Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Bücherschau. — Neue Kunstblätter. — Nekrologe. — Sammlungen und Ausstellungen.

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als Geschöpfe, die ihnen „im Wesen gleich, nur ver-
schieden im Grade der Entwickelung" sind. Wie
Diefenbach selbst erzählt, hat ihm bei der Ausfüh-
rung des Werkes sein Schüler Mdus (Hugo Höppener)
wesentliche Dienste geleistet, da er selbst krank
darniederlag. Offenbar hat sich Mdus auf das ge-
naueste mit der Formensprache und der Gedanken-
welt seines Meisters bekannt gemacht; verraten doch
die zahlreichen, bald darauf an gleicher Stelle aus-
gestellten Zeichnungen des Künstlers einen ganz ähn-
lichen Schönheitssinn und namentlich dieselbe Keusch-
heit der Empfindung, die uns in dem Werke Diefen-
bach's ') entgegentrat.

Ebenso lohnend als ein Gang zu Lichtenberg war
aber in der letzten Zeit auch der Besuch des Ernst
Arnold'schen Kunstsalons, der gegenwärtig eine weit
günstigere Beleuchtung aufweist, als zur Zeit seiner
Eröffnung. Die Fenster sind nämlich mit Rahmen
versehen worden, die mit dünnem, das Licht durch-
lassenden, alle grellenReflexeaber dämpfenden Seiden-
papier überspannt sind. In diesen so nach Möglich-
keit verbesserten Räumen wurde uns zuerst eine Adolf
Menzel- Ausstellung vorgeführt, die außer einer kleinen
Anzahl schon lange bekannter, nur für Dresden neuer
Ölbilder und Aquarelle, namentlich eine stattliche
Reihe noch nie öffentlich ausgestellter Handzeich-
nungen des Meisters enthielt. Sie waren zum größ-
ten Teil nach architektonischen Motiven aus der
Glanzzeit der Dresdener Kunst im 17. und 18. Jahr-
hundert angefertigt, behandelten also malerische Par-
tieen vom Zwinger, vom Palais am Taschenberg, von
der katholischen Kirche u. s. w. und verrieten aufs
neue die einzig dastehende Fähigkeit Menzel's, die
Reize des Barocks und Rokokos mit wenigen, kühn
hingeworfenen Strichen in einer Skizze festzuhalten.
Außerdem führte die Kunsthandlung in ihrem Aus-
stellungssaal über ihrem Hauptgeschäft in der Schloss-
straße eine Sammlung von zum Teil selten gewordener
Originalradirungen, Lithographieen und sonstigen
Reproduktionen nach den Werken Menzel's vor, die
das Bild von der umfassenden Thätigkeit des Künst-
lers erweitern. h. A. LIEB.
(Schluss folgt.)

BÜCHERSCHAU.

Das Werk des Edvard Manch, herausgegeben von
Stanislaw Prxybysxeivski. Berlin, S. Fischer, 1804. 8".
Wer sich über das Wesen und die Entwickelung eines
der Extremsten unter den „Modernen", des violgescholtonen
und vielgepriesenen Norwegers Edvard Münch, authentische

1) Das Werk „Per aspera ad astra" ist von V. A. Heck
in Wien zu beziehen und kostet 24 M.

Aufklärung verschallen will, der studire diese kürzlich er-
schienene Broschüre, in welcher vier seiner Anhänger ihre
über den Maler veröffentlichten Kritiken vereinigt haben,
um so eine von verschiedenen Seiten beleuchtete Charakte-
ristik desselben zu bieten. Abbildungen seiner Gemälde —
wie man sie nach dem Titel der Schrift erwarten könnte
— sind freilich nicht beigefügt. Aber einzelne der Autoren
geben von den Hauptbildern Munch's so drastische Beschrei-
bungen, dass auch derjenige Leser, der nie ein Bild von
dem seltsamen Maler gesehen haben sollte, sich an der Hand
der Schrift eine Vorstellung von dessen eigentümlicher Auf-
fassungs- und Darstellungsweise zu bilden im stände ist.
Am wenigsten dürfte dies auf Grund der begeisterten Ab-
handlung von Meier- Gräfe der Fall sein, die mehr ein
Hymnus als eine Kritik ist. Am besten geschieht es durch
die klar und ruhig gehaltene Darlegung von Willy Pastor.
Der Beitrag von Franx Servaes enthält sogar manche nicht
unbeträchtliche Einschränkungen. In den von dem Heraus-
geber beigesteuerten Teilen erhalten wir u. a. mehrere nicht
unwillkommene biographische Daten über den Künstler.
Danach entstammt Edvard Münch einer sehr alten norwe-
gischen Familie, aus welcher eine Anzahl der bedeutendsten
Männer Norwegens hervorgegangen sind. Er ist am 12. De-
zember 18G3 in Löiton, Provinz Hedemarken, geboren und
in Christiania erzogen, studirte kurze Zeit in Paris und
siedelte vor einigen Jahren nach Berlin über. L.

NEUE KUNSTBLÄTTER.

Von der Photographischen Kunstanstalt Ad. Braun &
Co. in Dörnach i. E. gelangt zur Zeit ein neues Galerie-
werk zur Ausgabe. Es enthält die Gemälde des Museums
in Antwerpen mit historischem Uberblick und beschrei-
bendem Text von Genard, Archivar der Stadt Antwerpen.
Dasselbe umfasst 131 Blatt Photographieen, davon lüü
in großem Format (Plattengröße 40x50) und 25 Blatt
im Mittelformat (Plattengröße 24x30); erstere kosten 12 M.,
letztere 6 M.; das Werk erscheint in 4 Mappen, von denen
alle 3 Monate eine zur Ausgabe gelangt, sodass die Samm-
lung binnen Jahresfrist vollständig ist.

NEKROLOGE.

*£* Der spanische Geschieht»- und Bildnismaler Vre-
derieo dt Madraxo, Direktor der Gemäldegalerie in Madrid,
ist daselbst am 10. Juni im Alter von 79 Jahren gestorben.

%* Der belgische Tiermaler Charles Tschaggeny, dessen
Spezialität die Darstellung des Pferdes war. ist am 13. Juni
in Brüssel im Alter von 79 Jahren gestorben.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

' A. R. Die Direktion der Berliner Naiionalgalerie hat
eine Ausstellung von Holzschnitten nordamerikanischer Künst-
ler in Probedrucken veranstaltet, in der über dreißig Namen
mit etwa 300 Blättern vertreten sind. Sie ist besonders für
diejenigen deutschen Xylographen und Kunstfreunde lehr-
reich, die keine Gelegenheit haben, die in den Vereinigten
Staaten von Nordamerika erscheinenden illustrirten Wochen-
und Monatsschriften einzusehen, unter denen die Unter-
nehmungen der Firmen Harper und Scribner die künstlerisch
hervorragendsten und bei dem fein entwickelten Kunstsinn
der begüterten Klassen in Nordamerika auch die verbreitetsten
sind. Seit 1879 sind auch uns Sammlungen solcher Holzschnitte
mehrfach vorgeführt worden, damals in München, zuletzt auf
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