Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Buche

rschau.

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,,Vorarbeit" für ein abschließendes Werk, „als gesammeltes
Material" zu einer wirklich biographischen Darstellung be-
trachtet wissen. Er fand seine Hauptaufgabe darin, „in
dem Sumpf und Urwald der bisherigen kritiklosen Litteratur"
über den Gegenstand festen Boden für neue Wege zu ge-
winnen. Und er hat sich mit dem negativen Teile dieser seiner
Arbeit viele, vielleicht allzu viele Mühe gemacht. Dann
aber galt es, nun auch die Grundlagen durch Herbeischaffung
urkundlichen Materials positiv und sicher zu gestalten. In
dieser Hinsicht enthält das llg'sche Duch die umfangreichste
Sammlerfrucht, die wir zur Geschichte der Spätrenaissance
in Österreich bisher besitzen. Jedem, der sich überhaupt
mit der Kunst des Barockzeitalters beschäftigt, wird sie
dankenswerte Winke und Nachweise bieten. Und zwar
nicht nur für die führenden Meister, sondern ganz besonders
auch für das Heer der minder bedeutenden Architekten,
Bildhauer, Dekorateure und Maler, welche jene umkreisen
und bisweilen ihr Licht an Stelle der großen Gestirne leuchten
lassen möchten. Der erste Teil, welcher dem älteren Fischer
gewidmet ist, zerfällt in vier Abschnitte, deren jedem aus-
führliche Notizen mit Quellen- und Litteratur-Angaben an-
gehängt sind. Der erste Abschnitt behandelt die Abstam-
mung, die Jugend und die italienische Studienzeit Johann
Bernhards, sowie seine ersten nach der Heimkehr ausge-
führten Arbeiten. Wir wissen durch Ilg's frühere Mitteilungen,
dass Fischer (getauft am 20. Juli 1656) ein geborener Grazer
war; über die Eltern des Meisters enthält das Buch viele
neue Details, darunter auch manches Überflüssige. Den
Namen der Familie schreibt der Autor Fischer (nicht Fischers)
und weist den von Richter in Dresden ausgesprochenen Ge-
danken an niederländischen Ursprung derselben oder an
einen näheren Zusammenhang mit den niederländischen
Vischers zurück. Ebenso verhält sich Ilg ablehnend gegen
die, wie uns scheint, sehr beachtenswerten Studien von
Dernjac, wonach wir in der künstlerischen Entwicklung des
älteren Fischer einen starken französischen Einschlag zu
erkennen haben. Ilg's lückenhafte Kenntnisse der franzö-
sischen Kunstlitteratur des 17. bis 19. Jahrhunderts lassen ihn
manches übersehen oder geringschätzen, was da zu beachten
gewesen wäre. Die Entwicklung Englands und der Nieder-
lande wird gleichfalls zu wenig, so gut wie gar nicht, be-
rücksichtigt. — Aus den folgenden Abschnitten sei dann die
Erörterung über die Peterskirche in Wien hervorgehoben;
der Autor bringt da ein mit größtem Fleiß herbeigeschafftes
Material vor, durch dessen Betrachtung jedoch die Urheberfrage
dieses reizenden Baues, bei dem wir an Fischers eigene Person
als Planverfasser sicher nicht zu denken haben, leider ihrer
Lösung nicht näher gebracht wird. — Die Kritik des „Ent-
wurfs einer historischen Architektur", dessen kunstgeschicht-
liche Bedeutung Ilg mit guten Gründen ungemein hoch schätzt,
steht auf ziemlich schwachen Füßen, wie überhaupt seine
Methode der Quellenbenutzung eine den Anforderungen der
Wissenschaft nicht immer entsprechende ist. — Sehr aus-
führlich wird, wie nicht anders zu erwarten war, das archi-
tektonische Hauptwerk des älteren Fischer, die malerisch
wie architektonisch gleich großartige Karlskirche in Wien
behandelt. Doch sind die von Ilg beigebrachten Daten zur
kunstgeschichtlichen Charakteristik dieses Baues mehr von
untergeordnetem als von wesentlichem Belang. — Wir behalten
uns vor, nach Erscheinen des Schlussbandes über den jün-
geren Fischer auf die wichtigeren Details der Arbeit näher
einzugehen. Hoffentlich finden die beiden Fischer dann
später auch ihren wirklichen, den Stoff künstlerisch beherr-
schenden Biographen.

Jos. Pennell, Pen drawing and Pen draughtsmen (Mac-
millan & Co., London & New York). — Allmählich wächst das
Interesse an der einfarbigen Abbildungskunst doch ein wenig
in Deutschland. Hie und da treten schon reine Schwarz-
weiß-Ausstellungen auf, Radirervereine floriren wieder etwas
mehr als früher, und selbst einige Künstlervereinigungen, die
wesentlich aus Malern bestehen, wie z. B. der Verein
bildender Künstler zu Dresden mit seinen Vierteljahrsheften,
versuchen es, sich auch in diesem Medium auszusprechen.
Endlich ist auch der Besuch der Kabinette erfreulicherweise
neuerdings im Steigen begriffen, wenigstens dort, wo die je-
weilige Verwaltung bestrebt ist, das Publikum anzuziehen,
in dem es Studium und Genuss der neuen Erscheinungen
möglichst erleichtert. — Von allen Gebieten der Schwarz-
weiß-Kunst ist die reine Linien-Federzeichnung doch wohl
das vornehmste, da in ihm ein wirklich durchgebildeter
selbständiger Stil zu erreichen ist. Das vorliegende Buch
versucht einen Überblick über den augenblicklichen Stand
der Federzeichnung in ganz Amerika und Europa zu geben.
Das ist dem Verfasser und Verleger in hervorragender Weise
gelungen. Nicht nur aus diesem Grunde möchte man dem
Werk eine angemessene Verbreitung in Deutschland wünschen.
Zunächst sollten es einige unsrer großen Verleger in die
Hände bekommen. Im Vorwort bedankt sich der Verfasser
dafür, dass Macmillan manche Cliches 8 —lOmal hat ver-
fertigen lassen, bis sie tadellos waren, wo ein andrer schon
mit dem 3.-4. Versuch, die meisten aber mit dem 1.—2.
sich begnügt hätten. Es giebt in Deutschland ebensogute
chemigraphischo Anstalten wie anderswo, aber gute Arbeit
will bezahlt sein. Der deutsche Verleger sieht sich erst um,
welche Firma ihm am billigsten liefert, nicht am besten,
und daher arbeiten die Leute derauf los, in möglichst kurzer
Zeit ein annehmbares Cliche zu machen. Derselbe Block
könnte in doppelter Zeit, durch sorgfältige Behandlung,
Nachätzen u. s. w. zur dreifachen Wirksamkeit gebracht
werden. Aber das kostet Arbeitslohn und der wird hier un-
gern bezahlt. Doch die Cliches erhält man amende noch
gut: sie nützen einem aber nichts, denn es giebt hierzulande
fast keine Druckereien, die den Abbildungsdruck verstehen.
Man sehe sich das Pennell'sche Buch an! Zunächst das
doppeltgeleimte amerikanische Illustrationspapier. Es ist
doch eine klare Forderung, dass bei einem ' x ,rz-Weiß-
Bilde das Papier wirklich weiß sein muss, ..nd die Tinte
wirklich schwarz. In Deutschland scheut man die Extra-
Ausgabe von einigen Pfennigen pro Bogen und druckt auf
einem Material, auf dem sich kein Bild drucken lässt, mit
wagenschmierähnlicher Schwärze statt mit der prima zähen
Qualität, unter Anwendung von mäßigem statt allerhöchstem
Druck. Auch die Luxuspapiere, also die öfters angewendeten
teuren Sorten, sieht man nicht rein weiß und vor allem nie
tadellos glatt, was besonders für den Rasterblock Bedingung
ist. In allen diesen Punkten kann vorliegendes Buch als
Muster gelten, wie es überhaupt als eins der allerbest aus-
gestatteten „Hochdruck"-Bücher gelten darf. — Früher war
die Federzeichung für Bücherillustration natürlicherweise nur
unter Mithilfe des Holzschneiders verwendbar. Alle Quali-
täten der Linie, die eigentümlichste autographische Behand-
lung hatte der Druck gegenüber der ursprünglichen Zeichnung
verloren. Das hat sich gebessert seit dem Eintreten der
photomechanischen Reproduktion, doch nicht sogleich. Auf
einer Ausstellung vor einigen Jahren sah man Original-
zeichnungen Oberländers für die „Fliegenden", mit des Künst-
lers Aufschriften: „Bitte Herrn Meisenbach genau auf die
Breite der Linie zu achten" und dergl. versehen. Er soll
eine Zeitlang seine Zeichnungen unbezeichnet veröffentlicht
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