Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Wettbewerbungen.

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Guignard in Paris, eine ,.Herde am Tümpel" und
das gut beobachtete und tüchtig durchgeführte Porträt
einer alten Dame im Garten von Pompeo Mariani.
Interessanter aber als alle diese Arbeiten erschienen
uns mehrere Werke des Norwegers Christian Skredsvig,
unter denen das Bild: „Auf Ski in Norwegen", das
uns zwei junge Burschen in einer hellen Winter-
nacht mit Schneeschuhen zeigte, die Eigenart dieses
ebenso ernsten, als intimen nordischen Künstlers am
besten erkennen ließ. Unter den wenigen bisher
ausgestellten plastischen Arbeiten befand sich ein
Meisterwerk von seltener Vollendung, Maison's be-
malte Statuette eines antiken Philosophen, der das
Spiel zweier Tauben zu seinen Füßen beobachtet.

Konnte man also bei Lichtenberg vielerlei Neues
und Anregendes beobachten, so bot die Ausstellung
des Sächsischen Kunstvereins in letzter Zeit nur
wenige, über das Durchschnittsmaß hervorragende Lei-
stungen, so dass der Besuch seiner Räume kaum
lohnend genug erscheinen konnte. Es war daher ein
glücklicher Gedanke, den größten Teil der von seiten
der Berliner Nationalgalerie veranstalteten Julius
»ScÄofö^-Ausstellung nach Dresden überzuführen, und
man musste nur bedauern, dass es nicht möglich ge-
wesen war, diesen Dresdener Künstler nicht zuerst in
der Stadt zu ehren, in der er doch den besten Teil seines
Lebens verbracht hatte. Da jedoch die Ausstellung
keine neuen Gesichtspunkte für seine Würdigung
darbietet, können wir unsere Leser auf unsere Be-
merkungen verweisen, die wir kurz nach dem Tode
des Künstlers in dem in diesen Blättern veröffent-
lichten Nekrolog gemacht haben.

Dagegen wollen wir nicht unterlassen, auch an
dieser Stelle die erfreuliche Aussicht hervorzuheben,
dass, nachdem der Bau der hiesigen Ausstellungs-
gebäude seiner Vollendung auch im Innern entgegen-
geht, schon im Laufe dieses Jahres eine größere
Kunstausstellung in Dresden abgehalten werden soll.
Sie wird in der Zeit vom 1. August bis zum
5. November stattfinden, und man hofft an maß-
gebender Stelle, namentlich mit Rücksicht darauf,
dass diesmal die zum Ankauf deutscher Kunstwerke
für die Galerie bestimmten Zinsen der Prüll-Heuer-
Stif'tung auf die ansehnliche Höhe von 108,000 Mark
angewachsen sind, auf eine rege Beteiligung der ge-
samten deutschen Künstlerwelt. So sehr wir wünschen,
dass diese Hoffnung in Erfüllung gehen möchte, so
wenig möchten wir uns mit ihr in Sicherheit ein-
wiegen. Der gewaltige Wettbewerb der beiden
Münchener Ausstellungen, verbunden mit demjenigen
der Berliner, die nach allem, was man hört, dieses

Jahr am 1. August noch nicht geschlossen werden
dürfte, sollte doch unseren Vorschlag, den wir schon
früher gemacht haben, als der Erwägung wenigstens
für wert erscheinen lassen, die Dresdener Ausstellungen,
ebenso wie das in Wien der Fall ist, auf das zeitige
Frühjahr zu verlegen. Denn nur dann scheint uns Aus-
sicht vorhanden zu sein, dass auch wir in Dresden wirk-
lich neue Erscheinungen zuerst zu sehen bekommen,
und uns nicht der Hauptsache nach mit Arbeiten
begnügen müssen, die schon früher in München oder
Berlin dem Publikum vorgeführt worden sind. Außer-
dem dürfte die Verlegung auf das Frühjahr auch
insofern günstig wirken, als derjenige Teil der Be-
völkerung, dem man vorzugsweise ein Interesse an
dem Unternehmen zutrauen darf, noch nicht durch
Reisen oder Sommeraufenthalt auf dem Lande von
dem Besuch der Ausstellung abgehalten ist. Ihn
aber gilt es hier hauptsächlich zu berücksichtigen,
da es verfehlt wäre, in erster Linie auf den Zuzug
von Fremden zu rechnen. Wird es doch noch ge-
waltiger Anstrengungen bedürfen, ehe das Ansehen
der Dresdener Kunstausstellungen wieder so mächtig
geworden ist, um den seit Jahren in andere Bahnen
geleiteten Strom in unsere Gefilde zurück zu lenken.

H. A. LIEß.

NEKROLOGE.

0 Der Bildhauer Heinz Hoffmeister, der Schöpfer des
Hansemann-Denkmals in Aachen, des Mendelssohn-Denkmals
in Dessau und des plastischen Schmucks eines monumen-
talen Brunnens in Erfurt, ist am 4. März in der Kolonie
Grunewald bei Berlin im 42. Lebensjahre gestorben. Er
war auch als Maler thätig und hat sich auch als Schrift-
steller durch Reiseschilderungen aus dem Orient und Nord-
afrika und durch eine Märchensammlung ,,Der alte Rabe"
bekannt gemacht.

*jf* Der Archäologe Gerhard Loiting, Bibliothekar am
deutschen Archäologischen Institut in Athen, ist daselbst
am 22. Februar gestorben. Er hat sich besonders um die
Erforschung der Topographie des alten Hellas und um die
Epigraphik verdient gemacht. Auch war er an den Aus-
grabungen in Pergamon beteiligt.

PERSONALNACHRICHTEN.

*** Die Kgl. Akademie der Künste in Berlin hat im
Januar zu ordentlichen Mitgliedern gewählt: 1. den Maler
Professor Ludwig Bokelmann, 2. den Architekten Professor
Joh. E. Jakobsthal, 3. den Architekten Bruno Schmitz, 4. den
Radirer Max Klinger, sämtlich in Berlin, 5. den Maler W.
A. Bouguereau in Paris. Diese Wahlen haben die vor-
schriftsmäßige Bestätigung des Kultusministers erhalten.

WETTBE WERBUNGEN.

Kaiserpreis. Der preußische Kultusminister veröffent-
lichte am 27. Febr. die Bedingungen über die Bewerbung um
den von Kaiser Wilhelm II. gestifteten Preis: Es ist eine voll-
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