in dem erwähn-
ten Abschnitte zieht, wird übrigens durch diese Beobach-
tungen nicht wesentlich beeinflusst, da man so wie so
eine starke Stil Verwandtschaft des Messkirchers mit Schäufe-
lein annehmen muss, ob nun der jüngere bei Schäufelein
selbst in Nördlingen gearbeitet hat oder sonstwie zu den
Schäufelein'schen Eigenheiten gekommen ist. Koetschau's
Arbeit verdient den Dank der Fachgenossen, da sie die Frage
der Fseudo-Beham's in Donaueschingen, Karlsruhe und ander-
wärts nach Möglichkeit in befriedigender Weise gelöst hat.
Das hübsch ausgestattete Buch wird ohne Zweifel vielen
Anklang finden. DU. TU. v. FR.

Hamburg, Im Verlage von C. Boysen ist das wissen-
schaftliche Verzeichnis der älteren Gemälde der Galerie
Weber in Hamburg von Prof. Dr. K. Woermann erschienen.
Wir haben bereits früher (Zeitschrift für bildende Kunst
N. F. III S. 2G0) bei Gelegenheit der Besprechung eines
Potter'schen Bildes der genannten Sammlung auf diesen wert-
vollen Katalog, der mit den Monogrammen der Künstler im
Faksimiledruck versehen, hingewiesen und freuen uns, dass

Sammlungen und Ausstellungen.

derselbe jetzt der Allgemeinheit zugänglich gemacht ist.
Preis M. 4.—.

KUNSTBLÄTTER.

* Von den durch Ed. v. d. Lemnitz begonnenen „Wand-
tafeln zur Veranschaulichung antiken Lebens und antiker
Kunst" ist soeben die 29. Tafel erschienen, welche eine An-
sicht der Westseite des Forum Romanum nach der Rekon-
struktion von Dr. Ch. Hülsen enthält. Dem großen Blatte
liegt die hübsche kleine Darstellung von F. 0. Schtdxe zu
Grunde, welche dem bei Spithöver in Rom 1892 erschienenen
topographischen Übersichtshefte von Hülsen beigegeben war.
Die künstlerische Ausführung der Wandtafel ist jedoch im
höchsten Grade mangelhaft, voll Perspektivfehler und auch
in den Details ganz flüchtig und roh, in den Staffagen ge-
radezu lächerlich. Mit solchem Anschauungsmaterial wird
man den Sinn unserer Jugend für das klassische Altertum
nicht beleben und ihr keine richtigen Vorstellungen von der
Kunst der alten Römer beibringen.

R. B. Eine neue Ansieht der Stadt Nürnberg. Das baye-
rische Gewerbemuseum zu Nürnberg beauftragte den Maler
Wilhelm Ritter (Sohn des Malers und Radirers Lorenz
Ritter in Nürnberg) mit der Herstellung einer großen
15 m breiten, 10 m hohen, auf Leinwand gemalten Ansicht
von Nürnberg zum Schmuck des Raumes, in welchem auf
der Weltausstellung zu Chicago die Erzeugnisse der Industrio
von Nürnberg und Fürth zur Schau gestellt worden waren.
Der Künstler führte seinen Auftrag in ehrenvollster Weise
aus und stellte sein Bild — es ist so groß, dass die Kiste
mit dem zusammengerollten Bild von den meisten trans-
atlantischen Dampfern als zu groß nicht aufgenommen wer-
den konnte — selbst in Chicago auf, wo es sich noch
heute befindet. Nach diesem Ölgemälde Wilhelm Ritter's
fertigte sein Vater, Lorenz Ritter, ebenfalls im Auftrage des
Gewerbemuseums, eine Radirung (44 X 27 cm groß), welche
im Verlage der Hofbuchhandlung Schräg in Nürnberg er-
schienen ist. Das Bild zeigt, von hohem Standpunkte aus
gesehen, den Hauptmarkt mit dem schönen Brunnen, rechts
im Vordergrunde die Frauenkirche, links im Mittelgrunde
die Sebalduskirche, dahinter die Burgstraße und im Hinter-
grunde, alles überragend, die Burg in ihrer ganzen Aus-
dehnung. Überall sind interessante Einzelheiten, dabei ist
das Ganze doch von malerischer Gesamtwirkung. Die Ra-
dirung ist mit bekannter Meisterschaft ausgeführt.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Düsseldorf. Die seit kurzem bei Ed. Schulte ausge-
stellte Kollektion Tiiibner ist kaum geeignet, für diese Rich-
tung des Künstlers neue Freunde zu erwerben. Es sind
meistens Landschaften und Eindrücke, deren etwas hölzerne
Behandlung, verbunden mit totalem Mangel an Farbenreiz,
einen Zweifel hinterlassen, ob absichtliche Gesuchtheit oder
wirklicher Mangel an malerischer Auffassung zu Grunde
liegt Man hat jüngst in München den Namen Trübner
unter den „Modernen" nennen hören. Die nicht uninteres-
sante figürliche Komposition „Gefangennahme Friedrich's von
Österreich durch Ludwig den Bayer in der Schlacht bei Ampfing"
lässt immerhin auf Künstlerturn Anspruch erheben. Den
landschaftlichen Versuchen konnte ich keinen Reiz abge-
winnen. Eine recht interessante Sammlung von Radirungen
hat Fred. Vexin ausgestellt, Figürliches und Landschaft-
liches. Namentlich in den kleinen Marinen, Hafenskizzen und
dergl. ist die Stimmung sehr fein beobachtet und das Male-
rische hervorgehoben. Der Künstler bringt zugleich eine
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