Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Bücherschau. — Kunstlitteratur und Kunstblätter. — Pcrsonalnachriehten. — Preisverteilungen.

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1538 habe ich schon bei meinem Besuch in Kremsier
vor etwa sechs Jahren gesehen, ohne einen bestimmten
Namen dafür zu finden. Seither sind sie in den Vor-
rat gekommen und wieder hervorgeholt worden. Eines
dieser Bilder ist allerdings nicht mehr zu retten und
zu deuten, an dem zweiten besser erhaltenen aber ge-
wahrt man eine so feine Hand, dass man an gute Arbeiten j
des Bartel Bri/i/n gemahnt wird, ohne dass dieser Name i
als bindend zu nennen wäre. Der Einfluss des jüngeren
Holbein ist unverkennbar, soweit es sich an dem einen,
wohlerhaltenen Bildchen (es stellt einen Herrn dar, der
die hellbraunen Handschuhe vor sich hält) feststellen
lässt. Etwa Vit Lebensgröße. Hellblauer Hintergrund;
Eichenholz. Oben halbrund.

Unter den späten Arbeiten von deutscher Hand
fielen mir Gemälde von Joh. Heinr. Schönfeld auf.
Eines davon, ein großes Breitbild mit der Schmiede des
Vulkan, ist im alten Inventar von 1691 nachweisbar.

Wien, 15. September 1895.

Dr. TBL v. FBIMMEL.
BÜCHERSCHAU.

Anselm Feuerbach. Sein Leben und seine Kunst. Dar-
gestellt von Julius Allgeyer. Mit einem in Kupier
gestochenen Selbstbildnis des Künstlers und 3S Text-Illu-
strationen in Autotypie. Bamberg, Buchners Verlag \
(R. Koch). 1894. XIV und 342 S. 8».

* Der Verfasser dieses verdienstlichen Buches, ein in-
timer Freund Anselm Feuerbachs, hatte in dem „Vermächt-
nis" des letzteren eine feste Grundlage für das litterarische
Denkmal vor sich, das er dem Dahingeschiedenen errichtet.
Aber er wusste das Bild, das er von ihm entwirft, durch
manchen neuen Zug, besonders aus den reifen Jahren des
Künstlers, zu beleben und bringt namentlich aus Feuerbachs
Briefen und aus denen seiner edlen Stiefmutter viel dankens-
wertes Material bei, durch das die von Feuerbach selbst
entworfene Charakterskizze vervollständigt und geklärt wird.
Den Schluss bildet ein Aufsatz über Feuerbachs Stellung in
der Kunstgeschichte und ein als Anhang beigefügtes Ver-
zeichnis der sämtlichen Gemälde, Skizzen, Entwürfe und
Studien des Meisters. Die nicht eben reiche Litteratur der
deutschen Künstlerbiographien hat damit einen dankens-
werten Zuwachs erhalten.

* In der Sammlung Harrach in Wien wird der reiche
Besitz an Kupferstichen gegenwärtig einer Neuanordnung
unterzogen, mit welcher der Scriptor der k. k. Akademie,
Dr. J. Dernjac, betraut ist. Eine Frucht dieser Arbeit ist
eine Abhandlung über die „Englischen Karikaturisten des
18. Jahrhunderts", in welcher Dernjac eine wenig bekannte
Gruppe von Zeichnern und Stechern, besonders Farbenstechern
und Radirern, auch Arbeitern in Aquatinta-Manier, in künst-
lerischer wie in geschichtlicher und kulturhistorischer Hin-
sicht eingehend würdigt. Bei der Seltenheit solcher Unter-
suchungen in der deutschen Kunstlitteratur verdient die
Darstellung des Wiener Kunstgelehrten umsomehr Beachtung.

* Neue Auf lagen. Der „Katechismus der Kunstgeschichte"
von Bruno Bucher (Leipzig, Weber) ist soeben in vierter,
verbesserter und mit 276 Illustrationen ausgestatteter Auf-
lage erschienen. — Die sechste durchgearbeitete Auflage liegt
von L. H. Fischers „Technik der Aquarell-Malerei" (Wien,
Gerold) vor.

* Schulrat Josef Langt in Wien, unser geschätzter Mit-
arbeiter, hat über die Habsburg, den Stammsitz des Kaiser-
geschlechts, eine kleine sorgfältig gearbeitete Monographie
herausgegeben, die das gesamte topographische und geschicht-
liche Material über die Burg und die denkwürdigen Stätten
in ihrer Umgebung zusammenfasst und durch hübsche kleine
Pläne und Illustrationen erläutert. Das Scbriftchen ziert
den Jahresbericht der k. k. Staats-Oberrealschule der Wiener
Leopoldstadt für 1895 und wird namentlich in Schulkreisen
dankbar aufgenommen werden.

KUNSTLITTERATUR und KUNSTBLÄTTER.

* Als ein Meisterstück des Farbenlichtdrucks dürfen die
vier zu einem Cyklus vereinigten kleinen Bildchen bezeichnet
werden, welche die Kunstanstalt von J. Löwy in Wien so-
eben nach farbigen Vorlagen von Leopold Burger heraus-
gegeben hat, Das viergliedrige Bild führt den Namen „Die
vier Jahreszeiten" und schildert uns mit all der Wahrheit
und zugleich mit dem gewählten Geschmack, die den treff-
lichen jungen Künstler charakterisiren, das tausendfältig
erlebte und nachempfundene Drama von des Lebens Lust und
Leid. Wir sehen den blonden, verliebten Bauernburschen
mit seinem Schatz unter Blütenbäumen dahinwandeln, be-
lauschen sie beim Kosen im grünen Hag, nehmen dann Teil
an dem traurigen Abschied des Rekruten, und finden schließ-
lich die arme Verlassene wieder, mit ihrem Kindchen, mitten
im Schnee in eisiger Winternacht, vom Himmel Rettung in
ihrer Not erflehend. Das Ganze ist voll echter Empfindung
schlicht und natürlich, die technische Durchführung — wie
gesagt — musterhaft.

PERSONALNACHRICHTEN.

* William Unger, der bisher eine Professur an der
Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums für Kunst
und Industrie bekleidete, wurde an Stelle des in den Ruhe-
stand getretenen J. Sonnenleiter zum Professor der Kupfer-
stecherkunst an der k. k. Akademie der bildenden Künste in
Wien ernannt.

*t* Zu etatsiuäßigcii Professoren an der Kunstakademie
in Karlsruhe sind die Maler Graf Ijeopold von Kalkreuth, der
eine Zeitlang Lehrer an der Kunstschule in Weimar gewesen
ist, und Viktor Weishaupt in München ernannt worden.
Letzterer tritt an die Stelle des Tiermalers Heinrich Zügel,
der an die Münchener Kunstakademie berufen worden ist.

0 Adolf Menzel wird zu seinem 80. Geburtstage (8. De-
zember 1895) zum Ehrenbürger der Stadt Berlin ernannt
werden.

PREISVERTEILUNGEN.

Venedig. Endlich hat die lange erwartete Preisverteilung
stattgefunden. Die Preisrichter, unter welchen Künstler
nicht vertreten waren, waren folgende: die Herren W. M.
Rosetti als Vorsitzender (England), Prof. Jul. Lange für
Dänemark, Prof. R. Muther (Deutschland), Prof. R. De
la Sizeranne (Frankreich), Prof. A. Ventüri (Italien). Die
Preise wurden nachstehenden Künstlern zuerkannt: 1. In-
ternationaler Preis 10 000 Lire von Venedig: F. O. Mi-
chetti für das Bild „die Tochter Jairi's". 2. Regierungs-
preis 5000 Lire 67. Segantini: „Rückkehr ins Vaterland*.
3. InternationalerPreis 5000Lire Provinz Venedig: Max Lieber-
mann: Porträt des Gerhart Hauptmann. 4. Internationaler
Preis der hiesigen Sparkasse 5000 Lire: Paulsen, „Die warten-
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